Sie beraten Firmen im Umgang mit der Generation Z, also jener Generation, die ab 1995 geboren ist. Wie hat die Jugend die Corona-Krise bislang überstanden?
Yaël Meier: Für meine Generation ist Selbstverständliches – reisen, Party machen, Freunde treffen – nicht mehr möglich. Das ist ein tiefer Einschnitt. Zudem ist der Jobeinstieg derzeit schwierig.

 

 

Young Generation

Yaël Meier (20) ist Co-Founder von der Beratungsagentur Zeam. Die Journalistin, Podcasterin und Produzentin arbeitet von 2017 bis 2020 bei Ringier, dazwischen auch als Produktionsassistentin bei SRF.

Während ihrer Zeit als Gymnasiastin stand Meier als Schauspielerin vor der Kamera, unter anderem bei den Filmen «Upload», «Blue my Mind» oder «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei». 

 

Die «Gen Z» wurde als hyperindividua­listisch beschrieben. Gleichzeitig hat man sich brav an die Covid-19-Vorgaben der Behörden gehalten. Kein Widerspruch?
Die Gen Z ist zwar individualistisch, denkt und handelt aber im Interesse des grossen Ganzen. Das sieht man an den vielen Jungen, die auf die Strasse gehen, um Entscheidungsträger der Wirtschaft und Politik dazu zu bringen, das Klima aktiver zu schützen. Sie verzichten auf Fleisch, reisen mit dem Zug und kaufen Secondhandkleider. Ebenso steht der Schutz der Bevölkerung für ­viele Junge über den Eigeninteressen. Als brav würde ich das nicht bezeichnen.

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Gleichwohl stecken sie sich an Partys an.
Zum Glück nur wenige, selber kenne ich niemanden. Freunde von mir, die nicht aufs Nachtleben verzichten wollen, halten sich strikt an die Schutzvorschriften.

«Egal, ob Generation Z, Millennials oder Boomers – wir müssen da durch und neue Wege finden.»

Die erste Krise, die Ihre Generation erlebt, ist Auslöser einer weltweiten Rezession. Beunruhigt, verunsichert?
Natürlich ist es beängstigend, was auf der Welt passiert – besonders, weil man nicht weiss, wie sich die Lage weiterentwickelt. Verunsichern lasse ich mich aber nicht. Viel wichtiger ist es, Chancen in den Veränderungen zu sehen.

Die Millennials – geboren zwischen 1981 und 1995 – haben bereits die Finanzkrise erlebt, die zu Job- und Wohlstandsver­lusten führten. Corona ist ihr zweiter ­Rückschlag. Ihre Generation ist noch nicht ­derart krisenerprobt.
Das ist so. Aber jede Krise ist anders, ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft und die am stärksten betroffenen Personen. Auch mein Vater sagt, er habe eine Krise wie diese noch nie erlebt. Egal, ob Generation Z, Millennials oder Boomers – wir müssen da durch und neue Wege finden.

Yael Meier

«Linkedin finde ich cool, man kann rasch grosse Reichweiten aufbauen.»

Quelle: Anne Gabriel-Juergens

Der Staat hilft Betrieben mit Milliarden. Die Folgen werden gigantische Löcher in der Staatskasse sein. Diese Milliardenschulden müssen von den nächsten Generationen abgebaut werden. Keine Befürchtungen?
Die in der Corona-Krise eingesetzten Gelder waren notwendig. Finanzminister Ueli Maurer hat gesagt, die Corona-Schulden sollten innert 25 Jahren abgebaut sein. Hoffen wir, dass es zügiger geht. Aber noch grössere Befürchtungen bereitet mir eine andere ungeklärte Frage, die schon lange im Raum steht und ungelöst ist, und zwar unsere AHV. Da rollen gewaltige Kosten an, die von der nächsten Generation getragen werden müssen.

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Das bestätigt das Sorgenbarometer der Credit Suisse, wo die Finanzierung der ­Altersvorsorge bei den 16- bis 25-Jährigen ganz weit oben steht.
Es ist eine Frage, die die Jungen am stärksten betrifft und schnell nach einer Lösung verlangt. Allerdings wird über eine nachhaltige Lösung seit über einem Jahrzehnt debattiert – leider ohne Antwort.

