In den letzten 20 Jahren mussten Anleger vier grosse Krisen überstehen – mit teils erheblichen Verlusten an den Aktienmärkten. Nach dem Platzen der Tech-Blase im März 2000 verlor der SMI knapp in der Spitze 30 Prozent seines Wertes. Noch schlimmer erging es dem Schweizer Leitindex in der Finanzkrise mit einem Verlust von 52 Prozent.

Nicht ganz so ausgeprägt waren die Verluste in der Eurokrise und in der Coronakrise mit einem Rückgang von jeweils 27 Prozent. Während in den ersten drei Krisen Schweizer Obligationen zumindest einen Teil der Verluste auf der Aktienseite durch Kursgewinne kompensieren konnten, legte die Coronakrise die ganzen Misere der Negativzinsen für Anleger offen. Der Gesamtertrag der zehnjährigen Anleihen in den 5 Wochen des Corona-Crashs war mit -3,4 Prozent sogar negativ.

Fallende Renditen

Zum ersten Mal seit den inflationären 1970er Jahren waren also Staatsanleihen nicht mehr in der Lage, einen Bärenmarkt nennenswert abzufedern. Die Ursache ist schnell gefunden: Durch die anhaltende Negativzinspolitik der SNB lagen die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen schon vor der Pandemie bei -0,68 Prozent.

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Es war also kein grosser Spielraum mehr da für Kursgewinne aufgrund fallender Renditen. Die Pandemie hat aus diesem europäischen Problem für Anleger eine inzwischen globale Herausforderung werden lassen. Mehr als ein Drittel aller Industrieländer-Staatsanleihen haben eine negative Rendite und 85 Prozent rentieren unter einem Prozent.

Tilmann Galler ist globaler Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management

Doch welche Chancen bieten sich heute noch, um höhere Erträge im defensiven Teil des Portfolios zu erzielen, ohne die Risikokontrolle über Bord zu werfen? Eine Möglichkeit sind Unternehmensanleihen. Angesichts der kurzfristigen Ungewissheit sollten sich Anleger, die sich erstmals den Credit-Märkten zuwenden, dabei vielleicht auf die Segmente mit höherer Qualität konzentrieren.

Auch der Blick nach Asien kann Abhilfe schaffen: Chinesische Staatsanleihen bieten mit einer durationsabhängigen Verzinsung von 2-3 Prozent fast keine Korrelation zu globalen Aktien und mit dem Potenzial für eine langfristige Währungsaufwertung eine mögliche Lösung. Realanlagen wie Immobilien und Infrastruktur können attraktivere Renditen bieten – auch wenn sie eine geringe Liquidität aufweisen.

Hedgefondsstrategien als Lösung

Die Aufnahme von höher verzinslichen Anleihen, Immobilien- und Infrastrukturanlagen in ein Portfolio kann also einen Teil der Erträge ersetzen, die Staatsanleihen früher boten, und gleichzeitig eine gewisse Diversifizierung gegenüber Aktien bieten. Den traditionell von Staatsanleihen gebotenen Abwärtsschutz müssen Anleger jedoch andernorts suchen.

Hier können Hedgefondsstrategien eine Lösung bieten; insbesondere Makro-Fonds haben in der Vergangenheit guten Schutz bei Aktienmarktbaissen geboten. Die Renditeerwartungen für Makro-Fonds insgesamt sind zwar relativ niedrig, doch die Auswahl eines guten Managers kann die Rendite durchaus noch steigern.

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Auch wenn Bundesanleihen nach wie vor ein gewisses Mass an Diversifizierung bieten, und deshalb für Anleger nicht ganz nutzlos sind, sind sie doch anfällig gegenüber einem Anstieg der Inflation. Mit der Aufnahme von Immobilien, Infrastruktur und Makro-Strategien in ihre Portfolios haben Anleger zumindest die Chance, ihre risikobereinigten Erträge und Renditen im Verhältnis zu einem traditionellen Aktien- und Anleihenportfolio zu verbessern.

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