Digitale Dienste prägen die Versicherungslandschaft mehr denn je. Die meisten Krankenkassenkunden sind gewillt, tragbare Geräte, Gesundheits-Apps und KI-Tools zu erkunden und zu nutzen. Nutzer werden dadurch mehr denn je befähigt, ihre Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen und Änderungen an ihrem Lebensstil vorzunehmen. Die Kundinnen und Kunden erwarten aber auch, dass die Gesundheitsakteure diese Tools in ihre Prozesse und Abläufe integrieren. Die Kunden von heute wollen insbesondere auch, dass ihre Versicherungsträger eine Reihe von mobilen Diensten und digitalen Plattformen anbieten.

Autor: 
Daniel Feurstein, InsurTech.Rocks: Experte für Versicherung und InsurTechs mit Fokus auf Strategy—Innovation—Wachstum—Distribution—Transformation—Change—InsurTech—Investment, ist seit mehr als 12 Jahren in verschiedenen Linienfunktionen bei Versicherungen und als Strategieberater für die Assekuranz tätig.

Krankenversicherer haben schon vor einigen Jahren entdeckt, dass sie mit digitalen Lösungen Zeit und Geld für ihre Kunden sparen können. Infolgedessen hat sich bei einigen Krankenversicherungen ein umfassender digitaler Wandel zumindest bereits angekündigt. In der Schweiz setzt die CSS-Versicherung mit dem Endkundenportal «Meine Gesundheit» und «active365» neue regionale Branchenstandards. Aber digitale Transformationen sind komplex. System und Angebotsumstellungen sind zeitaufwendig und teuer. Sämtliche Akteure im Gesundheitswesen sind dazu aufgerufen, zu kooperieren. «Die Covid-19-Krise war ein Weckruf für die Versicherungsbranche. Nun hat sich endgültig die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Digitalisierung mehr als ein Nice-to-have ist. Stattdessen steht sie im Zentrum wichtiger Veränderungen und bildet das Fundament für automatisierte Prozesse und eine notwendige Kostensenkung», sagt Emanuele Diquattro, CEO Adcubum.

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Krankenversicherer haben als wesentliche Finanzierer des Gesundheitswesens eine einzigartige Möglichkeit, auf Kundenbedürfnisse einzugehen, um dadurch Ineffizienzen im Gesundheitswesen neu zu ordnen sowie eine nachhaltigere Systemeffizienz und Patientenzufriedenheit zu erzeugen. «Die regelmässige und einfache Kommunikation zwischen einem Patienten und den (digitalen) Leistungserbringern und Kostenträgern ist für eine verbesserte integrierte Versorgung zentral. Auch um den Patienten auf seinem Gesundheitspfad und bei der Genesung bestmöglich zu unterstützen», bestätigt Dr. Fabian Sommerrock, Vorsitzender des Verwaltungsrats von Pathmate und Leiter Business Development & Cooperations bei Galenica.

Gesündere Entscheidungen treffen – Digital Healthtech eröffnet neue Wege

Digitale Healthtech-Dienste helfen dabei, gesünder zu leben, rascher gesund zu werden oder besser mit einer Krankheit zu leben. Verschiedenste Studien haben gezeigt, dass Apps und Wearables Nutzen stiften und Krankenversicherer bei deren Etablierung eine wesentliche Rolle spielen können. «Die vermehrte Akzeptanz von digitalen Tools und Instrumenten – verstärkt durch die Covid-19-Krise – öffnet neue Möglichkeiten für Krankenversicherer, diese sinnvoll in neue Produkte und Services zu integrieren. Dazu sind aber auch neue Zusammenarbeitsmodelle mit Ärzten und Krankenhäusern nötig», sagt Daniel Schlegel, Partner Gesundheitswesen & Versicherungen Deloitte Schweiz. Allerdings bedarf es – insbesondere für präventive Massnahmen – auch der politischen Unterstützung. 