In der Corona-Krise senken viele Firmen ihre Fixkosten. Das mindert die Jobaussichten der Gen Z. Gerade unter den Jungen steigt die Arbeitslosigkeit.
Viele meiner Freunde bekommen das zurzeit zu spüren. Praktika werden abgesagt, die relevant für den Berufseinstieg ge­wesen wären, andere haben gerade das Studium beendet und finden keine Stelle. Da bei Jungen viel Potenzial vorhanden ist, hoffe ich, dass die Stimmung bald dreht. Immerhin trifft Corona nicht alle Branchen gleich stark.

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Die Generation Z

Beratung

Zeam ist eine junge Beratungsagentur für neues Denken. Sie will Firmen anleiten, um das Potenzial der Generation Z zu erkennen und zu nutzen. Vertreter dieser Generation sind zwischen 1995 und 2015 geboren.

21. Jahrhundert

Der «Gen Z» folgt die «Gen Alpha»; sie ist die erste Generation, die im 21. Jahrhundert geboren wurde oder wird (zwischen 2001 und 2025).

Sie sind Jungunternehmerin. Wie haben Sie die Corona-Krise erlebt?
Wir haben unsere Firma diesen Februar ­gegründet. Mittlerweile gibt es unsere Beratungsfirma Zeam nun schon länger mit Corona als ohne. Das hat auch Vorteile. Wir steckten zu Beginn der Krise noch stark im Gründermodus und konnten uns entsprechend gut anpassen. Fixausgaben hatten wir wenige – und die bestehenden konnten schnell heruntergefahren werden. Zudem gab uns die Entschleunigung die Möglichkeit, unser Angebot zu schärfen und Strukturen zu stärken. Die Krise hat zwar zu ­Auftragsstopps geführt, die Firma aber auf eine klarere Linie gebracht, was im ­Nachhinein sehr wertvoll war. Es hat uns Nerven gekostet, doch vielleicht auch das Lehrgeld reduziert.

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Sie wollen mit Ihrer Firma die Gen Z auf die Agenda setzen. Wie?
Die Gen Z ist mit 1,4 Millionen Leuten eine grosse Generation und ergo für die Wirtschaft extrem relevant. Sie sind die Berufseinsteiger von heute und die Kunden von morgen. Mit Zeam helfen wir ­Unternehmen, das Potenzial der Gen Z zu erkennen und zu nutzen. Dies tun wir, indem wir Firmen aufzeigen, wie man Junge erreicht und begeistert.

Konkret?
Zeam ist ein Hybrid aus Marketingagentur und Unternehmensberatung. Am 20. August lancieren wir ein Angebot, bei dem wir junge Gesichter als Markenbotschafter für Unternehmen aufbauen. Aktuell sehen wir grosses Potenzial auf Tiktok und bieten da ein neuartiges Rundumpaket mit Picstars an, der grössten Influencer-Marketing­agentur der Schweiz.

«Junge Kundinnen und Kunden haben den längsten Lifetime Value, wie das so schön heisst.»

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Sie wollen Digital Immigrants beibringen, wie man mit 18-Jährigen kommuniziert?
Nicht nur. Wir helfen Unternehmen, eine junge Zielgruppe zu erreichen – sowohl als Kunden wie auch als Mitarbeitende. Dies tun wir in einer beratenden Funktion, entwickeln in gemeinsamen Workshops Strategien und bringen junges Denken in interne Projekte.

Sind jetzt sind nicht Experten für Supply Chain und Kostenoptimierer gefragt?
Akut vielleicht schon, aber in die Zukunft zu investieren, lohnt sich immer. Die Krise wird irgendwann vorbei sein, Unternehmen wollen junge Talente für sich gewinnen. Und junge Kundinnen und Kunden haben den längsten Lifetime Value, wie das so schön heisst. Wer früh darauf setzt, hat einen Vorteil.

Flexibles Arbeiten im Kampf um Talente

Remote Work und flexibles Arbeiten ist nicht nur für Mitarbeiter attraktiv. Für Firmen geht es darum, im Wettbewerb um Talente zu bestehen.

 

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Wie bringen Sie Firmen dazu, den Lifetime Value der Jungen zu erkennen?
Dass junge Konsumentinnen und Konsumenten eine wichtige Zielgruppe sind, müssen wir Unternehmen nicht erklären. Jedoch brauchen sie Unterstützung dabei, diese für sich zu gewinnen. Ein Beispiel: In einem Projektteam ist die jüngste Person meistens um die dreissig Jahre alt. Das ist zwar nicht alt, aber eben auch nicht mehr ganz jung. Wenn ein Projekt darauf abzielt, jüngere Menschen anzusprechen, ist es nur vernünftig, auch Leute dieser Zielgruppe an Bord zu haben. Ohne sie geht viel Potenzial verloren. Sie verstehen die Werte, die Trends und das Verhalten der Zielgruppe.

