Wenn Firmen wegen der Coronakrise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, drohen Lehrlinge ihre Stelle zu verlieren. Laut Wirtschaftsminister Guy Parmelin hat der Bund eine neue Regelung erlassen, um Lehrlingen in solchen Fällen die Stelle zu sichern.

Firmen in Kurzarbeit dürften normalerweise kein zusätzliches Personal einstellen, sagte Parmelin in einem Interview mit den Tamedia-Medien (Samstagausgabe). Der Bund habe nun aber für Lehrabgänger eine Ausnahme von diesem Einstellungsstopp beschlossen. Die Lehrlinge könnten in ihrem Lehrbetrieb für ein Jahr weiter beschäftigt werden. Diese Neuerung trete Anfang Juni in Kraft.

Der Bundesrat beantragt dem Parlament zusätzlich rund 15 Milliarden Franken zur Bewältigung der Corona-Krise. Der grösste Teil davon ist für die Arbeitslosenversicherung (ALV) bestimmt. Die Finanzkommission des Nationalrats ohne Gegenstimme hat die Kredite gutgeheissen.

Den 14,2 Milliarden Franken für den ALV-Fonds stimmte sie einstimmig zu, wie die Parlamentsdienste am Freitag mitteilten. Mit dem Geld sollen die Kosten der Kurzarbeitsentschädigung gedeckt werden. In der ausserordentlichen Session hatten die Räte bereits 6 Milliarden Franken für die Arbeitslosenversicherung bewilligt. Zudem erhöhte der Bundesrat die Verschuldungslimite der Sozialversicherung um 8 Milliarden Franken.

Für Diskussionen sorgten in der Kommission die neuen Covid-Kredite für den Sport. Zu den bereits bewilligten 100 Millionen Franken beantragt der Bundesrat weitere 500 Millionen Franken. Für den Betrieb der Fussball- und Eishockeyligen sieht er 350 Millionen Franken vor, mit 150 Millionen Franken soll zudem der Breiten- und Leistungssport gestützt werden.

Euro steigt

Der Euro hat am Freitag seine Gewinne der vergangenen Tage ausgebaut. Die Gemeinschaftswährung kam sowohl zum Franken als auch zum Dollar auf den höchsten Stand seit über zwei Monaten. Zur Schweizer Währung wurde ein Tageshoch von 1,0722 Franken erreicht – so viel, wie zuletzt im Februar. 

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Der Euro befindet sich bereits seit einigen Tagen im Aufwind. Analysten erklären die Entwicklung überwiegend mit dem milliardenschweren Corona-Aufbauplan der EU-Kommission. Einige Fachleute argumentieren, der Fonds würde den Euroraum fiskalisch enger zusammenwachsen lassen. Eine fehlende gemeinsame Fiskalpolitik wurde von Kritikern stets als ein Konstruktionsfehler der Eurozone genannt. — (Reuters)

Italien: Rückschlag noch heftiger als gedacht

Die Wirtschaft Italiens ist im ersten Quartal noch stärker eingebrochen als bisher bekannt. Wie das Statistikamt Istat in Rom mitteilte, lag die Wirtschaftsleistung (BIP) in den ersten drei Monaten des Jahres 5,3 Prozent niedriger als im vierten Quartal 2019. In einer ersten Schätzung war ein etwas geringerer Rückgang um 4,7 Prozent ermittelt worden.

Die italienische Wirtschaft wurde durch die Corona-Krise besonders hart getroffen. Fachleute befürchten, dass der Wachstumseinbruch im zweiten Quartal noch wesentlich heftiger ausfällt, weil die Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie vor allem in diesem Abschnitt ergriffen wurden.

Die US-Wirtschaft steckt tief in der Krise

Die Corona-Krise hat die US-Wirtschaft im ersten Quartal etwas stärker einbrechen lassen als bislang angenommen. Zwischen Januar und März fiel das Bruttoinlandprodukt (BIP) mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 5,0 Prozent, wie das Handelsministerium am Donnerstag mitteilte.

Das ist der stärkste Rückgang seit den Jahren der Finanzkrise 2007-09. Eine erste Schnellschätzung hatte ein Minus von 4,8 Prozent ergeben.

Nachdem die weltgrösste Volkswirtschaft im Januar und Februar noch ordentlich zugelegt hatte, führte der «Lockdown» mit Geschäfts- und Fabrikschliessungen im März zum Einbruch der Konjunktur.

Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Folgen im Frühjahr noch sichtbarer werden. «Ein massiver Absturz des Bruttoinlandsproduktes im zweiten Quartal ist in Stein gemeisselt», sagte der Chefökonom der VP Bank, Thomas Gitzel. Ein Grund dafür: Seit Ausbruch der Pandemie haben mehr als 40 Millionen Amerikaner ihren Job verloren.

(reuters/mbü)

Hören Sie im Podcast «HZ Insights»: «Wie kurbeln wir die Wirtschaft wieder an?»

KOF-Direkor Sturm sieht Wirtschaftskrise längst nicht ausgestanden

Trotz der ersten positiven Effekte durch gelockerte Massnahmen im Zuge der Coronakrise ist die Schweizer Wirtschaft weit von einer Normalisierung entfernt. Die Konsumentenstimmung im Inland muss sich laut KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm zuerst richtig erholen.

Zusätzlich habe die Schweiz als Exportland das Problem, dass die internationale Konjunktur noch lange nicht wieder so laufe wie vor der Krise, sagte Sturm in einem Interview mit dem Tamedia-Medien (Donnerstagausgabe).

In vielen Ländern sei die gesundheitliche Krise noch nicht überwunden. Das gelte nicht zuletzt für die USA, Grossbritannien und für Länder der Europäischen Union, die für die Schweizer Unternehmen wichtige Absatzmärkte seien.

Rezession unvermeidlich

Eine Rezession sei unvermeidlich. Zwar dürfte es im Detailhandel und bei einzelnen Dienstleistungsbranchen eine Erholung geben. In der Industrie sei jedoch zu befürchten, dass die Krise erst richtig begonnen habe. Die Auftragsbücher leerten sich.

(awp/mbü)

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Covid19-Kredite: Löwenanteil für Kleinstbetriebe

Über das Bürgschaftsprogramm des Bundes wurden bislang rund 15 Milliarden Franken – das Geld ging an gut 125'000 Unternehmen. Eine Auswertung der Bankiervereinigung zeigt nun: 47 Prozent des gesamten Kreditvolumens wurden an Mikrounternehmen mit bis zu 10 Mitarbeitenden vergeben. Dazu kommen 36 Prozent des Volumens an Kleinunternehmen mit 10 bis 49 Mitarbeitenden. Mehr als acht von zehn Franken des gesamten Kreditprogramms wurden damit an Mikro- und Kleinunternehmen vergeben.

Der grösste Anteil der COVID-19-Kredite wurde an KMU mit Sitz in den grössten Kantonen Zürich, Waadt, Bern und Genf vergeben. Das erscheint logisch. Die Bankiervereinigung setzte die Daten aber auch ins Verhältnis zum BIP – und dann gingen vergleichsweise wenige Kredite an Firmen aus Zürich, Basel-Stadt und Bern, während am meisten in den Kantonen Tessin, Waadt, Wallis und Zug vergeben wurde.

6 von 10 Bürgern in der EU in finanziellen Schwierigkeiten

Wegen der Corona-Krise sehen sich sechs von zehn Bürgern in der Europäischen Union in finanziellen Schwierigkeiten. Dies geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage im Auftrag des Europaparlaments hervor.

Befragt wurden mehr als 21 000 Menschen in 21 EU-Staaten. 30 Prozent von ihnen meldeten Einkommensverluste, 23 Prozent sind nach eigenen Angaben von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit betroffen, 14 Prozent haben Probleme, Miete, Rechnungen oder Kredite zu begleichen. Jeder zehnte Befragte gab an, Familie oder Freunde um Hilfe gebeten zu haben. Drei Prozent der Befragten sahen sich vor dem Bankrott.

MEM-Branche ist besorgt

Die Coronakrise reisst viele Firmen der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Branche) ins Elend. Über ein Drittel der Unternehmen befürchtet im laufenden Jahr einen Betriebsverlust.

«Weitere 34 Prozent der Betriebe erwarten eine Betriebsgewinnmarge (EBIT) zwischen null und fünf Prozent», teilte der Branchenverband Swissmem am Dienstag in einem Communiqué mit. 

Die negativen Auswirkungen der Coronapandemie würden die MEM-Branche erst im zweiten und dritten Quartal voll treffen. Fast die Hälfte der MEM-Firmen (48 Prozent) hätten wegen behördlichen Schliessungen Stornierungen von Aufträgen hinnehmen müssen.

