Frau Huber-Schütz, Sie leiten das Programm «Women’s Wealth» der UBS. Worum geht es dabei?
Sandra Huber-Schütz: Es geht darum, Frauen bei der Vermögensverwaltung zu begleiten und sie zu ermutigen, die langfristigen finanziellen Themen, die sich ihnen stellen, an die Hand zu ­nehmen. Zudem gibt es die Women’s ­Wealth Academy, eine digitale Plattform, über die Frauen Informationen zu Finanzthemen bekommen können. Wir führen in diesem Rahmen auch regelmässig Seminare durch.

Warum hat die UBS ein spezielles ­Angebot für Frauen?
Wir hören von Frauen oft, dass sie sich nicht so gerne mit langfristigen Finanzthemen auseinandersetzen. Viele Frauen delegieren das an ihren Partner und haben das Gefühl, zu wenig davon zu verstehen. Für uns ist es aber wichtig, dass sich die Frauen mit ihren Finanzangelegenheiten befassen.

Warum?
Frauen können schnell in die Situation kommen, dass sie sich selber mit ihren Finanzen befassen müssen. Das ist etwa nach einer Scheidung der Fall. Auch werden Frauen im Schnitt älter als Männer, darum verwitwen viele. Viele Frauen, die den Partner verloren haben, ­sagen, sie wären froh, hätten sie sich früher mit ihren Finanzen beschäftigt.
 

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Welche Erfahrungen haben Sie mit «Women’s Wealth» gemacht?
Wir sind jetzt im dritten Jahr. Es kommt sehr gut an, gerade auch die Academy. Die Events, die wir durchführten, waren stets gut besucht.

Wie unterscheiden sich Frauen und Männer beim Investieren?
Mir fällt auf, dass viele Frauen die Finanzen vor allem als Quelle von Sicherheit erachten. Die Möglichkeit, Gewinne zu erzielen, steht für sie weniger im Vordergrund. Frauen investieren darum defensiver als Männer.

Zudem gibt es bei Frauen eine grosse Nachfrage nach nachhaltigen Finanzanlagen, noch stärker als allgemein. Frauen fragen sich mehr als Männer, was sie mit ihrem Vermögen Positives bewirken können.

Wenn Frauen defensiver investieren, erzielen sie dann eine schlechtere Rendite?
Das kann man so nicht sagen, da noch andere Faktoren die Rendite bestimmen – etwa, wie lange man investiert bleibt. Man kann aber sagen, dass viele Frauen ihre Rendite optimieren könnten, wenn sie bei der Finanzanlage mehr Risiken eingehen würden.

Fakten zum Thema

28 Prozent der Frauen bezeichnen sich gemäss einer Umfrage von Axa Deutschland als völlig ratlos punkto Vermögensaufbau.

18 Prozent der Frauen sind laut einer Studie von J.P. Morgan am Kapitalmarkt investiert. Bei den Männern sind es 30 Prozent.

1,8 Prozent Um so viel liegt die jährliche Rendite von britischen Frauen über der von Männern (laut Warwick Business School).

3 Jahre schon gibt es das Programm «Women’s Wealth» der UBS, das sich an Frauen mit Investitionsabsichten wendet.

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Das wäre oft von Vorteil, denn viele Frauen haben Lücken in der ersten und zweiten Säule, weil sie Teilzeit gearbeitet oder Babypausen eingelegt haben.

Stimmt es, dass Frauen mögliche Investments eingehender prüfen als Männer?
Durchaus. Frauen verlangen nach vielen Informationen; das zeigt sich auch bei der Women’s Wealth Academy. Frauen wollen genau verstehen, was sie tun.

Wollen Frauen von Frauen beraten werden?
Das ist weniger der Fall. Wichtig ist, dass Kundinnen eine Beraterin oder einen Berater haben, der oder dem sie vertrauen. Die Chemie muss stimmen.

Wie holt man Frauen in einer Anlageberatung am besten ab?
Da unterscheiden sich Frauen und Männer eigentlich nicht. Man muss die gegenwärtige Situation anschauen und den künftigen Finanzbedarf abklären. Daraus sollte ein Anlageplan entstehen. Am Ende wählt man eine Strategie je nach Laufzeit und Anlagelösung.

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Sandra Huber-Schütz ist Mitglied des Management Committee Vermögensverwaltung Schweiz der UBS.

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