Fast 160'000 Menschen waren im Mai ohne Arbeit. Damit ist die Arbeitslosenquote auf 3,4 Prozent gestiegen. Es war der höchste Wert seit Februar 2017 – oder auch seit Anfang 2009 inmitten der Weltfinanzkrise. Gegenüber April wuchs die Arbeitslosigkeit zwar nur um 0,1 Prozent, doch vergleicht man die Situation mit dem Vorjahr, ist der Anstieg drastisch: ein Plus von rund 50 Prozent gegenüber Mai 2019. 

Damals war die Arbeitslosigkeit mit 2,3 Prozent auf einem Tiefstand. Und noch letzten Januar lag sie nur bei 2,6 Prozent. Dabei zeichnet sich ab: Frauen und junge Menschen trifft die Corona-Krise besonders. Zwar sind mehr Männer arbeitslos als Frauen, doch im April war die Arbeitslosigkeit bei den Frauen um etwa 15 Prozent gestiegen – während die Quote bei den Männern nur um 11 Prozent zulegte.

Frauen und Junge stärker von der Krise betroffen

Dieser Trend setzte sich nun im Mai fort, wenn auch auf geringerem Niveau: Auch gegenüber April wurden mehr Frauen als Männer arbeitslos. Rund 1900 Frauen verloren im Mai ihren Job – ein Anstieg von fast 3 Prozent gegenüber April und sogar rund 50 Prozent gegenüber Mai 2019. Zum Vergleich: Im selben Monat wurden 670 Männer arbeitslos, ein Plus von 0,8 Prozent.

Da sich die Geschlechterverteilung über die Wirtschaftssektoren unterscheidet, sind Männer und Frauen in unterschiedlichem Masse von der Krise und deren Folgen am Arbeitsmarkt betroffen. Im Gegensatz zur globalen Finanzkrise, in der Männer stärker vom Beschäftigungsrückgang betroffen waren, trifft es diesmal Wirtschaftssektoren wie das Gastgewerbe am härtesten. Und dort sind Frauen stärker repräsentiert: In der Schweiz sind rund 60 Prozent der Beschäftigten dieser Branche Frauen.

Zudem sind Frauen zwischen 20 und 40 Jahren überdurchschnittlich stark betroffen. Das ist wenig verwunderlich, denn ohnehin trifft die derzeitige Krise auf dem Arbeitsmarkt junge Arbeitnehmer stärker. Die Arbeitslosigkeit bei jüngeren Menschen zwischen 20 und 34 Jahren liegt nun bei über 4 Prozent.

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Uhrenindustrie und Gastronomie trifft es hart

Weiter gibt es regionale Unterschiede: Eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit haben die Kantone Basel-Stadt (4 Prozent), Schaffhausen (3,7 Prozent), Tessin (3,9 Prozent), Waadt (4,9 Prozent), Wallis (4,4 Prozent), Neuenburg (4,7 Prozent), Genf (5,2 Prozent) und Jura (4,4 Prozent).

Erklären lässt sich das unter anderem durch den Cluster der Uhrenindustrie in der Westschweiz – jener Branche, die derzeit mit 6,8 Prozent die höchste Arbeitslosigkeit aufweist. Fast 1000 Menschen haben in diesem Bereich innerhalb eines Jahres ihren Job verloren – eine Verdopplung. In fast keinem anderen Wirtschaftszweig schnellte die Arbeitslosigkeit derart hoch. Einzige Ausnahme: Im Baugewerbe ist die Arbeitslosigkeit auch innerhalb eines Jahres um fast 80 Prozent auf 5,5 Prozent angestiegen. 

Eigentlich ist die Arbeitslosigkeit in der Industrie (4,4 Prozent) höher als im Dienstleistungssektor (3,6 Prozent). Allerdings gibt es auch im Servicebereich Problemzonen: Im Gastgewerbe hat sich die Zahl der Erwerbslosen in einem Jahr verdoppelt. Und die Folgen des Lockdowns sind noch nicht eingedämmt: Im Mai waren fast 19'000 Menschen aus Gastronomie und Hotellerie arbeitslos, die Arbeitslosenquote liegt nun bei 10 Prozent – mit Abstand die höchste auf dem gesamten Schweizer Arbeitsmarkt.

Arbeitgeber rechnen mit baldiger Erholung

Der Stellenabbau durch die Corona-Krise dürfte noch weiter andauern. Laut einer Befragung des Personalvermittlers Manpower rechnen 16 Prozent der Unternehmen in der Schweiz damit, dass sie auch im dritten Quartal Personal entlassen müssen. 9 Prozent der Firmen wollen hingegen wieder einstellen.

So trüb sind die Aussichten dennoch nicht: Mehr als die Hälfte der Befragten rechnet mit einer Erholung des Arbeitsmarkts noch in diesem Jahr. Auch der Leiter der Direktion für Arbeit des Seco, Boris Zürcher, hält die bisher prognostizierte Jahresarbeitslosenquote von 3,9 Prozent  für «zu pessimistisch». Denn die Wirtschaft werde schneller wieder in die Gänge kommen als ursprünglich angenommen und auch die Kurzarbeit nehme langsam wieder ab.

Laut Manpower dürften die meisten Jobs neben dem Gastgewerbe auch im Baugewerbe, der Finanz- und Unternehmensberatungsbranche, im Handel und der verarbeitenden Industrie gekürzt werden.