Männer dominieren die Chefetage. Warum? Weil die Frauen in unserem System diskriminiert werden – so das Narrativ vieler Journalistinnen und Politiker. Sie zeichnen das Bild einer patriarchalisch geprägten Wirtschaft, die die Frauen in ihren Möglichkeiten beschneidet.

Diese Argumentation ist falsch. Und schädlich, denn sie nährt in der Bevölkerung den Glauben, mit unserer Gesellschaft stimme etwas nicht und es müssten dringend rabiate Umwälzungen herbeigeführt werden.

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Solche Äusserungen stiften Unfrieden zwischen den Geschlechtern. Und sie nähren Empörung – die sich dann von der blühenden Selbstgeisselungsbranche zu Geld machen lässt. Bringen wir Ordnung in die Argumente.

Es wird angeführt, Stelleninserate für Führungspositionen seien mit Begriffen durchsetzt, von denen sich vor allem Männer angesprochen fühlten, etwa «durchsetzungsstark» und «leistungsorientiert». Das stimmt. Aber nicht, weil spezifisch Männer gesucht werden, sondern Personen, die durchsetzungsstark und leistungsorientiert sind. Ob weiblich oder männlich, ist egal.

Das Argument mit den Stelleninseraten ignoriert die von Führungskräften verlangten Eigenschaften – und es ist eine Beleidigung für alle Frauen, weil es ihnen Durchsetzungsstärke und Leistungsorientierung abspricht.

Christian Fichter ist Wirtschaftspsychologe und Forschungsleiter der Kalaidos Fachhochschule Schweiz.

Ein anderes Argument ist, dass die Anforderungskataloge für Führungspositionen nicht auf weibliche Kompetenzprofile zugeschnitten seien. Ergo solle man an weibliche Führungskräfte andere Anforderungen stellen als an männliche. Das ist absurd.

Für den Job als Bauleiter eines 1000-Megawatt-Pumpspeicherkraftwerks in Südost-Kirgistan braucht es nun mal ein Maschineningenieurstudium, ausgewiesene Führungskompetenz und zehn Jahre Auslandserfahrung.

Ja, vielleicht schafft es auch die Sozialanthropologin mit Austauschsemester in Berlin-Kreuzberg. Aber wahrscheinlich nicht. Bekommt sie den Job, so schadet das der Sache der Frau mehr, als es nützt. Gerne greifen die vom Unterdrückungsnarrativ Berauschten in die Mottenkiste sozialpsychologischer Sensationsbefunde.

Personen, die eine Spitzenposition anstreben sind willens, diesem einzigen Ziel alles andere unterzuordnen: Familie, Partner, Kinder und Freunde, sogar die eigene Gesundheit.

Angeblich wählen Frauen unter dem Einfluss sozialer Normen berufliche Optionen, die ihren wahren Interessen (MINT!) entgegenstehen; sie leisten weniger, sobald sie sich von Stereotypen bedroht sehen; wegen unbewusster Vorurteile («Unconscious Bias») werden ihre Führungsqualitäten unterschätzt; und sie werden durch subtile verbale und nonverbale Signale («Microaggressions») eingeschüchtert.

Diese Befunde sind längst widerlegt oder relativiert worden, doch die Diversity-Industrie lebt von deren Legende, um Firmen Anti-Bias-Trainings aufnötigen zu können. Die natürlich jährlich wiederholt werden müssen, um die behauptete «systemische Diskriminierung» zu überwinden.

Es ist anders. Personen, die eine Spitzenposition anstreben – die willens sind, diesem einzigen Ziel alles andere unterzuordnen: Familie, Partner, Kinder und Freunde, sogar die eigene Gesundheit –, sind in der Mehrzahl männlich.

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Eine Studie von McKinsey von 2012 zeigt, dass bei einsteigenden Berufstätigen 36 Prozent der Männer, aber nur 18 Prozent der Frauen eine C-Level-Position anstreben. Diese Personen haben eine überdurchschnittliche Leistungs- und Machtmotivation.

Sie sind bereit und fähig, für ihre Karriere zu kämpfen. Denn es ist alles, was sie haben, und alles, was sie können. Für einige Menschen klingt das verlockend, für die meisten aber nicht. Und im Durchschnitt sind es eben eher Frauen, die das gecheckt haben – und diese Option daher für nicht erstrebenswert halten.

Das ist der wahre Grund, warum es weniger Frauen in Führungspositionen gibt. Ein guter Grund, finde ich.