Es begann mit dem Mond, einem der ersten Worte, die Susanne Wampfler aussprechen konnte. Als Kleinkind fragte sie sich im Auto, weshalb der Mond immer mitkomme. Heute geht sie mit ihrer Forschung weit über den Mond hinaus: Wie entstehen Sterne und Planeten? Wieso ist unser Sonnensystem so, wie es ist? Gibt es auch woanders die Zutaten für Leben, und wo überall sind diese zu finden? Fragen, die heute die Astrochemikerin umtreiben.

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In Baden besuchte Wampfler einst das Gymnasium und entschied sich danach für ein Physikstudium an der ETH. 2007 erlangte sie den Master, fünf Jahre später das Doktorat. Nach einem vierjährigen Forschungsaufenthalt in Kopenhagen kam die heute 41-Jährige ans Center for Space and Habitability (CSH) derUniversität Bern, wo sie nun eine Förderprofessur des Schweizerischen Nationalfonds innehat.

Im Zentrum ihrer Forschung stehen nicht unbedingt die riesigen Gestirne an sich, sondern diemessbare Strahlung von Molekülen im Weltall, aus denen schliesslich Planeten und Sterne entstehen. «Wir sehen etwa im Sonnensystem, dass die Stickstoff-Zusammensetzung von Planeten und Meteoriten anders ist als die der Sonne. Und das macht auf den ersten Blick nicht viel Sinn, weil alles aus der gleichen Gaswolke entstanden ist.»

Eines ihrer aktuellen Ziele ist nun, zu verstehen, welche Prozesse bei der Entstehung der Sonne zu diesem Unterschied führten. Angesagt sind aber auch öfters Zusammenarbeiten mit Missionen der European Space Agency (ESA). «Wir interpretieren gesammelte Daten und geben Tipps und diskutieren, wonach man schauen könnte.»

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All das klingt vielleicht etwas – weltfremd. Doch Grundlagenforschung, wie sie Wampfler betreibt, und der Drang nach immer präziseren Daten treiben auch technische Entwicklungen voran. «Die Empfänger-Technologie von Teleskopen wird heute etwa bei Wi-Fi angewendet.»

Immer mehr kommen sich die Astronomen aber auch mit der Industrie in die Quere – weil die empfangenen Signale aus dem Universum sehr schwach sind und beispielsweise von Satelliten überstrahlt werden, was die Forschung erschwert. «Wir brauchen deshalb einen guten Draht zur Industrie und zum Bakom, damit wir Kompromisse mit der Industrie finden», sagt Wampfler. Dem technischen Fortschritt wollen die Forscher schliesslich nicht im Weg stehen.