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Die wesentlichsten Hebel für Krankenversicherer liegen in den folgenden drei Themenbereichen:

  • krankheitsvorbeugende und lebensstiloptimierende Intervention
  • Vereinfachung und Verbesserung der Diagnostik und Behandlungsentscheidung
  • Unterstützung der Betreuung von erkrankten Kunden, vor allem chronisch erkrankten

Kunden erwarten vermehrt, dass Versicherer und Gesundheitsdienstleister digitale Wellness und Präventionslösungen anbieten. Schweizer Krankenversicherer können diese Nachfrage bedienen, indem sie robuste, verbraucherorientierte Programme bereits im Rahmen des KVG anbieten und durch gezielte Erweiterungen im Rahmen des VVG ausbauen. Richtiges präventives Verhalten soll gefördert und im Krankheitsfall soll unterstützend schneller zur Linderung verholfen werden.

1. Im Fokus: Interaktion, Prävention und Intervention

Viele Versicherer haben festgestellt, dass eine interaktive und einladende Plattform für Kunden Vertrauen schafft und deutlich macht, dass sich der Versicherer auch um das Wohlbefinden der Kundschaft kümmert. Diese Tools schaffen einen täglichen und fortlaufenden Dialog mit den Kunden und ermutigen sie, ihre Gesundheit im Auge zu behalten oder in Notfällen rasch Hilfe zu erhalten und sogar bei Bedarf ihren Versicherungsanbieter oder Arzt zu kontaktieren. Apps und Wearables können zudem ermutigende und unterstützende Botschaften kommunizieren. 

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Wenn sie von Versicherern direkt positioniert und für den Kunden personalisiert werden, fördern die Botschaften das Vertrauen in den Versicherer. Die Kunden sehen, dass ihr Versicherer auch in den Schutz der Gesundheit und des Wohlbefindens investiert.

Dynamische Preisgestaltung für präventiv wirkendes Verhalten kann Anreize schaffen – jedoch sind diese Massnahmen auch durch Politik und Regulator zu unterstützen. Kunden verstehen schnell, wie sie ihre eigenen Gesundheitskosten und Versicherungsprämien reduzieren können, wenn sie sich gesünder verhalten. Der Zusammenhang zwischen Lebensstilentscheidungen und Gesundheitskosten kann dadurch für Kunden transparent werden – vermutlich etwas, wobei sich viele Menschen in der heutigen Konsumwelt alleingelassen fühlen. «Datentransparenz und regelmässige fernmedizinische Kommunikation zwischen Patienten, Leistungserbringern und Kostenträgern kann die Versorgungsintegration fördern und die Gesundheitsüberwachung optimieren», bestätigt Dr. Andreas Nemeth, CEO von Uniqa Ventures.

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Ausgewählte Schweizer Digital-Healthtech-Unternehmen, die in diesem Kontext helfen können:

  • www.dacadoo.com
    Dacadoo entwickelt und betreibt eine umfassende digitale Gesundheitsplattform, um Benutzer zu motivieren, gesunde Lebensgewohnheiten anzunehmen und beizubehalten. 
  • www.docathome.ch
    Docathome bietet Unterstützung in der hausärztlichen Versorgung älterer Menschen.
  • www.heypatient.com
    HeyPatient hilft Patienten und Kunden, wichtige Termine, Informationen und Anweisungen im Auge zu behalten, und hält Nutzer jederzeit mit allem Wichtigen auf dem Laufenden.
  • www.makora.ch
    Makora unterstütz Betriebe darin, Arbeitsausfälle zu reduzieren, indem regelmässige Gesundheits-Check-ups durchgeführt und gefährdete Personen identifiziert und wirksam unterstützt werden.
  • www.mycoach.ch
    Mycoach unterstützt gesunde Verhaltensveränderungen mit täglichen Ernährungsplänen, Einkaufslisten und Bewegungschallenges. Dies beinhaltet auch medizinische Ernährungspläne, Check-ups und Fertiggerichte.
  • www.oxocare.ch
    Oxocare bietet Pflegeruf, Weglaufschutz, Eskalationsmanagement und technische Alarmierungen an.
  • www.uplyfe.io
    Uplyfe erstellt personalisierte Gesundheitspläne für Ernährung und dokumentiert Trainings und sonstige Körperdaten, ermöglicht auch, direkt mit Experten in Kontakt zu treten.

