Er hatte als Experte mit der Wall Street zu tun, wirkte für fünf Jahre als Berater für Zentralbanken, arbeitete für die Deutsche Börse und unterstützte europäische Banken und Versicherungen als Berater der Boston Consulting Group. Die klassische Finanzbranche kennt Christian Ewerhart à fond. Doch heute will er die Blockchain-Welt aufmischen. Zurück in die Zukunft sozusagen für den gebürtigen Deutschen.

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Denn nachdem er die Privatwirtschaft verlassen hatte, wurde er 2003 als ordentlicher Professor für Informations- und Vertragsökonomie an die Universität Zürich berufen. Nun wagt er erneut den Schritt in die Privatwirtschaft und hat mit Blockchain Presence ein Spin-off gegründet. «Ich bin ja eigentlich ein Theoretiker», sagt Ewerhart. «Nerdige» Themen hätten ihn schon früh angezogen.

So programmierte er als Gymnasiast etwa einen 8-Bit-Mikroprozessor – Mathematik und theoretische Informatik sind noch heute seine Leidenschaften. Bekannt wurde der heute 55-Jährige unter anderem mit einem Theorem zum Schachspiel aus seiner Dissertation als Volkswirt, das heute in der Spieltheorie weltweit als beliebte Übungsaufgabe für Doktoranden gilt.

C Ewerhart
Foto: Thomas Baumann für BILANZ
Foto: Thomas Baumann für BILANZ

2014 ging plötzlich eine weitere Tür auf – zum Crypto Space: «Als ich zum ersten Mal von Smart Contracts für die Blockchain hörte, passte das perfekt zu meiner gesamten Vorbildung.» Die Interessen an Mathematik, kryptografischen Verfahren, Programmierung, Vertragstheorie und Finanzen – all das fliesse da zusammen. Mit seinem Spin-off will er nun eine Plattform bauen, um benötigte Daten aus der realen Welt auf eine neue Weise in die Blockchain zu übertragen. Sodass zum Beispiel für einen bestimmten Smart Contract nachgewiesen wird, dass die Daten – etwa zum aktuellen Leitzins – von der Schweizerischen Nationalbank stammen und nicht von irgendwelchen anonymen Quellen.

«Wir hoffen, mit unserem Ansatz auch die Themen der Geldwäsche und der Verbrechensfinanzierung zu bekämpfen.» Erneuern könnte er auch die Dividendenausschüttung. Denn für die erste Ausschüttung in seiner Firma hat er mit den Studierenden ein kryptografisch basiertes Protokoll entwickelt, das sicherstellt, dass die Kryptozahlung beim Aktionär ankommt. «Die Auszahlung einer Dividende per Smart Contract könnte schon in wenigen Jahren zur Normalität werden.»