In der Schweiz ist die Kurzarbeit seit Ausbruch der Corona-Pandemie in Rekordhöhen gestiegen. Im April waren über eine Million Menschen in Kurzarbeit – damit ist praktisch jeder vierte Beschäftigte betroffen. Rund 130'000 Firmen schickten ihren Mitarbeitende in Kurzarbeit.

In schwindelerregende Höhen schnellte die Zahl der ausgefallenen Arbeitsstunden: mehr als 90 Millionen – das ist beispiellos. Zum Vergleich: nach der Finanzkrise waren es 5 Millionen gewesen.

Damit ist die Schweiz kein Einzelfall, viele Ländern reagieren mit ähnlichen Massnahmen auf die Krise, um Arbeitsplätze. Laut einem OECD-Bericht sind neben der SchweizNeuseeland, Frankreich und Italien führend bei dieser Art der Unterstützung.

Massenarbeitslosigkeit verhindert

Sie federe Massenarbeitslosigkeit ab und trage zur Erholung der Wirtschaft bei. Das ist auch notwendig: In allen 37 OECD-Ländern werde die Arbeitslosigkeit bis Ende des Jahres über 9 Prozent erreichen, ein Niveau, das weit über dem der Finanzkrise von 2008 liegt – sollte es zu weiteren Infektionswellen kommen, wären die Folgen auf dem Arbeitsmarkt wohl noch schlimmer.

OECD-Prognose

OECD Employment Outlook 2020. Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Paris. Juli, 2020. 

Bislang stieg die Arbeitslosenquote in der OECD auf über 8 Prozent. In der Schweiz sank sie zuletzt – im Juni — leicht auf 3,2 Prozent. Aufgrund der unterschiedlichen statistischen Erhebung in der Schweiz und international sind diese Zahlen jedoch nur bedingt vergleichbar. 

Die Organisation stellt fest, dass junge Arbeitnehmer, Frauen und Geringqualifizierte am stärksten von steigender Arbeitslosigkeit betroffen sind. Dieses Phänomen deckt sich übrigens mit der Situation in der Schweiz, wo vor allem Junge und Frauen besonders betroffen sind. Überdurchschnittlich stark sind hierzulande Arbeitnehmer mit niedriger Qualifikation betroffen: Die Arbeitslosenquote stieg im Juni auf 9,6 Prozent.

Kurzarbeit abbauen

Gleichzeitig rät die OECD, die Programme zur Erhaltung von Arbeitsplätzen wie das Kurzarbeitergeld langsam wieder zurückzufahren, um die Krise auf dem Arbeitsmarkt nicht künstlich zu verlängern. Der Grund: Der Arbeitsmarkt solle sich an die neue Lage der Weltwirtschaft anpassen können. 

Hierzulande hat der Bundesrat jüngst die Höchstbezugsdauer des Kurzarbeitergelds von zwölf auf achtzehn Monate verlängert: Firmen können länger als geplant Kurzarbeitsentschädigung beantragen. Damit will die Regierung einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit entgegenwirken. Auch der Erwerbsersatz für Selbständigerwerbende wird bis Mitte September verlängert.

Dass mit dem Schlimmsten noch gerechnet wird, zeigt, dass sich die RAV derzeit auf eine regelrechte Entlassungswelle vorbereiten, indem sie ihr eigenes Personal aufstocken. 

Die Ämter stellen sich auf die grosse Entlassungswelle ein

Die Arbeitslosigkeit steigt wegen der Corona-Krise an – das Gröbste steht jetzt bevor. Die RAVs stocken für die anrollende Welle ihr Personal auf. Mehr dazu hier

Mehr Mobilität

Wie sollten Regierungen auf die steigende Arbeitslosigkeit reagieren? Nach Ansicht der OECD werden viele Arbeitnehmer mit den staatlichen Unterstützungsmassnahmen künstlich in Jobs bzw. Branchen gehalten, die ohnehin einem Strukturwandel unterliegen. Stattdessen sollten mehr Arbeitnehmer in andere Jobs und Branchen wechseln können. Der Staat sollte sie stärker dabei unterstützen.

Zudem schlägt die Industriestaaten-Organisation vor, dass Unternehmen, die nach Ende des Lockdowns, wieder tätig sind, sich an den Kosten für Kurzarbeit und andere Unterstützungsmassnahmen beteiligen. Die staatliche Hilfe sollte jenen Unternehmen zugute kommen, die immer noch unter der Krise leiden.

Neben der verringerten Kurzarbeit sollte mehr Geld dafür bereitgestellt werden, Menschen wieder zurück in Jobs zu bringen und Neueinstellungen zu fördern, unter anderem durch gezielte Berufsberatung, Ausbildungen und finanzielle Anreize zur Einstellung junger Arbeitnehmer.