Es war ein zähes Hin und Her: Fast vier Monate hat es gedauert, bis Urs Schaeppi als CEO der Swisscom offiziell bestätigt wurde. VR-Präsident Hansueli Loosli wollte ihn zwar von Anfang an, doch Schaeppi hat sich nicht um den Posten ­gerissen. Denn als Konzernleiter hätte er das operative Geschäft abgeben müssen, das er bisher als Schweiz-Chef grossmehrheitlich geleitet hatte (siehe BILANZ 20/2013). Das Patt lähmte den Konzern.

Nun hat sich der 53-jährige Berner gegen seinen Präsidenten durchgesetzt: Mit Schaeppis Berufung wurde die personelle Trennung von Schweizer Geschäft und Konzernführung rückgängig gemacht. Diese hatte Loosli Ende letzten Jahres eingeführt, um ein Gegengewicht zum mächtigen damaligen Konzernchef Carsten Schloter zu schaffen. Und sie ­erlaubte dem Präsidenten, an Schloter vorbei ins Tagesgeschäft hineinzureden.

Die neue Struktur entspricht nun weitgehend jener, die bis Ende 2012 galt. Den Rückbau, so hört man, haben Schaeppi und Loosli unter sich ausgemacht, ohne die anderen Konzernleitungsmitglieder zu involvieren.

Jürgen Galler wird Swisscom verlassen

Was wie eine Niederlage Looslis aussieht, bedeutet aber nicht, dass sein Einfluss bei der Swisscom schwindet. Ganz im Gegenteil: Schaeppi pflegt ein anderes Rollenverständnis als Schloter und grenzt sich deutlich weniger ab von Loosli als sein verstorbener Vorgänger. «Schaeppi hat intern klar zu erkennen gegeben, dass er für gute Ideen aus dem Verwaltungsrat empfänglich ist», heisst es aus dem obersten Führungszirkel der Swisscom. «Damit kann Loosli das Operative direkter beeinflussen als früher.»

Anzeige

Seinen Zugriff hat Loosli mit einer weiteren Personalie erhöht: Jürgen Galler, bisheriger Strategiechef und zuständig für Innovationsmanagement, wird den Konzern verlassen. Schloter heuerte den Ex-Google-Mann letztes Jahr gegen Looslis Willen an; der hätte lieber einen altgedienten Partner einer namhaften Strategieberatung auf dem Posten gesehen. Kaum fehlt die schützende Hand Schloters, schickt Loosli Galler in die Wüste. Das Innovationsmanagement landet bei Netzwerk-Chef Heinz Herren.

Für die Strategie hat Loosli einen Vertrauten ­installiert: den bisherigen VR-Sekretär Martin Vögeli. Die ungewöhnliche Personalie sorgt für Kopfschütteln in der Chefetage. «Eine Lachnummer», heisst es aus dem Topmanagement. Galler dürfte nicht der einzige Abgang bleiben: Auch Ueli Dietiker, Ex-Finanzchef und nun für Sonderprojekte zuständig, verlasse den Konzern 2014, hört man in den Gängen der Swisscom.