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Diese Schweizer CEOs sind überbezahlt

Verzichtete auf einen kleinen Teil seines Gehalts: Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam. Keystone

Milliardengeschäfte bedeuten oft Millionengehälter. Unsere Untersuchung zeigt: Manche Manager verdienen deutlich mehr, als ihre Position eigentlich nahelegt.

Von Simon Schmid
am 01.04.2016

Size matters, sagt der Amerikaner: Auf die Grösse kommt es an. Bei den Managerlöhnen stimmt dies zweifellos. Kein Faktor hat mehr Einfluss auf die Lohnhöhe eines CEO als die Grösse des Unternehmens, in dem er arbeitet.

Untersucht wurde dieser Zusammenhang beispielsweise in einer Studie des IRRC Institute. Sie zeigt auf, dass die Unternehmensgrösse fast die Hälfte (44 Prozent) der Varianz von CEO-Löhnen in den USA erklärt. Ein Fünftel erklärt sich durch die Lohnpolitik der Firma in der Vergangenheit (19 Prozent), ein Viertel (24 Prozent) lässt sich gar nicht erklären. Die effektive Leistung wirkt sich nur zu einem Zehntel (12 Prozent) auf die Lohnunterschiede zwischen Konzernchefs aus.

Löhne im Missverhältnis zur Grösse

Wie sieht die Sache in der Schweiz aus? Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und die Vergütung* von 71 Konzernchefs von grossen, an der hiesigen Börse kotierten Firmen miteinander verglichen. Das Resultat zeigt: Auch hierzulande ist der Zusammenhang zwischen Grösse und CEO-Lohn ziemlich robust.

Einen Eindruck davon gibt die folgende Grafik. Sie zeigt auf der horizontalen Achse die Mitarbeiterzahl eines Unternehmens. Auf der vertikalen Achse steht der Cheflohn: ein grüner Punkt zeigt an, wie hoch dieser Lohn 2015 tatsächlich war; ein blauer Punkt zeigt an, wie hoch der Lohn des betreffenden CEO gemäss Modellrechnung** wäre. Dass die blauen Punkte nicht alle auf einer Linie liegen, liegt daran, dass nebst der Mitarbeiterzahl auch die Marktkapitalisierung des Unternehmens in die Rechnung einfliesst.

Das Bild macht zwei Dinge deutllich. Erstens gilt «size matters» auch in der Schweiz: Je grösser ein Konzern ist, desto mehr verdient auch der Chef. Zweitens gibt es Ausreisser. Manche CEOs verdienen deutlich mehr, als es die Firmengrösse nahelegen würde. Andere sind gemäss der Grössenregel auch unterbezahlt.

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Die Unternehmenschefs mit der grössten Abweichung

Wer diese Ausreisser sind, zeigt die folgende Aufstellung. Sie listet die zehn Unternehmenschefs auf, deren Vergütung prozentual am stärksten vom modellierten Wert abweicht. Wie ersichtlich wird, handelt es sich dabei mehrheitlich um Chefs von mittelgrossen bis grossen Konzernen mit einem hypothetischen CEO-Lohn von 2 Millionen Franken und mehr.

Die Abweichungen stehen nicht immer im Zusammenhang mit dem Unternehmenserfolg. Eine überdurchschnittliche Rendite am Aktienmarkt erzielten letztes Jahr nur Tamedia, Logitech, Actelion und Barry Callebaut. Die anderen Konzerne enttäuschten an der Börse zum Teil stark: Dufry performte 26 Prozent, Richemont 25 Prozent unter dem Schnitt.

Zu Tidjane Thiam von der Credit Suisse, der sein Amt im Juni angetreten hat, gilt es anzumerken, dass seine eigentliche Vergütung für diese Zeit nur bei 4,6 Millionen Franken lag. 14,6 Millionen Franken kamen als Zahlung hinzu, um ihn aus einem Bonusprogramm seines ehemaligen Arbeitgebers herauszulösen. Rechnet man die 4,6 Millionen Franken aufs ganze Jahr hoch, bleibt noch eine Abweichung von rund 25 Prozent.

Die bescheidenen fünf Konzern-CEOs

Auch am unteren Ende der Tabelle gibt es Abweichungen (wobei der CEO von Belimo erst in der zweiten Jahreshälfte im Amt war). Die grösste davon findet sich bei der Swisscom. Dort verdiente Urs Schaeppi gemessen an der Unternehmensgrösse eigentlich zwei Drittel zu wenig. Auffällig ist: Vier der fünf Schlusslichter haben sich 2015 als Investment gelohnt. Der Flughafen Zürich, Belimo und Ems-Chemie performten an der Börse gut, Bell lag mit 34 Prozent sogar deutlich über dem Schnitt.

Studien wie jene des IRRC machen deutlich, dass die Untersuchung von Leistung und Lohn eine recht komplexe Angelegenheit ist. Speziell die Messung des echten, ökonomischen Mehrwerts, den eine Firma in einem bestimmten Zeitraum geschaffen hat, ist eine Wissenschaft für sich. Die hier präsentierten Zahlen*** müssen denn auch nur als Annäherungen verstanden werden.

Alles in allem – und in Kombination mit dem letzten Artikel zu den Cheflöhnen und deren Leistung – wird dennoch klar: Die Schweizer Konzerne halten es bei den Managerlöhnen nicht anders als ihre amerikanischen Pendants. Die Saläre der CEOs lassen sich nur zum Teil anhand von objektiven Faktoren nachvollziehen. Einige Konzernchefs verdienen deutlich mehr, als sie eigentlich verdienen.

* In der Vergütung inbegriffen ist hier das Total aller Zahlungen: Fixlohn, Bonus, Beiträge an die Vorsorge und anderes. Mit einbezogen sind auch Einmalzahlungen wie etwa die Ablösesumme für einen neu zugezogenen CEO. Die Vergütung von Unternehmenschefs, die während des Jahres zu einer Firma hinzugestossen sind, wurden unverändert übernommen. Bei vier Unternehmen wurde das Salär vom letzten Jahr verwendet, weil der Jahresbericht 2015 noch nicht erschienen ist.

** Es handelt sich um eine Regressionsanalyse, in welche die logarithmierten Werte für die Marktkapitalisierung und die Mitarbeiterzahl einfliesst.

*** Die vollständige Liste liefere ich auf Anfrage auch gern als Excel.

Simon Schmid
Chefökonom bei der Handelszeitung. Wirtschafts- und sozialwissenschaftlich inspirierter Schreiber.
Twitter: @schmid_simon

 

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