Ein Einbruch der Kundenhandelsaktivitäten in Asien droht die lukrativen Einnahmequellen der weltweit grössten Vermögensverwalter zu schmälern. Die UBS und die Citigroup  gehören zu den Banken, deren Vermögenserträge in der Region in der ersten Jahreshälfte wahrscheinlich zweistellig zurückgegangen sind. Das schreibt Bloomberg mit Verweis auf Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind.

Die Credit Suisse, die im vergangenen Monat warnte, dass die Ergebnisse im zweiten Quartal durch den Rückzug der Kunden beeinträchtigt wurden, werde voraussichtlich einen ähnlichen Rückgang verzeichnen, heisst es. 

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Das erwartete Defizit steht im Gegensatz zu einer starken Performance im letzten Jahr. Es unterstreicht, wie die schwächere Kundenstimmung bis ins Kerngeschäft der Banken dringt. Chinas hartes Durchgreifen gegen eine breite Palette von Branchen, von Technologie und Bildung bis hin zu Glücksspiel und Immobilien, hat die asiatischen Märkte in Aufruhr versetzt, so dass die Kunden auf ihren Verlusten sitzen bleiben und nur zögernd handeln.

UBS mit weniger Kundenberatern

Nachdem Asien in den letzten zehn Jahren das Wachstum der Zahl und des Vermögens von vermögenden Privatpersonen dominiert hatte, fiel es laut einem Bericht von Capgemini im Jahr 2021 hinter Europa und Nordamerika zurück. Einige Kreditgeber werden nun vorsichtiger, da ein jahrelanger Einstellungsrausch auf düstere Wachstumsprognosen trifft.

Die Neueinstellungen hätten sich im Vergleich zum letzten Jahr definitiv verlangsamt, sagt eine Person vor Ort. Es sei nicht mehr so wie vor zehn Jahren, «als Privatbanken Leute wie Friseure einstellten». Die Zahl der Kundenberater der Credit Suisse im asiatisch-pazifischen Raum stieg im ersten Quartal auf 710, was einem Zuwachs von 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Gegensatz dazu sank die Zahl der UBS-Berater im asiatisch-pazifischen Raum im gleichen Zeitraum um 5,3 Prozent auf 861. 
 

Die Situation ist eine drastische Kehrtwende. Erst vor wenigen Monaten planten die Banken reihum grosse Offensiven. Barclays sprach von einer lange geplanten Rückkehr in einige der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt – und war damit in bester Gesellschaft mit Firmen wie JPMorgan Chase oder HSBC.

Rückläufige Erträge

Aber jetzt sind die Erträge meist rückläufig. Die Banken fokussieren sich wieder auf die Kostenseite. Privatbankiers in Singapur und Hongkong sagen gegenüber «Bloomberg», dass ihre asiatischen Abteilungen stark von den Erträgen der Kunden abhängig sind, die häufig handeln, im Gegensatz zu Zentren wie der Schweiz, wo Banken Geld für die Reichen verwalten und eine regelmässige Gebühr erhalten. 

Ein Grossteil des Vermögens in Asien befindet sich in den Händen von Selfmade-Unternehmern, die ihre eigenen Wetten abschliessen wollen, während es in Europa von der zweiten und dritten Generation gehalten wird, die ihr Vermögen bewahren will und Privatbanken mit der Verwaltung ihres Geldes beauftragt. In Zeiten der Hausse sind die Transaktionsgebühren eine lukrative Einnahmequelle, aber in Zeiten des Abschwungs können sie schnell versiegen. 

Ein Sprecher der Credit Suisse lehnte gegenüber «Bloomberg» eine Stellungnahme zu den Erträgen im asiatischen Vermögensverwaltungsgeschäft ab. Er sagte, dass die Bank ungeachtet der kurzfristigen Marktvolatilität weiterhin in der Region investieren werde. Ein Sprecher von UBS lehnte eine Stellungnahme ab.

(ise/bloomberg)