Seit Monaten sind die Fronten im Handelsstreit zwischen den USA und China verhärtet. Vor allem US-Präsident Trump lässt den Konflikt immer weiter eskalieren – mit neuen Zöllen und lautstarken Drohungen, meist per Twitter. Die Chinesen scheinen etwas subtiler vorzugehen, doch mit nicht minder wirksamen Waffen. 

China ist der grösste Gläubiger der hochverschuldeten USA – seit Jahren. Und das, nachdem die Volksrepublik vor einigen Monaten US-Staatsanleihen in Millionenhöhe verkaufte. Vielleicht ein erstes Zähnefletschen? 

China vor Japan und Grossbritannien

Die Gesamtschulden der USA belaufen sich auf 22,3 Billionen Dollar. Rund 30 Prozent halten ausländische Investoren: insgesamt 6,4 Billionen Dollar. Den Rest des Schuldenbergs tragen US-Investoren, die US-Regierung und die Notenbank Federal Reserve

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Obwohl China seine Anteile an den US-Schulden seit dem Höchststand von 1,3 Billionen Dollar im November 2013 zwar reduziert hat, ist die Volksrepublik mit einem Anteil von rund 17 Prozent immer noch grösster ausländischer Anteilseigner des US-Schuldenbergs.

Danach folgen Japan und mit grossem Abstand Grossbritannien, Brasilien und Irland. Die Schweiz finanziert mit rund 226 Milliarden Dollar 3,5 Prozent der amerikanischen Schulden.

Vorteile für China

Für China hat es Vorteile, einen so grossen Teil der ausländischen US-Schulden zu tragen. Als Anteilseigner von US-Treasuries kann Chinas Wirtschaft wachsen, weil der Yuan gegenüber dem Dollar schwach bleibt. Damit sind chinesische Exporte günstiger als amerikanische Waren.

Langfristig will China zudem den US-Dollar als Weltwährung ablösen. Derzeit muss sich China erst einmal gegen die Vorwürfe der Währungsmanipulation wehren: Vor einigen Tagen wertete die Zentralbank den Yuan ab, damit China wieder mehr exportieren kann.

Die USA wiederum liessen China zum grössten Gläubiger werden, denn die billigen Importe aus der Volksrepublik bedeuten günstige Preise für US-Konsumenten. Zudem konnte die US-Regierung mehr Geld ausgeben, wenn sie die Schulden nach China verkauft, und damit das eigene Wirtschaftswachstum ankurbeln und so die Schuldzinsen niedrig halten.

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Die Schattenseite: Chinas Anteile an den Schulden der USA verschieben die wirtschaftlichen Machtverhältnisse zugunsten der Volksrepublik. 

Politisches Druckmittel

Auch politisch bekommt China Spielraum: Immer wieder einmal droht die Regierung, einen Teil ihrer Anleihen zu verkaufen. Wenn die Chinesen dies täten, würden die Zinsen in den USA steigen und das Wirtschaftswachstum gebremst. 

Ob China seine Drohung wahr macht? Wahrscheinlich dürfte das Land seine Anteile nicht auf einmal abstossen. Wenn es das täte, würde die Dollar-Nachfrage einbrechen. Das hätte schlimmere Auswirkungen auf die Finanzmärkte weltweit als die Finanzkrise 2008. Auch China würde das treffen. 

Staatsverschuldung USA, EU, Schweiz
Quelle: Statista

Daher wird die Volksrepublik wohl eher schrittweise seine Anteile verkaufen. Allein schon eine Warnung seitens China, dies zu tun, würden die Nachfrage nach Dollar verringern. Darunter würde Chinas Wettbewerbsfähigkeit leiden. Und wenn es seine Exportpreise erhöht, dürften US-Konsumenten eher amerikanische Waren kaufen. Bevor China einen solchen Schritt tut, müsste es zuerst seine Exporte in andere asiatische Länder ausbauen und die Inlandsnachfrage ankurbeln. 

Chinas Strategie funktioniert

Grösster Anteilseigner zu sein, hat sich für China ausgezahlt: Jahrelang wuchs die chinesische Wirtschaft um jährlich um 10 Prozent. 2010 wurde China der grösste Exporteur der Welt. Heute ist die Wachstumsrate mit 6,5 bis 7 Prozent zwar nachhaltiger, aber es ist auch nötig, um den immer noch niedrigen Lebensstandard zu steigern. Insofern dürfte China ein Interesse daran haben, der grösste Gläubiger der Amerikaner zu bleiben – trotz aller Warnungen. 

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China ist nicht nur grösster Gläubiger der USA, sondern der Welt. Seit dem Jahr 2000 ist Chinas Kreditvergabe im Ausland explodiert: rund 5 Billionen US-Dollar waren es 2017 – das entspricht etwa 6 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das Problem dabei ist die fehlende Transparenz: Etwa die Hälfte der Kredite taucht in keinen offiziellen Statistiken auf.

Doch auch mit rund 17 Prozent des Anteils ausländischer Kredite an den US-Staatsschulden, befinden sich die Vereinigten Staaten in der Abhängigkeit ihres grössten Gläubigers. Eine heikle Situation inmitten eines Handelsstreits, in dem die Fronten zunehmend verhärtetet und in dem der US-Präsident der Stärkere zu sein versucht.