Was ist so besonders an Krug-Champagner?

Probieren Sie einen Schluck eines Grande Cuvée, und Sie spüren es sofort: Er spricht alle Ihre Sinne an. Müsste ich unseren Champagner mit einem Wort beschreiben, so wäre es sicherlich «Grosszügigkeit». 

Wie meinen Sie das?

Manche Champagnerhäuser sagen, dass ihr Stil die Eleganz ist, also sind sie jedes Jahr bei der Produktion von der Eleganz besessen. Andere sagen, dass es bei ihrem Stil um Opulenz, Pinot noir, Rundheit und Frucht geht, und sie haben das zu ihrer Signatur erhoben. Krug ist ein Champagner, der alles bietet. Diese Grosszügigkeit ist das, was den Unterschied ausmacht.

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Der Neuste: DerKrug Grande Cuvée 172ème Édition isteine Assemblage aus146 Weinen.

Olivier Krug

Quelle: ZVG

War das die Vision von Joseph Krug, als er das Champagnerhaus damals gründete?

Die revolutionäre Idee war die folgende: Normalerweise wird ein Champagner in einem guten Jahr hergestellt, aber Joseph Krug, der das Unternehmen 1843 gründete, träumte davon, jedes Jahr einen ausgezeichneten Champagner herzustellen, unabhängig von den klimatischen Bedingungen. So entstand die Idee, einen Champagner aus Weinen verschiedener Jahre zu assemblieren. Unser neuster, der Krug Grande Cuvée 172ème Édition, ist ein Verschnitt aus 146 Weinen aus 11 verschiedenen Jahrgängen, von denen der jüngste aus dem Jahr 2016 stammt, während der älteste auf 1998 zurückgeht. Der Champagner setzt sich aus drei verschiedenen Traubensorten zusammen: zu 44 Prozent aus Pinot noir, zu 36 Prozent aus Chardonnay und zu 20 Prozent aus Meunier. Er reift etwa sieben Jahre in den Kellern von Krug. 

Was machen Sie in guten Jahren. Könnten Sie da nicht einfach auf die mühsame Assemblage verzichten?

Bei Krug bringen wir immer zusätzlich das ein, was selbst in einem guten Jahr fehlt. Ein gutes Jahr kann vollen Körper, Reichtum, Dichte und Charisma haben, aber man braucht auch ein wenig Finesse. 

Krug: Klein und fein

Aber es gibt von Krug auch Champagner mit Trauben nur aus einem Jahr. Ein Widerspruch?

Nein, nur eine Extravaganz, die wir uns von Zeit zu Zeit leisten. Unsere DNA ist der Grande Cuvée, die Assemblage.

Wie muss man sich den Prozess bei der Auswahl der Weine vorstellen, die zu einem Grande Cuvée führen?

Julie Cavil, unsere Kellermeisterin, und vier bis fünf weitere Teammitglieder führen das ganze Jahr über, im Prinzip täglich, eine Reihe von Verkostungen durch. Zwei- bis dreimal werden etwa 250 Weine des aktuellen Jahrgangs und einmal im Frühjahr 150 Reserveweine aus 14 verschiedenen Jahrgängen verkostet. Julie notiert mehr als 4000 Verkostungsnotizen, die sie vor jeder Entscheidung über eine Assemblage zu Rate zieht: die besondere Melodie jedes Weins, sein besonderer Charakter, sein Frischegrad, seine Intensität, seine Rundheit und seine Tiefe – all das ist entscheidend für die Schaffung eines Ganzen. Um es etwas blumig zu sagen: Bei Krug Grande Cuvée spielt das gesamte Orchester in freudiger Harmonie die Symphonie der Champagne.

Sie arbeiten seit 35 Jahren im Geschäft. Was hat sich in den letzten Jahren geändert?

Champagner ist schon seit rund zwanzig Jahren nicht mehr ausschliesslich ein Getränk zum Feiern bei besonderen Anlässen. Es gibt immer mehr Menschen, die Champagner als seriös betrachten. Die sich für den Hintergrund interessieren, die Besonderheiten und Feinheiten. Wer ist die Kellermeisterin, ist das Unternehmen nachhaltig, woher stammen die Reben, wie lange lassen sie den Wein reifen? Wie sieht es mit dem Food-Pairing aus? Champagner wird heute viel mehr als früher als ein Wein gesehen, der auch ein sehr guter Begleiter zum Essen ist.

Krug gehört zur LVMH-Gruppe, zu der auch andere bekannte Champagnerhäuser gehören – Dom Pérignon, Moët & Chandon, Ruinart, Mercier und Veuve Clicquot. Gibt es Synergien zwischen den Häusern?

Ich bin kein offizieller Sprecher von LVMH. Aber ich kann sagen, dass es das Prinzip von Bernard Arnault ist, dass die Häuser alle sehr unabhängig operieren und so ihren individuellen Charakter bewahren sollen. 

Bereuen Sie manchmal, dass Sie als Familie das Unternehmen nicht mehr besitzen?

Nein, es war vielmehr eine grosse Erleichterung. Es gab vor LVMH einen anderen Besitzer, und wir als Familie haben damit gedroht, das Unternehmen zu verlassen, wenn es nicht von Bernard Arnault übernommen werden kann. Für Krug war es das Beste, was dem Champagnerhaus passieren konnte, um den nächsten Schritt zu machen.