Sie füllen das Defizit?
Wir haben ein Netzwerk aus herausragenden jungen Leuten. Sie alle haben schon etwas erreicht, weil sie zum Beispiel grosse Communitys in der Zielgruppe aufgebaut oder ihre eigene Firma gegründet und entwickelt haben. Diese Leute sind nicht bei uns angestellt, aber wir können je nach Thema auf sie zurückgreifen. Somit können wir Unternehmen in verschiedensten Branchen unterstützen.

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Wie?
Oft geht es darum, wie man Produkte für die Generation Z entwickelt und wie man sie erreicht. Es geht auch um Recruiting und darum, wie junge Talente gehalten werden können. Viele davon wollen nicht in festen Strukturen arbeiten, die man seit Jahren nicht mehr hinterfragt hat, nur weil sie bis anhin funktioniert haben.

«Vielleicht helfen auch mal Insta­gram, Tiktok, Twitch»

Ist es mit diesem Wunschprogramm bei steigender Arbeitslosigkeit nicht fürs Erste vorbei?
Das Ziel, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, der weiss, wie er oder sie das Potenzial seiner jungen Mitarbeitenden ausschöpfen und sie bestenfalls lange bei sich halten kann, streben die meisten Unternehmen an. Jedenfalls ist das meine Erfahrung.

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Wie gewinnen Sie Ihre Kunden?
Wir gehen stark über Linkedin. Von dort erhalten wir viele Anfragen aus den unterschiedlichsten Welten, von der Gesundheitsbranche über die Bauindustrie bis hin zu Hightech.

Baubranche?
Ja, auch hier geht es oft darum, Lehrlinge oder andere Talente zu rekrutieren. Es ist überall ein Gerangel um die besten Schulabgängerinnen und -abgänger im Gang. Es kann durchaus nützlich sein, mit Inseraten oder mit einem Stand an der Universität oder der ETH auf offene Stellen hinzu­weisen, aber vielleicht helfen auch mal Insta­gram, Tiktok, Twitch oder ein anderer Kanal, wo Junge sich austauschen.

Yael Meier

Yaël Meier (Mitte) mit den Redaktoren Isabel Steinhoff und Stefan Barmettler.

Quelle: Anne Gabriel-Juergens
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Welchen Fehler machen Firmen bei der Rekrutierung?
Viele Unternehmen ziehen ihr Wissen über junge Zielgruppen aus irgendwelchen Reports. Oder sie stützen sich auf eigene Annahmen, statt direkt mit jungen Leuten zu reden. Daraus entsteht ein statisches Bild einer sehr dynamischen Generation. So ist man als Unternehmen nicht kompetitiv.

Wie tief gehen Sie bei Ihrer Analyse?
Wir sind kein traditionelles Consulting-­Unternehmen, das am Schluss für viel Geld einen Report darüber abgibt, wie man die Kosten um 5 Prozent senken kann. Wir erklären auch nicht, wie man die Generation Z erreichen kann, sondern helfen konkret mit, das Ziel zu erreichen. Wir arbeiten also interaktiv und geben immer wieder Feedback und Input. Darüber hi­naus bieten wir Workshops, an denen wir von unseren Erfahrungen berichten.

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Welche Unternehmen müssen auf diese Weise wachgerüttelt werden?
Eigentlich fast alle (lacht).

«Es ist schon so, dass viele Unternehmen erschreckend weit davon entfernt scheinen.»

Die Firmen machen einen miserablen Job beim Ansprechen von unter 25-Jährigen?
Die Lebenswelten von Jungen haben sich in den letzten Jahren stark verändert – und es ist schon so, dass viele Unternehmen erschreckend weit davon entfernt scheinen. Dafür gibt es jetzt umso mehr Chancen, es richtig zu machen.

Ihr Stundenansatz?
Projektbezogen. Wir wollen nicht, das spannende Projekte am Preis scheitern, aber wir sind auch nicht billig, nur weil wir jung sind.

Haben Sie bereits Angestellte?
Jo Dietrich, mein Mitgründer, und ich ­rekrutieren laufend Projektmanager und Content Creators, die auf Projektbasis für uns arbeiten. Ab September unterstützt uns die erste festangestellte Mitarbeiterin. Hinzu kommt unsere Eventreihe Ztalks, in deren Rahmen wir bereits einen ersten Event durchführen konnten.

