In einem aktuellen Kommentar für die «Financial Times» trägt die Ökonomin Dambisa Moyo Argumente vor, warum Wirtschaftslenker in Bitcoin investieren sollten. Ihre drei wichtigsten sind,

  • dass Bitcoin eine Methode zur Minderung von Unternehmensrisiken sei;
  • dass Kryptowährungen mögliche Lösungen böten, um Geschäfte in Schwellenländern zu tätigen;
  • dass die digitalen Währungen eine aufregende neue Zukunft der «Währungsplattformen» einläuten.

Hat Moyo Recht? Lassen Sie uns Ihre Punkte nacheinander betrachten.

Erstens ist es unklar, wie der Kauf von Bitcoins Unternehmensrisiken abmildern könnte. Das einzige Risiko, dass Moyo identifiziert, besteht darin, eine der grössten Spekulationsblasen aller Zeiten zu verpassen.

Willem H. Buiter ist Gastprofessor an der Columbia University. Der Ökonom hatte in seiner Karriere unter anderem Professuren in Princeton, Yale und an der London School of Economics, und er arbeitete auch als Chefökonom der Citigroup.

Natürlich könnte ein Unternehmen, dem ein fortgesetzter Wertzuwachs von Bitcoin entgeht, düstere Konsequenzen erleiden – darunter die Übernahme durch einen in Bitcoin investierten Rivalen. Investitionen in Bitcoin sind offensichtlich ein sicherer Weg, um zu vermeiden, Kapitalerträge durch Wertsteigerungen von Bitcoin zu verpassen.

Doch das macht sie noch lange nicht zu einer klugen Kapitalanlage, insbesondere, wenn man die potenziellen Renditen gegen das hohe Risiko erheblicher Kapitalverluste abwägt.

Lösung für Schwellenländer?

Gleichermassen weit hergeholt ist die Vorstellung, dass Kryptowährungen Lösungen für Probleme darstellen könnten, die einem häufig in Schwellenvolkswirtschaften begegnen.

Es stimmt, dass für dezentralisierte private Kryptowährungen wie Bitcoin – anders als für herkömmliches Fiatgeld, zu dem auch die digitalen Währungen der Notenbanken gehören – nicht die Gefahr besteht, dass verschwenderische Regierungen zu viel davon herausgeben.

Es stimmt auch, dass das Risiko, dass zu viel Geld emittiert wird, in einigen Schwellenmärkten höher ist als in den meisten hochentwickelten Volkswirtschaften.

Doch sind überhöhte Währungsemissionen nur eine mögliche Bedrohung für die Finanzstabilität in den Schwellenmärkten; die Ausschaltung dieser Bedrohung macht aber Bitcoin nicht plötzlich zu einem zuverlässigen Wertspeicher.

Volatil und ineffizient

Ganz im Gegenteil: Die Preisvolatilität von Bitcoin seit dessen Einführung 2009 war atemberaubend. Laut einer Berechnung von JPMorgan vom 17. Februar lag seine realisierte Volatilität über drei Monate zu diesem Zeitpunkt bei 87 Prozent, verglichen mit lediglich 16 Prozent bei Gold. In ähnlicher Weise stellt eine aktuelle Studie fest, dass die Preisvolatilität von Bitcoin fast zehn Mal so hoch ist wie die anderer wichtiger Fiatwährungen (wie etwa die des Dollars zum Euro und zum Yen).

Dambisa Moyo legt ausserdem nahe, dass sich mit Bitcoin Zahlungen in Länder niedrigen und mittleren Einkommens vereinfachen lassen. Dies ignoriert jedoch die Tatsache, dass Bitcoin-Transaktionen notorisch ineffizient sind.

Weil ihre Blockgrösse auf ein Megabyte beschränkt ist und der Abwicklungsprozess etwa zehn Minuten pro Block dauert, können pro Sekunde nur sieben Transaktionen abgewickelt werden.

Mehr über Bitcoin & Co.

