Marius Nacht ist scheu wie ein Reh. Kaum wittert der Milliardär Inte­resse an seiner Person, ist er schon wieder unerreichbar, muss los zum nächsten Projekt.

Solche hat der Grossinvestor aus Israel Dutzende, seine Investitionen halten die Schweizer Geschäftswelt auf Trab: Was bezweckt er mit einer dreistelligen Mil­lioneninvestition in eine Genom-Firma in der Westschweiz? Weshalb stieg Nacht in ein Zürcher Fintech ein? Und was hat er mit seinen Firmen am Finanzplatz Schweiz vor? Die Antworten finden sich in seiner Biografie, in seinem Umfeld und bei seinen Projekten.

Von Cyber zu Health

Nacht nahm als Rekrut am Forschungsprogramm Talpiot der israelischen Armee teil, erwarb währenddessen einen Uni-Abschluss in Mathematik und Physik sowie später als Elektrotechniker. Das war die Basis für die Gründung der Firma Check Point, eine der mächtigsten Cybersicherheitsfirmen.

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Der Risikoinvestor gehörte bereits in den 1990er Jahren zu den Cybertech-Pionieren und zu den Erfindern der kommerziellen Firewall für die Unternehmenswelt. Sogar eine Banklizenz für eine Digitalbank hat er erhalten. Es war die erste, die in Israel seit den 1970er Jahren vergeben wurde.

Marius Nacht

Marius Nacht.

Quelle: ZVG

Eine tödliche Krebserkrankung seines Vaters liess ihn seine Geschäftsambitionen überdenken und führte ihn in den Healthtech-Sektor. Von nun an wollte er die Welt ein Stück weit gesünder machen und verzweifelten Patienten helfen.

Seine Vision nach den Erfahrungen mit seinem schwerkranken Vater: eine Kombination aus Biologie, künstlicher Intelligenz und Big Data unter einem Dach. Die Idee des Healthtech-Fonds Amoon war geboren und wuchs in einem Vorort von Tel Aviv zu einem der grössten Gesundheitsfonds der Welt an.

Das Portfolio von Amoon

Das Geld dafür stammt aus dem Verkauf seines Mehrheitsanteils an Check Point. So kam er 2016 zu einem Batzen Geld von gut 800 Millionen Dollar. Sein Ver­mögen heute wird auf knapp 3 Milliarden Dollar geschätzt.

Im Portfolio von Amoon befinden sich mittlerweile 33 Firmen, ein Drittel davon forscht im Zusammenhang mit Covid-19. Die jüngste Firma im Portfolio ist die Beteiligung an Sophia Genetics mit Sitz in Lausanne und Boston, Nachts bislang grösstes Investment in der Schweiz.

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Sophia Genetics, 2011 noch ein Startup der EPFL, gehört mittlerweile zu den weltgrössten Verarbeitern von Gen-Analysen und arbeitet mit Spitälern rund um den Globus zusammen. Die jüngste und bislang grösste Finanzierungsrunde für Sophia betrug 110 Millionen Dollar.

Check Point im Gesundheitsbereich

Neben Investor Nacht sind ebenfalls mit an Bord die Banken Credit Suisse und Pictet, Swisscom, die Genfer Endeavour Vision und die Generation Investment Management unter Aufsicht des ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore.

Nacht möchte mit Amoon seine Erfolgsstory fortsetzen; nichts Geringeres als «ein zweites Check Point im Gesundheitsbereich» hat er im Sinn. Aber mit einem längeren Atem: «Wir wollen nicht den grossen Ausverkauf, sondern ein finan­zielles Ökosystem für Unternehmen des Gesundheitswesens schaffen.» Ganz klar, diesmal geht es um die lange Frist.

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Wobei Sophia Genetics längst nicht mehr sein einziges Engagement in der Schweiz ist. Amoon unterhält eine Kooperation mit Roche über das Starfinder Digital Innovation Lab. Die Zusammenarbeit ist auf die nächsten drei Jahre ausgelegt. Die Investments von Amoon sind so vielversprechend, dass die Credit Suisse seit 2018 Kundengelder in der Höhe von 250 Millionen Franken in den Fonds steckt.

Rückkehr zu den Wurzeln

Im selben Jahr stieg Nacht mit mehreren Millionen auch beim Zürcher Fintech Numbrs ein, einer Finanzsoftwarefirma des in Wien geborenen Schweizer Geschäftsmanns Martin Saidler.

Zu dessen prominenten Gründungsinvestoren gehören Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Ex-UBS-Chef Marcel Ospel und Bankier Pierre Mirabaud. Das Fintech verfügt über ein Investitionskapital von 200 Millionen Euro und gehört mit einer Bewertung von über 1 Milliarde Euro zu den wertvollsten Fintechs Europas.

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Was seine Beteiligung an der Firma GK8 betrifft, befindet sich Nacht aktuell in Verhandlungen mit grossen Banken und Finanzinstituten in der Schweiz, die er noch in diesem Jahr unter Dach und Fach bringen will. GK8 hat eine kryptografische Methode bei Blockchain-Transaktionen für Finanzinstitute und Hedgefonds entwickelt, die mit Kryptowährungen handeln.

So ganz lassen kann Nacht das Cyberthema dann eben doch nicht. Dort schliesslich liegen seine Wurzeln.

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