Landauf, landab äussern sich Wirtschafts­leute zu Corona. Sie sollten es nicht tun, denn viele von ihnen verbreiten Unsinn. Hier ist die Liste:

♦ Früh twitterte ein Zürcher FDP-Nationalrat und Banker, ein homöopathisches Mittel helfe, die Infektion abzuschwächen. Medizinisch ist die Aussage Schwachsinn, ökonomisch doppelzüngig. Während er für die ­eigene Klientel Solidaritäten in der Finanzkrise for­derte, soll es für die Bevölkerung Unwirksames geben.

♦ ETH-Wirtschaftsprofessoren forderten Hilfsspritzen für die Wirtschaft von 100 Milliarden Franken, bevor klar ist, wie viele der 40 Milliarden Franken vom Hilfsprogramm des Bundesrates benötigt werden. Kein Wunder, sie sitzen selbst auf staatsfinanzierten Stellen. Zahlen müssen andere. Innovation sieht anders aus.

♦ Wirtschaftsprofessoren wie Thomas Straubhaar oder Reiner Eichenberger wollen die Bevölkerung separieren und eine geregelte Corona-Ansteckung provozieren. Dabei kommt die typische Wenn-dann-Annahme-Welt der Ökonomen zur Geltung. Nur stimmt das Wenn nicht. Leute zwischen 50 und 65 Jahren weisen auch schwerere Verläufe auf.

Wer argumentiert, dass eine ­Genesung dort wahrscheinlicher ist, verkennt, dass Pa­tienten nach längeren Intensivstationsaufenthalten und Beatmungen Folgeschäden und die Volkswirtschaft ökonomische Langzeitkosten erleiden können.

Die Idee «Wer die Infektion nachweislich hinter sich hat, bekommt einen Corona-Freipass» (Eichenberger) ist so lange als High-Risk-Strategie zu bezeichnen, als nicht klar ist, ob überhaupt eine Langzeitimmunität besteht.

♦ Viele Ökonomen haben die Vorteile der interna­tionalen Arbeitsteilung gelobt. Dies hinderte deren Vertreter in der Pharma nicht daran, in der Schweiz höhere Medikamentenpreise mit dem Argument zu fordern, die Produktionskosten in der Schweiz seien höher.

Nun stellt sich heraus, dass vor allem in China produziert wird. Diese Firmen sind zur Kasse zu bitten, zum Beispiel über Produktionsverpflichtungen in der Schweiz.

Anzeige

♦ Selbst wirtschaftsfreundliche Medien suggerieren, dass sich in Ländern wie Spanien die Teilprivatisierung des Gesundheitswesens räche und zu viele Privat­­kliniken schuld an der Misere sein. Ursache ist aber die Unterfinanzierung.

Privatversicherungen schliessen – wie in der Schweiz – Leistungen bei Pandemien aus. Nach der Finanzkrise wurde das Gesundheitssystem auf Druck von Deutschland und den Niederlanden kaputtgespart. Deren Staatschefs wollen Spanien (und Italien) erneut die notwendige Hilfe untersagen.

Ihre Argumentation verkennt, dass wir es mit einer schnell entstan­denen Gesundheitskrise zu tun haben, die schnelles Handeln erfordert: Sars brauchte zwei Monate, um aus China zu entkommen, Covid-19 zwei Wochen. Was machen wir, wenn das nächste Virus in zwei Tagen da ist?

► Was bleibt? Wir sollten die Leute darauf einstellen, dass wir bis zum Erreichen einer wirksamen Therapie und Impfung On- und Off-Situationen fahren müssen.

Heben wir Massnahmen zu früh auf, besteht das Risiko, dass wir eine zweite, heftigere Welle erleben. Dann wären viele Menschen nicht – wie John M. Keynes betonte – in der langen, sondern schon in der kurzen Frist tot.

Willy Oggier ist seit mehr als 20 Jahren als selbstständiger Berater tätig und führt die Gesundheitökonomische Beratungen AG in Küsnacht.