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Jens Alder, Verwaltungsrat-Praesident von Alpiq, portraitiert nach der General Versammlung von Alpiq in Trimbach am 18. Mai 2017.(KEYSTONE/Gaetan Bally)
Quelle: Keystone

PersonJens Alder

Der Ärger kam schnell, und er kam heftig: Ende April wurde Jens Alder bei der kriselnden Stahlschmiede Schmolz + Bickenbach (S+B) als Verwaltungsratspräsident gekürt; sechs Monate später verlangte der russische Grossaktionär Liwet Holding bereits wieder seine Abwahl. Alders Pech: Er wurde in den Machtkampf zwischen dem Umfeld des Oligarchen Viktor Vekselberg einerseits und dem Amag-Besitzer Martin Haefner andererseits hineingezogen; ein potenzieller Kollateralschaden quasi. Dass Alder noch im Amt ist, verdankt er der Tatsache, dass sich die beiden Grossaktionäre in letzter Sekunde vor dem Showdown noch einig wurden, wie der Konzern zu retten sei und, vor allem, wer dort in Zukunft das Sagen hat.

Dass der 62-Jährige sich überhaupt bei S+B engagierte, hatte heftige Kritik hervorgerufen, hatte er doch nur fünf Monate vorher beim Elektrizitätskonzern Alpiq das verpönte Doppelmandat als CEO und VR-Präsident angenommen. Seine Antwort auf die Frage, wie er die verschiedenen Aufgaben unter einen Hut bringen und die damit verbundene Arbeitsbelastung schultern wolle, erntete weitherum Kopfschütteln: Er habe trotz Doppelmandat bei Alpiq nur einen Teilzeitvertrag. Von einem «Reputationsrisiko» schrieben die Medien.

Immerhin, die Situation wird sich entschärfen: Der rhetorisch brillante und dennoch notorisch medienscheue Alder gibt den CEO-Posten zum 1. Januar wieder ab. Die Konsolidierungsphase bei Alpiq sei abgeschlossen, lässt er verlauten. Bei S+B freilich steht die Knochenarbeit noch bevor: Das neu eingeschossene Kapital muss Alder strategisch richtig nutzen, um den vom Markt gebeutelten Stahlhersteller aus seiner existenziellen Krise zu führen.

Daneben sitzt Jens Alder seit Sommer 2018 im Verwaltungsrat des Kleinunternehmens Scope Content, das Software und Inhalte für Websites und Social Media produziert. Das ist dann schon bedeutend näher an jenem Job, mit dem der dänisch-schweizerische Doppelbürger in der Schweiz einst bekannt geworden ist: Ab 1999 leitete er die Swisscom. Als ihm Bundesrat Christoph Blocher die Übernahme der irischen Eircom untersagte, warf er 2006 hin und amtete zwei Jahre als CEO des grössten dänischen Telcos, TDC, damals mit der Tochter Sunrise der wichtigste Konkurrent der Swisscom in der Schweiz.

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