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Weltwirtschaft: Die Stimmung ist gekippt

WASHINGTON, DC - MARCH 14: (AFP OUT) U.S. President Donald Trump speaks during a meeting with Ireland Prime Minister Leo Varadkar in the Oval Office of the White House on March 14, 2019 in Washington, DC. Later in the day, Varadkar and President Trump will travel to Capitol Hill to attend the Friends of Ireland Luncheon. (Photo by Olivier Douliery-Pool/Getty Images)
Donald Trump: Fast die Hälfte aller Analysten sieht in der Politik des US-Präsidenten eine Belastung.Quelle:

Weltweit fällt die Stimmung in der Wirtschaft. Nachlassende Kauflaune und steigende Kosten machen den Unternehmen zu schaffen.

Von Michael Sayers*
am 15.03.2019

Die neueste Analystenumfrage von Fidelity International, für die jeweils rund 16‘000 Gespräche von Analysten mit Entscheidungsträgern ausgewertet werden und die damit anders als viele makroökonomische Untersuchungen den Puls an der Basis misst, zeigt kein rosiges Bild.

In diesem Jahr hat sich die Stimmung von 1,6 im Jahr 2018 auf 0,6 verschlechtert – so stark wie noch nie seit Beginn der Umfrage im Jahr 2014. Das Fidelity-Stimmungsbarometer basiert auf den fünf zentralen Komponenten Managementvertrauen, Investitionen, Dividendenpolitik, Kapitalrendite und Bilanzstärke. Ein Wert von unter 0 deutet auf eine sich verschlechternde und ein Wert über 0 auf eine sich bessernde Stimmung hin.

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Sentiment Stimmungsbarometer
Sentiment Stimmungsbarometer: Stimmung fällt weltweit von ihrem Spitzenwert zurück.
Quelle: Fidelity Analystenumfrage 2019

Das ist ein Hinweis darauf, dass der bereits weit fortgeschrittene Konjunkturzyklus weiter an Schwung verliert. Ein Drittel der Analysten aus allen Regionen der Welt berichtet, dass ihre Branchen langsamer wachsen oder sich bereits in einer Rezession befinden – im vergangenen Jahr waren es nur 13 Prozent.

Nur jeder fünfte Analyst kann Wachstum vermelden, 2018 war es noch jeder Dritte. Dass wir uns am Ende des Konjunkturzyklus befinden, meinen heute 51 Prozent der Analysten. 49 Prozent sehen das nicht so. 2018 hatten auf die entsprechende Frage noch 68 Prozent mit «Nein» geantwortet.

Nach dem fulminanten Start ins Jahr 2018 herrscht heute Zurückhaltung vor. Die hat vor allem zwei Ursachen: den schwächeren Konsum und steigende Kosten für Vorleistungen. Beides könnte 2019 die Gewinnmargen schmälern. Obwohl Fidelity für die nächsten sechs bis zwölf Monate keine ausgewachsene Rezession erwarten, sind wir dem Ende des vor zehn Jahren begonnenen Zyklus zweifellos einen Schritt nähergekommen.

Düstere Aussichten in China

Im letzten Jahr hat sich der Handelsstreit weiter verschärft und die Wirtschaft im Reich der Mitte ist so langsam gewachsen wie seit 28 Jahren nicht mehr. Daher verwundert es kaum, dass die für China zuständigen Analysten die Aussichten für ihre Unternehmen in besonders düsteren Farben malen.

China ist die einzige Region, in der die Stimmung ins Negative gekippt ist (-0,4). Ganze 70 Prozent der China-Analysten von Fidelity gehen für 2019 von sinkenden Kapitalrenditen aus. In der Vorjahresumfrage waren es lediglich 29 Prozent.

Ende der Trump-Euphorie

Gleichzeitig werden die Bedenken über die Politik der amerikanischen Regierung lauter. Unter dem Strich befürchten die Analysten von Fidelity heute wegen der Politik von Donald Trump Nachteile für ihre Unternehmen. Fast die Hälfte (45 Prozent) aller Analysten weltweit sieht in der Politik des amerikanischen Präsidenten eine Belastung für ihre Branche. Im vergangenen Jahr waren es nur 13 Prozent. Nicht mal jeder Fünfte rechnet aktuell mit positiven Auswirkungen – nach 38 Prozent 2018.

Analystenstimmung
Trump-Schub läuft aus, Analystenstimmung schlägt um: Mit welchen Auswirkungen der Trump-Politik rechnen Ihre Unternehmen in den nächsten zwei Jahren?
Quelle: Fidelity Analystenumfrage 2019

Auch in Europa, wo sich viele Unternehmenslenker zunächst Vorteile von der wachstumsorientierten Politik von Präsident Trump versprochen hatten, wächst die Skepsis.

Am bemerkenswertesten ist jedoch der Stimmungsumschwung bei den für die USA zuständigen Analysten. Von deren einst vorsichtigem Enthusiasmus ist inzwischen nichts mehr zu spüren. Darin spiegelt sich auch ihre Einschätzung zum Protektionismus wieder, in dem mehr als zwei Drittel ein Risiko für ihre Unternehmen sehen. Mehr Sorgen bereiten protektionistische Bestrebungen nur den Analysten für die Schwellenländer ausserhalb Asiens.

*Michael Sayers, Leiter des Aktien-Research bei Fidelity International