2. Im Fokus: Nachhaltige Kostenreduktion

Durch die vereinfachte Erfassung des allgemeinen Gesundheitszustands sowie des Status des Behandlungsverlaufes von Kunden und Patienten könnten Versicherer vermehrt einen datengetriebenen Ansatz anstreben und damit erkrankten Kunden einfache Unterstützung bieten. Dies beginnt bei der Durchführung von Ferndiagnosen (via App oder Video) sowie bei der Begleitung und Unterstützung bei der Gesundung.

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Eine digitale Verlaufsunterstützung für Erkrankte und chronisch Erkrankte ermöglicht auch einen verbesserten und allenfalls beschleunigten Behandlungserfolg, indem Patienten dahingehend motiviert werden, sich an die vorgesehenen Behandlungsmassnahmen zu halten (z. B. für Krankheitsbilder wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rückenbeschwerden).

Ausgewählte Schweizer Digital-Healthtech-Unternehmen, die in diesem Kontext unterstützen können:

  • www.apimedic.com
    Apimedic ermöglicht die medizinische Symptomprüfung für Patienten direkt via Mobile-App.
  • www.avos.health
    Myavos bietet einen digitalen Begleiter mit dem Ziel, die Pflege und Unterstützung für demente Patienten zu verbessern.
  • www.checkyourhealth.ch
    Check Your Health stellt Blutuntersuchungen auf einfachste Weise für zu Hause zum Selbermachen zur Verfügung.
  • www.collabree.com
    Collabree unterstützt dabei, den Therapieplan einzuhalten, und sendet Erinnerungen zur Medikamenteneinnahme und belohnt gesunde Verhaltensweisen.
  • www.docdok.health
    Docdok verbindet Patienten mit Leistungserbringern, integriert sämtliche Datenpunkte und optimiert Kommunikation und Behandlungserfolge.
  • www.dthx.ch
    DTHX Coach unterstützt Patienten mit Bluthochdruck darin, bessere Lebensstil-Entscheidungen zu treffen.
  • www.eedoctors.ch, www.drnow.ch
    Eedoctors und Drnow ermöglichen die Video- und Chatkonsultation mit dem Arzt via Mobile-App.
  • www.medignition.com
    Medignition entwickelt eine KI-basierte Lösung (Name: ITIS), um Patienten mit chornischen Krankheiten bei der Selbstkontrolle zu unterstützen.
  • www.meinezweitmeinung.ch, www.opcheck.ch
    Meine Zweitmeinung und OPCheck vereinfachen das Einholen von neutralen medizinischen Zweitmeinungen für Patienten und unterstützt damit Patienten in der Entscheidungsfindung.
  • www.nala.care
    Nala unterstützt bei atopischer Dermatitis durch gezielte Behandlungsempfehlungen und Hinweise, nachhaltig und schneller Besserung zu erzielen.
  • www.onlinedoctor.ch
    Onlinedoctor bietet eine schnelle, ortsunabhängige fachärztliche Einschätzung von Hautproblemen.
  • www.oviva.com
    Oviva bietet persönliche Ernährungsberatung auch via Mobile-App direkt mit Experten für alle ernährungsbedingten Krankheiten.
  • www.pathmate-technologies.com
    Pathmate unterstützt Menschen mit chronischen Erkrankungen individuell und langfristig in ihrem Alltag.
  • www.resmonics.com
    Resmonics schützt Asthma-Patienten in der Nacht vor lebensbedrohlichen Asthma-Attacken via Mobile-App.
  • www.snaq.io
    Snaq ermöglicht es, mit dem Smartphone eine fertig zubereitete Mahlzeit zu fotografieren und in der App sofort die enthaltene Kohlenhydratmenge sowie die nötige Insulindosis angezeigt zu bekommen.
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