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Wie Food-Hacker unsere Ernährung verbessern

Food-Hacker: Tüfteln für einen optimierten Speiseplan. Ivo Näpflin

Programmierer wollen Menschen für bewussteren Konsum und gesündere Ernährung begeistern. In Zürich und Lausanne fanden nun die OpenFood Hackdays statt.

Von Caroline Freigang
am 13.02.2017

Sie zeichnen Mindmaps auf weisse Wandtafeln, malen auf Post-its, hauen in die Computertasten und diskutieren lautstark: Was auf den ersten Blick nach studentischen Arbeitsgruppen aussieht, sind Teilnehmer eines Food-Hackathons. Während 24 Stunden steckten an diesem Wochenende 110 Personen an der EPFL in Lausanne und 90 an der ZHdK in Zürich die Köpfe zusammen, um Innovationen an der Schnittstelle zwischen Technologie und Ernährung zu entwickeln.

Bei den «OpenFood Hackdays» waren neben Big-Data-Spezialisten, Lebensmittel-Experten und Programmierern auch Landwirte, Köche, App-Entwickler, Studenten und Unternehmer dabei. Als Basis für ihre Ideen diente die Openfood.ch-Datenbank der EPFL, die Informationen zu mittlerweile 15'000 Nahrungsmitteln öffentlich zur Verfügung stellt. «Grundlage für Innovationen sind immer öfter Daten», sagt Hannes Gassert, Mitorganisator und Vizepräsident von Opendata.ch am Event.

Die Nacht durch brainstormen

Und wie läuft so ein Hackathon genau ab? Die Teilnehmer werden vor Herausforderungen gestellt – etwa von Personen aus der Lebensmittelindustrie, der Startup- oder Techszene. Das klingt dann etwa so: «Wie können möglichst CO2-neutrale Menüs zubereitet werden?» oder: «Wie kann man Kunden auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lebensmittel zusammenstellen?»

Grosses Interesse von Industrie und Bund

Ziel des Food-Hackathons ist, Lösungen für eine bessere Ernährung, verantwortungsbewussteren Konsum oder effizienteren Einsatz seines Geldes zu entwickeln. Organisator Gassert: «Mit Technologie können neue Essgewohnheiten geschaffen werden.» Die Themen Food und Technik vereinen ihm zufolge zwei Megatrends: «Die Menschen essen immer bewusster und haben gleichzeitig immer ihr Handy in Griffweite.»

Die Innovationen sind auch für die Industrie essentiell, ist Gassert überzeugt. Firmen könnten damit ihre Lieferketten optimieren, Märkte besser analysieren, neue Dienstleistungen aufbauen oder Geschäftsmodelle entwickeln. Das Interesse von Industrie und Bund an den Hackathons sei gross. «Innovation geschieht von unten nach oben – die grossen Player warten ab, was die kleinen entwickeln und schnappen sich die spannendsten Ideen.»

Die Migros unterstützt den Hackathon über ihren Förderfonds Engagement Migros. «Mit diesem Programm loten wir die Potenziale und Chancen der Schweiz im Bereich der Digitalisierung aus und bauen eine Innovations- und Unternehmercommunity rund um Food-Daten auf», sagt Sylvie Reinhard von Engagement Migros.

Bier dekodieren und Einkaufshilfe

Die präsentierten Resultate der Hackathons in Zürich und Lausanne sind vielseitig: Von der App, die Bier dekodiert, bis zur «Food and me»-App, die Allergikern oder Personen auf Diät hilft, die passenden Produkte auszuwählen, oder der App «OpenFarm», die lokale Produzenten in der Umgebung auf einer Karte aufzeigt. Eine Gruppe entwickelte sogar einen Chatbot namens Jarvis, der beim Shoppen und Kochen hilft, sowie Informationen über Produkte aus Datenbanken heraussucht.

Den besten Projekten des Wochenendes locke finanzielle Unterstützung durch Opendata.ch, sagt Gassert. «Es werden Ideen in der Anfangsstufe unterstützt, damit die jungen Unternehmer ihre ersten Schritte gehen können». Die Gründer können ihre Ideen im Impact Hub in Zürich, Genf oder an der EPFL sowie der Hotelfachschule in Lausanne ausreifen lassen.

Die «OpenFood Hackdays» sollen in den kommenden drei Jahren zweimal jährlich stattfinden, die nächste Ausgabe bereits in diesem Herbst.

Jarvis, der digitale Ernährungsberater:

 

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