Keine Ausweitung des Angebots möglich

Im Gegensatz dazu bearbeitet Visa durchschnittlich 1700 Transaktionen pro Sekunde und könnte potenziell mehr als 65'000 Transaktionsmitteilungen pro Sekunde abwickeln. Bitcoin ist von seinem Design her schlicht zu ineffizient, um je ein effektives Zahlungsmittel zu werden.

In ähnlicher Weise ist die Tatsache, dass das Bitcoin-Angebot auf 21 Millionen Einheiten beschränkt ist, eher ein Nachteil als ein Verkaufsargument. Eine richtige Währung sollte imstande sein, eine massive Ausweitung des Angebots zu ermöglichen, wenn die Umstände dies erfordern – etwa im Falle einer Finanzkrise oder einer Erschütterung der Gesamtnachfrage.

Es kann für Bitcoin und andere dezentralisierte Kryptowährungen keinen Kreditgeber oder Marketmaker letzter Instanz geben, der zu systemischen Rettungsoperationen in der Lage ist.

Die Speerspitze einer neuen Ära?

Und schliesslich: Ist Bitcoin wirklich die Speerspitze einer neuen digitalen Währungsinfrastruktur, die zu ignorieren kluge Anleger sich nicht leisten können? Nein. Die derzeit in China und anderswo in der Entwicklung befindlichen digitalen Notenbankwährungen haben mit Bitcoin und anderen dezentralisierten privaten Kryptowährungen nichts gemein.

Es kommen dabei weder Blockchain- oder sonstige Distributed-Ledger-Technologien (DLT) zum Einsatz noch ist ein «Proof of Work» erforderlich, um die Validität einer Transaktion zu belegen.

Vielmehr funktionieren digitale Notenbankwährungen als simple digitale Versionen herkömmlicher Bankkonten. Im Prinzip könnten sie sich als individuelle Konten bei der Notenbank für jeden Verbraucher und jedes Unternehmen im Zuständigkeitsbereich der Bank umsetzen lassen.

Alternativ könnten diese Konten von der Notenbank garantiert werden, aber bei einem breiten Spektrum privater Finanzinstitute geführt werden.

Digitale Notenbankwährungen stellen keine echte Neuerung dar. Sie sind keine revolutionäre Entwicklung wie dezentralisierte DLT-gestützte Kryptowährungen.

Bitcoin ist eine Umweltkatastrophe

Aber diese Revolution ist bereits gescheitert, weil Bitcoin und ähnliche Kryptowährungen als Wertspeicher äusserst unattraktiv sind. Kein vernünftiger Anleger sollte sie anrühren (sofern er nicht enorm tiefe Taschen und eine äusserst hohe Risikotoleranz aufweist).

Zudem ist Bitcoins extrem hoher Energiebedarf ein weiterer Nagel in seinem Sarg. Bitcoin-Transaktionen werden durch Proof-of-Work-Operationen («Mining») verifiziert, die exorbitant energieintensive Rechenanstrengungen erfordern.

Der Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index schätzt den jährlichen Energieverbrauch auf 139 Terawattstunden – das ist mehr als der von Argentinien.

Vereinfacht ausgedrückt: Bitcoin und andere Proof-of-Work-Kryptowährungen sind eine Umweltkatastrophe. Noch schlimmer ist, dass Kryptowährungen grenzenlos repliziert werden können, was die Umweltschäden noch verstärkt.

«Bitcoin ist ein übertrieben riskantes und ökologisch nicht wünschenswertes Investment.»

Fussnote der Geschichte

Mit Stand 29. März 2021 waren auf CoinMarketCap 4490 Kryptowährungen gelistet – angefangen mit Bitcoin (mit einer Marktkapitalisierung von 1,08 Billionen Dollar) und gefolgt von Ethereum (mit einer Marktkapitalisierung von 204 Milliarden Dollar).

Unterm Strich ist klar: Bitcoin ist ein übertrieben riskantes und ökologisch nicht wünschenswertes Investment.

Es ist keine vernünftige Lösung für irgendein Schwellenmarktproblem, und es kann unmöglich als Wertspeicher oder zuverlässiges Tauschmedium dienen. Je eher Bitcoin und andere DLT-gestützte Kryptowährungen zu einer Fussnote der Wirtschaftsgeschichte werden, desto besser.

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