Die Corona-Krise und internationale Reisebeschränkungen haben den Tourismus fast zum Erliegen gebracht. Viele Schweizer Hoteliers und Tourismusbetriebe haben in den vergangenen Jahren sehr stark auf Besucher aus dem Ausland gesetzt. Nun hoffen sie auf Schweizer Touristen, die in diesem Sommer vermehrt im eigenen Land ihre Ferien verbringen werden.

Doch laut den Experten der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (Kof) werden Inländer die fehlenden ausländischen Gäste nicht ersetzen können. Besonders gravierend wird das in den Städten: Städtische Betriebe müssten mit 50 Prozent weniger Logiernächten im Sommer rechnen. In den Bergregionen sieht es etwas besser aus: Doch auch dort dürften die Übernachtungen um 20 bis 30 Prozent einbrechen.

1,8 Milliarden Franken weniger Umsatz

Für das gesamte Jahr rechnen die Konjunkturexperten mit rund 14 Millionen weniger Logiernächten und einem Umsatzverlust von 1,8 Milliarden Franken. Daraus ergebe sich ein Wertschöpfungsverlust für die Hotellerie von mehr als 900 Millionen Franken. Bergauf dürfte es dann erst wieder nach 2021 gehen. 

Am stärksten litt die Tourismusbranche unter dem Lockdown der vergangenen Wochen: Im März brach die Zahl der Übernachtungen um rund 60 Prozent ein, im April lag die Auslastung der Hotels bei 10 Prozent. 

Mehr Schweizer Touristen in der Sommersaison

Nach den jüngsten Lockerungen des Bundesrats wird der Tourismus nun langsam wieder anlaufen. Grosse Hoffnungen setzen Hotels auf Schweizer Gäste – davon profitieren werden insbesondere Bergregionen und das Tessin. Das Kof rechnet mit 10 bis 15 Prozent mehr inländischen Touristen als im Vorjahr.

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Weniger rosig sind die Aussichten für die Städte: Im Sommer müssten sie mit 20 Prozent weniger Logiernächten aus dem Inland rechnen. Daher werde die «inländische Nachfrage wird den Ausfall der Auslandsnachfrage im Sommer bei Weitem nicht kompensieren können».

Zwar dürften wieder mehr europäische Gäste in die Schweiz reisen, wenn die Grenzen ab Mitte Juni wieder geöffnet werden. Allerdings profitierten die Touristiker in den vergangenen Jahren sehr stark von Touristen aus Übersee – insbesondere Asien.

Preise in Restaurants werden steigen

In diesem Jahr können sich Schweizer Touristen noch auf niedrigere Preise für Hotelübernachtungen freuen. Im Gastgewerbe hingegen sei mit höheren Preise zu rechnen, denn Gastwirte werden versuchen, die geringe Auslastung zu kompensieren. Ebenso dürften auch die Bergbahnen ihre Preise kräftig erhöhen.

(mlo)

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