Zug ist zum Zentrum für die Blockchain- und Kryptounternehmen geworden, und das selbst ernannte «Crypto Valley» fördert die IT-Verschlüsselungstechnologien kräftig.

Auch die kantonale Steuerbehörde macht seit neustem mit bei diesem Engagement. Ab Anfang des Jahres ermöglicht sie der Bevölkerung und den Gesellschaften, die Steuerrechnung in den Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum zu bezahlen – bis zum Höchstbetrag von 100'000 Franken.

«Es funktioniert einwandfrei»

Der Kanton hat dafür eine Partnerschaft mit Bitcoin Suisse geschlossen. Der Zuger Krypto-Finanzdienstleister nimmt die digitalen Münzen entgegen, wechselt sie zum Tageskurs in Franken und leitet den Betrag an die Verwaltung weiter.

Dieser Ablauf wird durch einen QR-Code gestartet, denn die Steuerpflichtigen auf Anfrage von der Verwaltung erhalten. «Wir haben das System mehrfach getestet und es funktionierte einwandfrei», sagt der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler.

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«Wir erwarten eine regelmässige Nutzung»

Ob der neue Service populär wird, kann Tännler allerdings noch nicht sagen – denn die Steuerrechnung ist soeben bei den Steuerzahlenden eingetroffen, sie ging erst Anfang letzter Woche auf die Post.

Bitcoin Suisse rechnet jedenfalls mit einem grossen Echo. «Wir  erwarten eine regelmässige Nutzung der Dienstleistung durch Privatpersonen und ansässige Firmen», heisst es beim Unternehmen. 

Bitcoin Suisse kann aus Erfahrung sprechen, denn es wickelt für die Stadt Zug seit 2016 Zahlungen in Bitcoin ab. Bei der Stadt lassen sich Dienstleistungen bis 200 Franken mit den «Token» bezahlen, beispielsweise die Beglaubigung einer Unterschrift. «Zu Beginn haben wir etwa 40 Zahlungen pro Jahr erhalten, letztes Jahr waren es noch etwa ein Dutzend», sagt Stadtschreiber Martin Würmli.

 

Heinz Taennler, SVP, telefoniert waehrend des 2. Wahlgangs fuer den zweiten Staenderatssitz des Kantons Zug, am Sonntag, 17. November 2019, im Regierungsgebaeude in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler: Sein Departement zeigt sich offen gegenüber Kryptowährungen.

Quelle: Keystone

Die Transaktionsgebühren sind gestiegen

Für den Rückgang gibt es eine einfache Erklärung: Es ist schlicht zu teuer geworden, kleine Frankenbeträge mit Bitcoin zu bezahlen. Denn Bitcoin sind nur gegen Transaktionsgebühren erhältlich, welche die Bitcoin-«Miner» für ihre Arbeit verlangen. Seit 2016 sind die Transaktionsgebühren deutlich gestiegen.

Bei den Steuern stellt sich dieses Problem hingegen nicht, denn es sich lassen sich bis zu 100'000 Franken mit Bitcoin und Ethereum begleichen. Der Service ist auch aus einem anderen Grund attraktiv: Er bietet eine einfache Möglichkeit, Bitcoin und Ether zu den aktuellen Höchstkursen zu Geld zu machen. 

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Was ist mit dem Kursrisiko?

Denn wer die Geschichte von Bitcoin und Ethereum kennt, weiss: Nach dem Hoch folgte oft ein Tief – die Kursen der Kyptowährungen gleichen Achterbahnfahrten. Wer sein Geld in Zug versteuert und einen Kurstaucher befürchtet, sollte rasch zur Steuerrechnung greifen.

Einen solchen kleineren oder grösseren Crash muss die Steuerbehörde übrigens nicht fürchten – denn sie erhält die Steuerschuld ja in Franken überwiesen. «Das Kursrisiko trägt unser Partner Bitcoin Suisse», sagt Finanzdirektor Heinz Tännler. Doch auch von einem weiteren Steigflug der Kryptowährungen würde Zug nicht profitieren. 

Und solche Kursgewinne könnten sich ja durchaus lohnen, wie der Blick auf die Erfahrung der Stadtbehörden zeigt: Zwischen Sommer 2016 und Ende 2018 zahlten 40 Kunden mit Bitcoin. Hätte die Stadt diese 40 ersten Bitcoin-Pakete bis Ende 2018 behalten, hätte sie darauf etwa 200'000 Franken zusätzlich eingenommen.

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