Es ist ein Schritt, der seit einiger Zeit befürchtet wurde: Novartis will in der Schweiz in erheblichem Umfang Jobs abbauen. Und das nicht nur in der Produktion in Stein und Schweizerhalle, sondern auch in den Reihen des Managements in Basel. Laut Mitteilung des Unternehmens werden gut 700 Management-Stellen in die globalen Dienstleistungszentren in Dublin, Mexico City, Prag, ins indische Hyderabad und nach Kuala Lumpur in Malaysia verlagert.

Novartis unterhält heute acht Standorte in der Schweiz, wobei Schaffhausen, Freiburg und Genf zu Alcon zählen. Die Problemtochter aus der Augenheilsparte wird Novartis mit Hilfe eines Börsengangs veräussern. Bleiben fünf Schweizer Standorte: Basel, Schweizerhalle, Stein, Rotkreuz und Locarno (siehe Grafik).

An den fünf Standorten werden bis 2022 rund 2150 Stellen abgebaut und ins Ausland verlagert. Im Gegenzug entstehen bis zu 450 Jobs in Stein: Die wichtige neue Gentheraphie gegen Blutkrebs, Kymriah, soll dort produziert werden. Im Zuge dessen werden bis zu 450 Jobs entstehen. Unter dem Strich wird Novartis 2022 also gut 1700 weniger Mitarbeiter in der Schweiz haben.

Novartis Standorte

Die Schweizer Standorte von Novartis im Überblick.

Quelle: ZVG
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Der Grossteil der Arbeitsplätze wird dabei in Basel abgebaut, hier sind bis zu 1000 Kürzungen geplant. In Stein fallen 700 Arbeitsplätze weg, unter dem Strich sind es 250. Schweizerhalle wird anteilig am stärksten abgebaut – mehr als 60 Prozent aller Stellen fallen hier weg.

Der Jobabbau wird dabei gestaffelt über vier Jahr stattfinden. Gespräche mit dem Management und den Arbeitnehmervertretungen stünden an, heisst es von Seite des Unternehmens. Der detaillierte Transferplan sei dann noch auszuarbeiten.

Basel ist der Unternehmenshauptsitz und ein zentraler Standort für die Forschung und Entwicklung im Pharmakonzern. Rund 2000 Mitarbeiter von insgesamt 13’000 in der Schweiz arbeiten in dieser Sparte. Dieser Bereich ist konzernweit bedeutend. Während nur 2 Prozent des Konzernumsatzes hierzulande generiert wird – also 800 Millionen Franken – gibt Novartis 37 Prozent des F&E-Budgets hierzulande aus. Das sind in Zahlen 3,3 Milliarden Franken (siehe Grafik unten).

Schweizerhalle und Stein haben als Produktionsstandorte an Bedeutung verloren. In Stein werden rund 3 Milliarden Tabletten, Kapseln, Ampulen und Fertigspritzen hergestellt. In Schweizerhalle werden seit den 1930er Jahren Wirkstoffe und Zwischenwirkstoffe produziert. Allerdings verliert das Geschäft mit Pillen und Kapseln bei Novartis an Bedeutung, beide Standorte sind nicht mehr ausgelastet.

Novartis Daten und Fakten

Der Anteil von Novartis am Umsatz ist überschaubbar, dafür investiert der Pharmakonzern hierzulande erheblich in Forschung und Entwicklung.

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Mit dem angekündigten Stellenkürzungen zeigt der Konzernumbau unter Vas Narasimhan hierzulande Auswirkungen. Aus globaler Perspektive mögen diese Schritte sinnvoll und richtig sein, aus Sicht der Standorte sind es schmerzhafte Verwerfungen. In einem zweiten Schritt betreffen diese Neuerungen auch Novartis-Partner: Der Pharmariese sichert laut eigenen Angaben für 58'000 Stellen bei Lieferanten und Dienstleistern in der Schweiz. Das Unternehmen hat 2017 Bestellungen im Wert von 2,3 Milliarden Franken in den Kantonen bezogen.

Wie sich der Umbau auf externe Firmen auswirken wird, vermag der Konzern derzeit nicht zu sagen. Es heisst, in manchen Gebieten würden Chancen entstehen, während andere negativ betroffen sein könnten. Ein Gesamtausbblick auf die Auswirkungen sei derzeit nicht möglich.

Novartis Einkauf nach Kantonen

Novartis hat 2017 Waren und Dienstleistungen in der Schweiz für 2,3 Milliarden Franken bezogen. Dies verteilt sich auf die Kantone.

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