Google ist ein besonderes Unternehmen. Nicht nur aufgrund seiner schieren Grösse, auch wegen seiner Unternehmenskultur. Es sind wohl wenige Grossraumbüros in den vergangenen zehn Jahren entstanden, die nicht vom Google-Style geprägt sind (bunt, lässig, mit Spielecke für die Angestellten). Auch wenn der Drang zur Hipster-Kultur selten so weit geht, Gratis-Verpflegung anzubieten wie Google es tut.

Legendär beim Internet-Giganten sind sowohl die Auswahlverfahren als auch die Löhne. Wer es zu Google schafft, hat es geschafft – ist Teil der Tech-Elite.

Doch gerade das Selbstverständnis von Google, mehr zu sein als ein Konzern, zieht seit Jahren Unruhen von Seiten der Angestellten nach sich. Das letzte Kapitel: Google-Mitarbeitende in den USA haben eine Gewerkschaft gegründet.

Personalvertretung gewählt

Zürich ist mit mehr als 4000 Mitarbeitern der wichtigste Forschungs- und Entwicklungsstandort des Konzerns ausserhalb der USA. Und auch an der Limmat ringen Angestellte und Management um die richtige Form der Zusammenarbeit. Um die Stimmen der Mitarbeitenden zu repräsentieren, wurde im Sommer eine Personalvertretung gewählt, mit Unterstützung der Gewerkschaft Syndicom. Ein halbes Jahr später hält Syndicom-Vertreterin Miriam Berger fest: «Die Konsultation des Personals wird hin und wieder auf das absolute Minimum gedrückt. Ein grosszügigerer Einbezug wäre zweckdienlich.»

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So ist auch in der Schweiz die Debatte um mehr Transparenz nicht beseitigt. Berger bestätigt, dass Google-Mitarbeitende keinen klassischen Arbeiterkampf führen. «Materiell, was beispielsweise den Lohn angeht, sind viele Googler gut versorgt, die Anliegen sind oftmals ethischer Natur und gründen auf dem Bedürfnis nach mehr Mitbestimmung und Transparenz.» Google Schweiz will sich dazu nicht äussern.

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«Google-Mitarbeitende in Zürich wollen Mitbestimmung. Sie wollen die Demokratisierung der Arbeitswelt und diese auch mitgestalten.» Was sie nicht wollen, sind zum Beispiel die umstrittenen Projekte Maven und Dragonfly.

Die Gewerkschaftsgründer in den USA machen sich allerdings nicht nur für Google-Angestellte stark, sie kämpfen auch für faire Bezahlung von temporären Mitarbeitenden oder Beschäftigten bei Sub-Firmen. Das sei auch in Zürich ein Thema, sagt Berger – allerdings sässen die temporär Beschäftigten meist in Spanien oder in Polen, damit sei die Solidarisierung erschwert. Berger hält fest: «Es geht nicht nur darum, dass die Temporären die gleichen Bedingungen haben, sondern dass mehr Mitarbeitende fest angestellt werden.»