Die Arbeitslosigkeit ist im September leicht gesunken. Auf den ersten Blick mag das überraschen, denn viele Wirtschaftszweige leiden weiter unter den Folgen der Corona-Krise. Für den Rückgang sorgt vor allem die rückläufige Jugendarbeitslosigkeit – sie ist von 3,9 auf 3,6 Prozent gefallen.

Das ist zwar erfreulich, aber einfach zu erklären: Im September beginnt das Ausbildungs- und Studienjahr. Im September waren fast 1300 weniger 15- bis 24-Jährige arbeitslos gemeldet als im August. Gegenüber dem Vorjahr sind dennoch rund 50 Prozent mehr junge Menschen ohne Arbeit.  

Dies sorgte für den Rückgang der Arbeitslosenquote auf 3,2 Prozent – im August lag sie noch bei 3,3 Prozent. Denn bei den übrigen Altersgruppen blieb die Arbeitslosigkeit unverändert. Insgesamt waren in der Schweiz im September fast 150’000 Menschen bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) als arbeitslos gemeldet – rund 50’000 mehr als vor einem Jahr.

Höchste Arbeitslosigkeit in der Industrie

Die höchste Arbeitslosenquote hat Genf mit 5,2 Prozent, gefolgt von den Kantonen Jura und Neuenburg. Überdurchschnittlich hoch ist die Arbeitslosigkeit in der Industrie (4 Prozent) – um fast 60 Prozent ist sie in diesem Sektor innerhalb eines Jahres angestiegen.

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Besonders hart trifft es dabei das Uhrengewerbe: Mit 7,5 Prozent ist die Arbeitslosigkeit die höchste unter allen Branchen und damit noch vor dem durch die Corona-Pandemie stark gebeutelten Gastgewerbe: Hier sind rund 13’500 Personen derzeit ohne Arbeit, die Arbeitslosenquote liegt bei 7,3 Prozent. 

Fast eine Viertelmillion Menschen sind in der Schweiz auf der Suche nach einer Stelle, denn zu den Arbeitslosen kommen rund 90’000 Personen hinzu, die bei den RAV gemeldet, aber nicht arbeitslos sind, etwa weil sie eine vorübergehende Beschäftigung haben oder sich weiterbilden beziehungsweise umgeschult werden.

Zehntausende kehren Arbeitsmarkt den Rücken

Doch in den offiziellen Arbeitsmarktzahlen tauchen längst nicht alle auf, die in der Corona-Krise ihren Job verloren haben oder derzeit gar nicht mehr nach einem Job suchen. Denn viele Menschen ziehen sich aus dem Arbeitsmarkt zurück; laut der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) waren im zweiten Quartal 225’000 Personen zwar für eine Arbeit verfügbar, suchten allerdings nicht nach einem Job – ein Trend, der besonders in wirtschaftlichen Krisen zu beobachten sei.

Eine Entwarnung ist der jüngste Rückgang der Arbeitslosigkeit daher nicht. Zumal fast täglich neue Unternehmen ankündigen, in der Schweiz Personal abzubauen. Die KOF jedenfalls rechnet in den nächsten Monaten mit weiteren Betriebsschliessungen und Massenentlassungen – der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit dürfte erst Anfang 2021 überschritten sein.

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