Frauen beweisen damenhafte Zurückhaltung, wenn es um ihr eigenes Geld geht. Sie investieren deutlich seltener als Männer am Aktienmarkt. Leben sie in einer Partnerschaft, überlassen sie nach wie vor häufig dem Mann die Aufsicht über das gemeinsame Vermögen. Gleichzeitig belegen Studien wiederholt, dass Frauen mehr Rendite erzielen als Männer, wenn sie in Aktien investieren. Meist deshalb, weil sie ihr Geld risikoavers und langfris­tiger anlegen.

Müssten angesichts dieser Diskrepanz nicht alle Schweizer Banken in den Startlöchern stehen, um Frauen endlich dazu zu bewegen, ihr Geld in Fonds und Aktien zu stecken?

Spezielle Angebote für Frauen fördern Stereotype? Vordergründig richtig

Weit gefehlt! Die meisten Schweizer Banken verzichten auf ein spezifisches Angebot für Frauen. Mit der Begründung, unabhängig vom Geschlecht zu beraten. Und dass gerade spezielle Angebote für Frauen Stereotype unterstützten. Ist das falsch? Vordergründig: nein.

Was die Welt und vor allem der weibliche Teil der Bevölkerung nicht braucht, sind Aktienfonds mit pinkem Glitter. Finanzangebote also, die verkrampft auf weiblich getrimmt wurden und die Anlegerin womöglich noch teurer kommen als das Standardprodukt.

So wie rosa Damenrasierer häufig mehr kosten als die baugleichen blau-grauen Gegen­stücke für Männer (#pinktax).

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Trotzdem ist zu befürchten, dass sich bei den meisten Schweizer Banken Angebote für Frauen nicht deshalb erübrigen, weil die Gleichstellung in der Finanzberatung bereits par excellence gelebt wird. Sondern dass diese fehlen, weil wir es mit ­einem Mangel an Bewusstsein zu tun haben. Mit der Annahme, dass der männliche Standard schon auch für Frauen passen wird.

So wie etwa beim Autobau die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Fahrersitz häufig für einen 1,75 Meter grossen und 78 Kilo schweren Mann optimiert sind und man davon ausgeht, dass dieser Standard dann schon auch für Frauen passen würde. Was dazu führte, dass Frauen bei Unfällen ein um 47 Prozent erhöhtes Verletzungs­risiko gegenüber männlichen Fahrern hatten.

Frauen widersprechen selbst 2020 noch der Rollenerwartung, wenn sie sich aktiv um ihre Finanzen kümmern.

Übertragen auf die Finanzberatung bedeutet das: Das Invest-Angebot für Frauen kann in vielem deckungsgleich sein mit dem für Männer, die Beratung muss aber auf einer anderen Grundlage basieren. Sie muss verstanden haben, dass Frauen über Generationen hinweg weder zugetraut wurde noch gestattet war, ihr Geld eigenverantwortlich einzuteilen oder gar zu mehren. Und dass die Grossmütter und Mütter der heutigen Anlegerinnen noch von diesem Rollenmodell geprägt sind.

Zunächst die Haltung zum Geld finden

Frauen widersprechen ein Stück weit selbst 2020 noch der Rollenerwartung, wenn sie sich aktiv um ihre Finanzen kümmern. Es braucht Anlageberatung, die dieses Erbe versteht und Zurückhaltung nicht mit Unvermögen oder Desinteresse verwechselt. Und ja, Beratung, die Frauen spezifisch darin unterstützt, ihre Haltung zum Geld zu entwickeln, bevor sie sich für eine Anlagestrategie entscheiden.

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In der heutigen Arbeitswelt spielen Netzwerke eine grosse Rolle. Tijen Onaran ist Expertin dafür, hat «Global Digital Women» gegründet. Ein Ableger davon ist mittlerweile auch in Zürich aktiv.

In ihrem Buch «Die Netzwerkfibel: Zehn Gebote für erfolgreiches Networking» gibt sie Tipps für die Kontaktpflege. Ein Gespräch mit ihr im Podcast von Melanie Loos: