Die US-Notenbank hat wegen der Coronavirus-Epidemie überraschend weit vor ihrer regulären Sitzung ihre Leitzinsen gesenkt. Die Dollar-Wächter kappten ihren Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken um einen halben Punkt - auf die neue Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent.

Damit geraten auch andere Notenbanken unter Zugzwang. Zwar können Fed, EZB & Co. wenig tun, wenn es zu Ausfällen in der Produktion kommt, weil etwa Vorprodukte aus China verzögert ankommen und damit die Bänder stillstehen. Doch mit ihren Schritten könnten sie die Finanzmärkte beruhigen.

Andere Notenbanken haben aber ungleich schwierigere Startbedingungen als die Fed. Eine Übersicht:

Hongkongs Währungshüter senken Leitzins

Nach der überraschenden Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) wegen der Coronavirus-Epidemie haben die Währungshüter in Hongkong nachgezogen. Der Leitzins werde von 2,0 auf 1,5 Prozent zurückgenommen, teilte die Hongkong Monetary Authority (HKMA) am Mittwoch mit.

Hongkongs Wirtschaft steckt seit dem Sommerquartal 2019 erstmals seit einem Jahrzehnt in der Rezession. Neben dem Handelskonflikt zwischen China und den USA trugen dazu die Massenproteste in Hongkong bei. Verschärft hat sich Krise durch die Ausbreitung des Coronavirus, wodurch etwa Touristen vom Festland ausbleiben.

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Die Regierung greift deshalb zu ungewöhnlichen Mitteln: Jeder Einwohner über 18 Jahren bekommt 10'000 Hongkong-Dollar (umgerechnet 1'181 Euro) ausgezahlt. Zusammen mit Steuernachlässen für Unternehmen und weiteren Subventionen soll so die Konjunktur angekurbelt werden. Dafür nimmt die Regierung das erste Haushaltsdefizit seit 15 Jahren in Kauf.

Europäische Zentralbank (EZB)

Anders als die Fed hat die EZB bei den Zinsen nicht mehr viel Spielraum. Ihr Leitzins liegt bereits auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Eine Kappung auf unter null wird von den meisten Experten ausgeschlossen.

Darüber hinaus müssen Banken bereits seit 2014 Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der EZB über Nacht Gelder parken. Damit soll der Druck auf die Geldhäuser steigen, dass Geld in Form von Krediten auszugeben und damit die Wirtschaft zu unterstützen. Im September hatte die EZB diesen «Einlagensatz» genannten Strafzins verschärft. Er beträgt jetzt minus 0,5 Prozent. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet inzwischen, dass die EZB auf ihrer Sitzung am 12. März den Einlagensatz auf dann minus 0,6 Prozent senkt.

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Insidern zufolge arbeitet die EZB zudem daran, spezielle Liquiditätsspritzen für kleinere und mittlere Unternehmen aufzuziehen, um Finanzierungsengpässe zu verhindern. Diese Arbeiten liefen aber noch, sagten die mit der Situation vertrauten Personen. Die EZB hat bereits zielgerichtete Langfristkredite (TLTRO) für Banken aufgelegt und könnte dies auch für Firmen zuschneiden. Das könnte Unternehmen aus besonders betroffenen Branchen zu Gute kommen, etwa der Luftfahrt oder dem Automobilbau.

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Bastian Hepperle, Volkswirt beim Bankhaus Lampe hält auch eine Aufstockung der EZB-Anleihenkäufe für denkbar. Commerzbank-Ökonom Krämer kann sich vorstellen, dass die EZB vorübergehend für sechs Monate ihre monatlichen Käufe auf 40 Milliarden Euro verdoppelt. Dabei würde sie beim Grundgerüst der Anleihenkäufe flexibel sein und verstärkt Firmenanleihen oder etwa italienische Staatsanleihen kaufen. Unternehmen könnten sich dann zu noch günstigeren Zinssätzen verschulden.

Direkte Geldspritzen an alle Bürger - in der Fachwelt «Helikoptergeld» genannt - gelten indes nur als letztes Mittel. Das Bild vom Geld, das aus dem Hubschrauber abgeworfen wird, stammt vom berühmten US-Wissenschaftler Milton Friedman aus dem Jahr 1969. Der Grundgedanke dahinter ist, dass die Bürger sofort Geld haben und ausgeben und damit Konjunktur und Inflation anschieben.

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Manche Experten bezweifeln aber, dass dies mit den EU-Verträgen vereinbar ist. Andere indes hatten schon in der Vergangenheit gefordert, die EZB sollte auch solche ungewöhnlichen Strategien in der Hinterhand haben. Die Summen, um die es dabei ginge, wären immens: Erhielte jeder der rund 340 Millionen Einwohner im Währungsraum 1000 Euro, wären das theoretisch 340 Milliarden Euro an zusätzlicher Kaufkraft.

Bank of England (BoE)

Die Bank von England hatte zuletzt auf ihrer Zinssitzung Ende Januar die Füsse still gehalten. Der Schlüsselzins in Grossbritannien liegt derzeit bei 0,75 Prozent und könnte entsprechend noch weiter gesenkt werden. Laut Notenbank-Chef Mark Carney ist es angemessen, eine Reaktion auf den Corona-Virus zu erwarten, die eine Kombination von haushaltspolitischen Massnahmen und Zentralbank-Initiativen widerspiegelt, wie er am Dienstag sagte.

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Manche Volkswirte rechnen damit, dass die Pfund-Wächter als Antwort auf die Virus-Krise ihren Leitzins auf 0,5 Prozent herabsetzen werden. Denkbar sei, dass ein solcher Schritt noch vor der nächsten Zinsentscheidung am 26. März komme. Carney heizte derartige Spekulationen an, als er auf eine entsprechende Frage antwortete, der über die Zinsen entscheidende geldpolitische Ausschuss habe immer rechtzeitig gehandelt.

Bank of Japan (BoJ)

Die japanische Notenbank (BoJ) hatte erklärt, man werde im Fall der Fälle die notwendigen Schritte gehen, um die Märkte zu stabilisieren. Anfang Februar war aus der Notenbank zu hören gewesen, man schließe auch schärfere Negativzinsen nicht aus. Die Yen-Wächter haben derzeit ein kurzfristiges Zinsziel von minus 0,1 Prozent und wollen die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen bei rund null Prozent halten. Viel Spielraum nach unten bei den Zinsen hat die BoJ nicht mehr.

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Experten zufolge könnte Japans Notenbank aber noch mehr börsennotierte Fonds - im Fachjargon ETFs genannt - als Teil ihrer Anleihenkäufe erwerben. Auch eine Aufstockung ihrer Staatsanleihenkäufe ist Experten zufolge denkbar. Zudem könnte sie spezielle Kreditprogramme auflegen, um Banken dazu zu bewegen, mehr Darlehen an kleinere und mittlere Unternehmen auszureichen. 

(reuters/awp/mlo)

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