Der Neustart der globalen Volkswirtschaft ist in vollem Gange. Während Chinas Wirtschaftsleistung 2020 nur im ersten Quartal einbrach – und das Land das Jahr als einzige wichtige Volkswirtschaft weltweit mit einem positiven Wachstum abschloss –, schrumpften die USA und Europa merklich.

Mithilfe einer Kombination von flächendeckenden Impfungen und umfangreichen geld- und fiskalpolitischen Massnahmen werden sich aber auch die USA und Europa aus der Talsohle verabschieden und 2021 und in den folgenden Jahren kräftig wachsen.

Nick Hayes ist Portfoliomanager und Head of Active Fixed Income Allocation and Total Return bei AXA Investment Managers.

 

Die jüngsten Daten zum Arbeitsmarkt in Amerika sind vielversprechend, und entgegen früherer Markterwartungen findet unter der Regierung Biden eine unerwartete Stimulationsdynamik mit dem Start rekordhoher staatlicher Investitions- und Hilfsprogramme statt.

Vor dem Hintergrund des anziehenden Wirtschaftswachstums nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass die Zinsen im Einklang – oder vorlaufend – zu den höheren Wachstumsraten ebenfalls steigen werden.

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Auch wenn die US-Notenbank Fed vorerst noch auf der Zinsbremse steht, sind die Zinskurven in den vergangenen Wochen steiler geworden, das heisst, die langfristigen Zinsen sind in Erwartung der Wirtschaftserholung in der alten und neuen Welt zum Teil deutlich angestiegen. 

Der Markt ist optimistischer als die Notenbanker

Der weltweite Ausverkauf von Staatsanleihen beschleunigte sich im ersten Quartal 2021, die Renditen sind wieder auf Niveaus stiegen, wie sie seit 12 Monaten nicht mehr gesehen wurden (siehe Grafik).

10-jährige US-Treasuries nähern sich inzwischen dem Zinssatz von 1,7 Prozent, was bedeutet, dass vom Markt weniger quantitative Lockerung und höhere Zinssätze eingepreist werden, als die meisten Zentralbanker in den letzten Monaten signalisierten.

Aufwärtsdruck auch auf die kurzfristigen Zinsen üben zudem höhere Inflationserwartungen aus, was nicht zuletzt auf den Basiseffekt aussergewöhnlich tiefer Energiepreise im Jahr 2020 zurückzuführen ist.

Ob höhere Zinsen im Rahmen der Reflationierung der Volkswirtschaften von Dauer sein werden, wird sich weisen müssen.

Sicher ist, dass steigende Zinsen und eine höhere Teuerung die Investoren vor einige Herausforderungen stellen werden – denn anziehende Renditen belasten die Preise von Vermögensanlagen auf breiter Front. 

Ohne Risiko kein Gewinn

Noch ist es nicht soweit, aber die Frage, wie die festverzinsliche Komponente eines Portfolios investiert werden soll, ist schon jetzt knifflig und sollte von Investoren proaktiv angegangen werden.

Im Umfeld tendenziell steigender Zinsen gibt es keine bequeme und sichere Variante, in festverzinsliche Wertpapiere zu investieren. Wer eine Rendite erzielen will, muss Risiken in Kauf nehmen. 

Die Frage ist, in welchem Segment des festverzinslichen Marktes das Rendite-Risiko Verhältnis am attraktivsten ist. Dabei begegnen Investoren in Sachen Risiko den typischen zwei Themen: In was wird investiert und welche Risken birgt das, und wie kann das Portfolio gegen diese Risken geschützt werden? Mit Staatsanleihen, Gold, oder einer anderen Safe-Haven-Anlage? Ein attraktives Rendite-Risko-Profil bieten zurzeit Hochzinsanleihen und Hybridanleihen; beide Anlagekategorien dürften 2021 ansprechende Resultate erzielen.