Um zum Beispiel die neue Produktionsanlage zu bauen, die Sie gerade eröffnet haben?

Die Anlage war ein langer Prozess, er dauerte mehrere Jahre. Aber es ist das aktuellste Beispiel, warum Krug so sehr von der Zugehörigkeit zu der Gruppe profitiert. Es ist eine enorme Investition, die LVMH möglich gemacht hat. Eine Investition, durch die wir nicht eine Flasche Champagner mehr verkaufen, die aber unsere Arbeit enorm erleichtert.

Die gerade eröffnete Produktionsanlage von Krug in der Nähe von Reims mit neuen Stahltanks und ­genügend Platz zur Lagerung der Weine in Hunderten von Fässern.

Die gerade eröffnete Produktionsanlage von Krug in der Nähe von Reims mit neuen Stahltanks.

Quelle: Leo Ginailhac / PD

Warum dann die neue Produktionsstätte?

Weil wir alle gemeinsam an die Perfektion des Handwerks glauben, an die Umsetzung von mehr Nachhaltigkeit und die Steigerung der Sicherheit für unsere Mitarbeitenden. Laurent, der Leiter der Produktionsanlage, hat nach der Eröffnung zu mir gesagt: «Du solltest jeden Morgen das Lächeln in meinem Gesicht sehen, wenn ich meine Kolleginnen und Kollegen zum Teammeeting treffe. Wir sehen dabei durch die hohen Fenster hinaus auf die Weinberge, in denen unsere Trauben wachsen.» Laurent hat diese Briefings zuvor zwanzig Jahre im alten Gebäude in einem Raum ohne Fenster gemacht. 

Welcher Markt ist der wichtigste für Krug?

Japan ist inzwischen der grösste Markt für Krug. Als ich 1989 mit 23 Jahren im Unternehmen startete, verkauften wir nur sehr wenig in Japan, aber es gab einen kleinen Kreis von leidenschaftlichen Liebhabern. Mein Vater schickte mich als erste Station nach Tokio, eine Herausforderung für mich. Ich blieb schliesslich fast drei Jahre.

Demnach ist Japan Ihr Erfolg?

Zumindest konnte ich den Aufstieg Japans zum wichtigsten Krug-Markt nicht verhindern.

Könnten Sie die Produktion nicht ausweiten, jetzt, mit der neuen Produktionsanlage?

Wir legen grossen Wert auf die Qualität unseres Betriebs. Wenn Sie irgendwo in der Welt ein Glas Krug-Champagner trinken möchten, dann ist es für uns wichtig, dass die Person, die den Champagner ausschenkt, auch etwas über Krug erzählen kann. Nicht als Lehrmeister, sondern damit eine Verbindung zwischen Krug und der Konsumentin oder dem Konsumenten entsteht. Und auch das richtige Glas verwendet wird.

 und ­genügend Platz zur Lagerung der Weine in Hunderten von Fässern.

In der neuen Produktionsanlage gibts genügend Platz zur Lagerung der Weine in Hunderten von Fässern.

Quelle: Leo Ginailhac / PD

Das richtige Glas?

Viele Menschen trinken Champagner immer noch aus schmalen, hohen Gläsern – aus Flöten. Das ist eine Sünde. Genauso können Sie mit Ohrstöpseln in die Oper gehen. Sie verpassen alles. Es hat zwanzig Jahre gedauert, eine Flasche Krug Grande Cuvée herzustellen. Zwanzig Jahre voller Leidenschaft, um all diese Elemente, den Reichtum und den grosszügigen Charakter zusammenzubringen – und man füllt sie dann in eine Flöte, in der die Leute nichts spüren. Tun Sie das bitte niemals. 

Welche Art von Glas empfehlen Sie?

Wir haben mit dem Glashersteller Riedel zusammen das Joseph-Glas entworfen – ein massgefertigtes Kristallglas für aussergewöhnliche Champagner. Es ist aus einem einzigen Stück Kristall gefertigt, mit langem Stil und einem tulpenförmigen Glas. Aber Sie können auch andere Gläser verwenden, ein Pinot-noir-Glas beispielsweise, damit der Champagner sich im Glas entfalten kann.

Welchen Champagner empfehlen Sie jemandem, der in die Welt von Krug einsteigt?

Immer zuerst einen Grande Cuvée. Er spricht einfach alle Sinne an und ist die Basis unserer Gründung und unserer Erfolgsgeschichte.

Ist es Ihr Lieblingschampagner von Krug?

Ich liebe alle meine Kinder. Sehr gerne trinke ich einen zwei oder drei Jahre alten Grande Cuvée. Das wäre also jetzt die 169. oder auch die 167. Edition, die ich sehr schätze. Sie sind einfach wundervoll.

Was ist der Unterschied zwischen Krug und Dom Pérignon?

Sie sind beide aussergewöhnliche Champagner, keine Frage. Ich bin kein Experte für Dom Pérignon, aber man kann sicherlich sagen, dass Dom Pérignon immer die Quintessenz eines bestimmten Jahres ist. Er ist ein Solist, wenn man es auf die Musik überträgt, beispielsweise auf eine meisterhaft gespielte Geige. Krug dagegen ist ein Orchester mit allen Instrumenten auf der Bühne, die es schaffen, gemeinsam eine grandiose Symphonie zu spielen.

Dieser Artikel ist im Millionär, dem Magazin der «Handelszeitung», erschienen (Juni 2024).

Florian Fels
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