Die im Februar 2021 veröffentlichte Langzeitstudie der HWZ zeigt nahezu eine Verdoppelung der Bereitschaft von Kundinnen und Kunden, so viel wie möglich online und damit ohne Beraterinnen und Berater machen zu wollen. Zudem zeigten sie eine wesentlich höhere Bereitschaft dazu, per Video beraten zu werden. Ein Blick auf den deutschen Versicherungsmarkt zeigt, dass sich das Neugeschäft in der Schaden- und Unfallversicherung im Direktvertrieb in den letzten zehn Jahren um nahezu 50 Prozent gesteigert hat. Der Reifegrad und die Akzeptanz von Kundinnen und Kunden prägt die Entwicklung der Digitalversicherer entscheidend.

Insurtech Spotlights

Autor: Daniel Feurstein, Experte für Versicherung und Insurtechs mit Fokus auf Strategy – Innovation – Wachstum – Distribution – Transformation – Change – Insurtech – Investment; er ist seit über zwölf Jahren in verschiedenen Linienfunktionen bei Versicherungen und als Stragieberater für die Assekuranz tätig.

Diese Entwicklungen beflügeln das Online-Geschäft und ermöglichen den Direkt-Versicherern, mit neuen hybriden Vertriebsansätzen die Kundenbasis traditioneller Vertriebskanäle noch gezielter zu attackieren. Ausserdem zwingen diese Kundenwünsche traditionelle Versicherer dazu, ihre Omnikanal-Fähigkeit und digitalen Vertriebsansätze noch rascher zu etablieren. Insbesondere jene Versicherer, die sich in der Vergangenheit zu wenig um die Digitalisierung der Distributionskanäle und den Aufbau von Omnikanal-Fähigkeit gekümmert haben, werden massiv unter Druck geraten. 

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Wer die nächsten Jahrzehnte im Markt bestehen möchte, muss sich vollkommen kundenzentriert und digital ausrichten. Es gilt, Angebot, Beratung und Service sowohl online über die Homepage als auch über den Aussendienst und Kundenservice für die Kundschaft völlig nahtlos anzubieten. Bernard El Hage, CEO der Toni Digital, unterstreicht, dass Kundinnen und Kunden heutzutage umfassend über digitale Kanäle erreicht werden können und der Aufbau eines teuren Netzwerks an Maklern und Agenturen an Bedeutung verliert. El Hage rechnet auch damit, dass die Covid-19-Pandemie auch die konservativen Schweizer Versicherungskundinnen und -kunden offener für digitale Angebote gemacht hat.

Neue Rekorde bei Simpego, Smile-Direct, Autoscout24 

Patrick Eugster, CEO von Simpego (ehem. Dextra Autoversicherung), dem jüngsten Schweizer Online-Versicherer, verlautbart nun, unter den Top Ten der Motorfahrzeugversicherer zu sein – das in nur drei Jahren. Das Prämienvolumen von Simpego hat sich 2020 auf über 21 Millionen Franken im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. «Simpego kann sich voll auf ein kundenzentriertes Vorgehen, Wachstum und den Aufbau eines maximal digitalisierten und automatisierten Geschäftsmodells konzentrieren. Wir haben weder technologische Altlasten noch Exklusivität in Vertriebskanälen, auf die wir Rücksicht nehmen müssen», so Patrick Eugster.

Der Online-Marktführer Smile-Direct verbucht seit seiner Gründung den 150’000. Online-Kunden. CEO Pierangelo Campopiano merkt an, als Challenger des Status quo in den letzten drei Jahren diverse ungeschriebene Gesetze gebrochen und so im letzten Jahr ein Rekordjahr erreicht zu haben. Er wird Smile-Direct auch künftig als digitale Marke positionieren, eine Marke für neue Generationen, wie es andere Branchen bereits erlebten. «Wir sehen uns als das Digitec von Helvetia. Als digitaler Brand und komplementäres Geschäftsmodell erschliessen wir für die Helvetia Gruppe neue Ertrags- und Wachstumsquellen», so Campopiano.

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Beflügelt durch White-Label-Versicherungsplattformen entdeckten auch die Postfinance oder Autoscout24 das Autoversicherungsgeschäft als lukrative Umsatzquelle. Diese können zudem auf grosse Kundenbestände aus ihrem Kerngeschäft zurückgreifen und erhoffen sich lukrative Querverkäufe. Postfinance lancierte mit Toni Digital eine voll digitale Motor-Versicherung und Autoscout24 bietet über Financescout24 einen Versicherungsvergleich mit einem Upload der aktuellen Police an. Letzteres Angebot hat zudem das Potenzial, die Marktanteile unter den Online-Vergleichsdiensten neu zu ordnen. Diese spielen nämlich für die Direktversicherer nach wie vor eine wesentliche Rolle bei der Generierung des Neugeschäfts.