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Hochverzinsliche aus den USA

Hochzinsanleihen (High Yield Bonds) von Emittenten geringerer Bonität bieten einige Chancen. Dabei sind US-Papiere attraktiver als europäische – aufgrund der Grösse des amerikanischen Marktes sind die Diversifikationsmöglichkeiten innerhalb eines Portfolios gut und deutlich vielseitiger als im Hochzinssegment europäischer Emittenten.

Gute Möglichkeiten sind vor allem im Bereich eher kurzer Laufzeiten auszumachen, besonders auch im Vergleich zu Anleihen mit Anlagequalität (Investment Grade).

Das grösste Risiko von traditionellen Anleihen sind steigende Zinsen. Eher kürzer laufende Anleihen sind einerseits weniger anfällig auf Zinserhöhungen im Gesamtmarkt und reduzieren das Zinsänderungsrisiko im Portfolio.

Andererseits können die Geschäftsaussichten des Emittenten für einen überblickbaren Zeitraum besser abgeschätzt werden. Das ist im High-Yield-Segment besonders wichtig.

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US-Hochzinsanleihen haben im ersten Quartal 2021 eine deutlich bessere Gesamtperformance erzielt als amerikanische Staatsanleihen oder Investment-Grade-Papiere, die vom Umfeld der anziehenden Zinsen stärker beeinträchtigt wurden.

Flexible Hybride

Investoren, die bei Anleihen mit Anlagequalität bleiben möchten, können ihr Portfolio mit hybriden Anleihen stabilisieren. Hybridanleihen sind eigenkapitalähnliche, nachrangige Unternehmensanleihen; und Anleger und Emittenten schätzen diese Mischform aus Eigen- und Fremdkapital gleichermassen.

Sie verbinden ein festverzinsliches mit einem aktienbezogenen Element – wie zum Beispiel Wandelanleihen – und bieten ebenfalls ein interessantes Potenzial.

Aufgrund ihres Risiko-Ertragsprofils, das zwischen Aktien und den in der Kapitalstruktur des Unternehmens höher gestellten Senior-Anleihen angesiedelt ist, liefern Hybridanleihen in der Regel eine deutliche höhere Verzinsung als traditionelle Anleihen, da dem Emittenten mehr Optionalitäten in Bezug auf Kündigungsdatum und Kuponzahlung zugestanden werden.

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Die Bezeichnung Hybridanleihe trägt zudem der Tatsache Rechnung, dass diese Papiere auch hinsichtlich der Kuponzahlungen aktienähnliche Eigenschaften aufweisen können und somit eine Mischform (Hybrid) zwischen den beiden Anlageklassen darstellen.

Ein Schlüsselmerkmal von Hybridanleihen ist auch ihre Laufzeit: Viele dieser Schuldverschreibungen weisen keine Endfälligkeit auf, und wenn doch, handelt es sich um ungewöhnlich lange Zeiträume von bis zu 100 Jahren.

Die aktuellen Renditeaufschläge für Hybridanleihen haben das Potenzial zu sinken, genau wie das in letzter Zeit im gesamten festverzinslichen Markt festzustellen war.

Wegen ihrer eher stabilen und langfristigen Einkommensströme gehören die Sektoren Telekommunikation und Versorger zu den häufigeren Emittenten von Hybridanleihen. Investoren sollten beachten, dass die Bonitätsanalyse bei Hybrid-Wertpapieren zentral ist, da sie häufig nachrangig sind. 

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Zeit für den Wiedereinstieg?

Die Renditen in vielen festverzinslichen Märkten haben sich wieder auf dem Niveau von Anfang 2020 eingependelt; von den verbesserten Wachstumsaussichten angetrieben, konnten sie sich von ihren Tiefs erholen.

Der Zeitpunkt für einen Wiedereinstieg in Anleihen könnte günstig sein – Hochzins- und Hybridanleihen verdienen dabei ein besonderes Augenmerk. Mit diesen Instrumenten können im höherverzinslichen Segment kontrollierte Risiken eingegangen werden, um die Renditen schrittweise zu steigern.

Es gibt bereits jetzt verschiedene attraktive Kaufgelegenheiten; eine fundamentale Kreditanalyse ist jedoch wie beim Kauf aller Rentenpapiere unabdingbar.