Die Krankheit, beschönigend Covid-19 genannt, die Hunderttausende von Menschen ihr Leben kostet und die Welt in eine tiefe Krise stürzt, nahm ihren Ursprung in Wuhan. Die präzise Ursache ist noch strittig. Klar aber ist bereits: Die kommunistische Diktatur von Präsident Xi Jinping hat verantwortungslos gehandelt.

Die Seuche grassierte in Wuhan mindestens seit Mitte November und wurde aus Prestigegründen vertuscht. Ärzte und Wissenschafter wurden mundtot gemacht, Journalisten verhaftet, Statistiken manipuliert und Ammenmärchen in die Welt gesetzt, wie dasjenige, amerikanische Soldaten hätten das Virus nach China gebracht. Erst am 31. Dezember informierte Peking die Weltgesundheitsorganisation WHO. Flüge aus Wuhan innerhalb Chinas wurden gestoppt, aber nicht solche nach Europa und Nordamerika – und damit wurde die Krankheit in die Welt getragen.

Die WHO, diese in Genf angesiedelte Spezialorganisation der UNO, bot in der Krise auch kein gutes Bild. Das demokratisch regierte und von Peking ständig bedrohte Taiwan hatte Genf früh vor der chinesischen Seuche gewarnt. Dieses Land, von Chinesen bewohnt, ist über die Vorgänge auf dem Festland so gut informiert wie kein anderes. In der WHO ist Taiwan nicht einmal mehr als Beobachter zugelassen, aber sein eigener Umgang mit der Epidemie war vorbildlich. Nur ganz wenige Menschen starben dort. Taiwans Warnungen aber wurden in Genf ignoriert.

Die WHO verbreitete dafür am 14. Januar die chinesische Falschmeldung, das Virus sei nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus, ehemaliger Aussenminister Äthiopiens, lobte am 23. Januar China für seine «Zusammenarbeit und Transparenz», um anschliessend zu Xi nach Peking zu pilgern. Als Präsident Trump am 31. Januar aus gutem Grund alle Flüge aus China untersagte, stimmte die WHO sogleich in den Chor der Kritiker ein. Einwände gegen seine Politik tat der Generaldirektor als «rassistisch» ab.

In der WHO sind gründliche Aufräumarbeiten notwendig

Es vergingen noch einmal sieben Wochen, bis die WHO am 11. März endlich zögernd einräumte, es gehe tatsächlich um eine weltweite Pandemie. Ob die Amerikaner, die 16-mal mehr an die WHO zahlen als China, mit der Suspendierung ihrer Beiträge das richtige Mittel wählen, bleibe dahingestellt. Es ist aber an der Zeit, in dieser Organisation gründlich aufzuräumen, die schon während der Ebola-Krise in Westafrika vor sechs Jahren kein gutes Bild bot.

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Fehler machten in dieser schwierigen Lage viele Staaten, aber es waren Fehler – und nicht vorsätzliche Verantwortungslosigkeit. Auch der Bundesrat ver­säumte es zum Beispiel, rechtzeitig die Grenzen zu schliessen, wie dies Tessiner Nationalräte für Italien ­gefordert hatten, die wohl besser Bescheid wussten über die Situation in der Lombardei als Beamte in Bern. Dort war zuerst offensichtlich das Bestreben, die EU ja nicht vor dem Kopf zu stossen, wichtiger als entschie­denes Handeln zum Schutz unseres Volkes.

Aber noch einmal: Fehler und falsche Prioritäten­setzung einerseits und das Vertuschen einer Gefahr für die ganze Welt aus reinem Prestigedenken anderseits sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

Der Autor David Vogelsanger war Schweizer Botschafter und während der Ebola-Krise in Westafrika.