Betrügerische Verwendung von Corona-Krediten

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Waadt hat eine Untersuchung gegen Kreditbetrüger wegen mutmasslich betrügerischer Verwendung von Corona-Krediten eingeleitet. Mehr als anderthalb Millionen Franken sollen ins Ausland überwiesen worden sein.

Es wurde eine Untersuchung eingeleitet unter anderem wegen Betrugs, unlauterer Geschäftsführung, Wertpapierfälschung, Geldwäsche und Verletzung der Verordnung über Solidarbürgschaften im Zusammenhang mit Covid-19-Krediten. Einer der Verdächtigen wurde in Untersuchungshaft genommen.

Bei den mutmasslichen Tätern handelt es sich um Schweizer Bürger mit türkischen Wurzeln: Sie werden verdächtigt, von verschiedenen Banken aufgrund falscher Angaben Kredite in der Höhe von mehreren Millionen Franken erhalten zu haben. Insbesondere hätten die Täter falsche Umsatzangaben gemacht. Man habe Schritte unternommen, um die Gelder wieder in die Schweiz zu transferieren.

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China kündigt Strafen für Wildtierhandel an

China will die illegale Jagd und den Handel mit Wildtieren streng bestrafen. Das geht aus dem am Freitag veröffentlichten Arbeitsbericht der Regierung für die jährliche Sitzung des Nationalen Volkskongresses in Peking hervor. Damit solle ein Verbot umgesetzt werden, das im Januar als Folge des Coronavirus-Ausbruchs verhängt wurde.

Das neuartige Virus hatte sich Ende 2019 auf einem Markt in Wuhan ausgebreitet, auf dem Wildtiere wie Fledermäuse und Schuppentiere verkauft wurden. Von solchen Tieren könnte sich das Virus auf Menschen übertragen haben. Wuhan, Shanghai und andere Grossstädte haben den Verzehr von Wildtieren bereits verboten. Mehrere Provinzen haben zudem Pläne zur Eindämmung von Jagd, Zucht und Handel verabschiedet.

Solche Tiere wurden auf dem Markt in Wuhan verkauft

Ein Markt in Wuhan gilt als Herd der Pandemie. Eine Preisliste zeigt das Ausmass des Wildtierhandels dort - von der Bambusratte bis zum Sonnendachs. Mehr hier.

EZB könnte Notfall-Programm bald ausweiten

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist bereit, ihr Notfall-Anleihenkaufprogramm zur Bewältigung der Coronakrise (PEPP) bei Bedarf bereits im Juni auszuweiten. Darauf verständigten sich die Währungshüter in ihrer Ratssitzung Ende April, wie aus den am Freitag veröffentlichten Konferenzprotokollen hervorgeht. Entscheidend ist demnach, welche Signale von aktuellen Wirtschaftsdaten ausgehen.

Bislang ist PEPP auf ein Volumen von 750 Milliarden Euro angelegt. Die nächste reguläre Zinssitzung der EZB ist für den 4. Juni geplant.

Wirtschaft crasht, Börse feiert: Das macht Sinn

Während im April wegen der Coronakrise Millionen ihren Job verloren, erlebte die Wall Street den besten Monat seit 1987. Mehr dazu hier.

Deutsche wollen zu Hause bleiben

Im Sommerurlaub wollen einer Umfrage zufolge die meisten Deutschen im Land verreisen oder ganz zu Hause bleiben. Das geht aus einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag der ARD hervor.

15 Prozent der Befragten sind sich noch unsicher über ihre Urlaubspläne, 84 Prozent haben klare Vorstellungen. Von ihnen wollen 50 Prozent nach aktuellem Stand dieses Jahr zu Hause bleiben und die Koffer gar nicht packen. 31 Prozent planen für den Sommer eine Reise innerhalb Deutschlands, 19 Prozent eine ins europäische Ausland.

Coronavirus 20 04 20

Eine ständig aktualisierte Übersicht über den Verlauf der Pandemie weltweit finden Sie hier.

Quelle: JHU CSSE

Masken, Plexiglas und lange Schlangen: So sieht es künftig am Flughafen aus: «Das Erlebnis an einem Flughafen wird so angenehm sein wie eine Operation am offenen Herzen», sagt Paul Griffiths, Chef von Dubai Airport. Mehr hier.

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(sda/awp/reuters/bloomberg/gku/tdr/rap/mlo/mbü/me)

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