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Die Konkurrenz in der Gen-Z-Beratung ist gross. Wie setzen Sie sich durch?
Natürlich gibt es andere Gen-Z-Agen­turen. Aber unser Ansatz – Junge arbeiten mit und packen an – scheint mir einzig­artig. Zumindest in der Schweiz.

Ihr Ziel?
Zeam soll die Plattform werden, an die Unternehmen sich wenden, wenn sie eine junge Zielgruppe erreichen oder junges Denken verstehen wollen.

Der anvisierte Umsatz?
Wir richten uns stärker an der Vision aus als an konkreten Zahlen. Aber natürlich arbeiten wir mehr als kostendeckend und wollen in andere Bereiche investieren.

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«Gamen ist ein riesiges Thema.»

Ist die Differenzierung in Gen X, Y und Z nicht eine zu starke Vereinfachung?
Generationen wachsen in einem bestimmten Kontext auf, daraus entstehen Gemeinsamkeiten. Die heutigen Jungen sind sehr Tech-affin und wollen Veränderung. Es geht dabei ja nicht darum, etwas als «besser» oder «schlechter» zu klassifizieren, aber es wäre naiv, nicht die Chancen und Gefahren zu erkennen, die sich aus der Unterschiedlichkeit ergeben. Bei der Generation Z ist ein Leben ohne Social Media und Handy unvorstellbar. Und Gamen ist ein riesiges Thema.

Die Gen Z ist also immer online?
Nicht immer, aber oft. Sie produziert viel Content online. Und die Gen Z ist eine aktivistische Generation, sie ist engagiert, auch politisch. Dafür stehen Greta und ihre «Fridays for Future» oder «Black ­Lifes Matter». Die Gen Z hat über Social Media eine ganze Bewegung ausgelöst. Es ist eine Generation, die etwas verändern will. Die Millennials sind dagegen nur zum Teil mit Handy und Social Media aufgewachsen.

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Neulich war ich ein paar Stunden off. Es hat sich fast wie Ferien angefühlt.

Wie viele Stunden sind Sie täglich digital?
Unterschiedlich. Ich arbeite stark mit di­gitalen Medien und bin beruflich viel auf Instagram, privat nicht mehr. Ein Leben ohne Handy kann ich mir nicht vorstellen.

Nie genug von der Technik, immer online?
Nicht immer, aber fast. Neulich war ich ein paar Stunden off, weil mein Handy kaputt war. Es hat sich fast wie Ferien angefühlt. Denn wenn ich in den Ferien bin, lege ich mein Handy gelegentlich sogar ein, zwei Tage weg.

Ihre Erfahrung?
Neu, angenehm.

Roger Federer On

«Wie interaktiv On den Roger-Federer-­Sneaker über Online-Kanäle lanciert hat, war wie aus dem Lehrbuch.»

Quelle: Youtube
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Welche Marken haben viel Potenzial bei den Jungen?
Dazu gehört sicher On.

Ist Werbeträger Roger Federer Gen Z?
Nein, aber sie machen es megacool, sehr stylish. Dann finde ich auch den Auftritt der Espressobarkette Vicafe sehr gelungen. Oder Viu Eyewear, die von Absolventen und Absolventinnen der Universität St. Gallen gegründet wurde. Lokale Angebote ziehen bei unserer Generation.

Was machen sie besser?
Wie interaktiv On den Roger-Federer-­Sneaker über Online-Kanäle lanciert hat, war wie aus dem Lehrbuch. Es hat viel mit ihrem Kommunikationsstil und dem Inhalt zu tun, auch mit der Wahl der Kanäle.

Instagram?
Zum Beispiel. Auch ich war da sehr aktiv. Mittlerweile finde ich Linkedin cool; man kann da rasch sehr grosse Reichweiten aufbauen und lernt spannende Personen kennen. Auch bei Tiktok sehe ich viel Potenzial.

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Die Videoplattform gehört Byte Dance aus China. Peking hat Zugriff auf die Nutzerdaten, etwa zur Gesichtserkennung.
Ich sehe diese Risiken, deshalb bin ich sehr vorsichtig mit Daten. Indien hat die Plattform ja verboten, die Trump-Administration denkt ähnlich. Aber sind wir ehrlich: Überall werden unsere Daten aus dem Netz verwendet.

Wie schützen Sie sich?
Man muss vorsichtig sein und eine gewisse Transparenz oder Risiken in Kauf nehmen. Wie Facebook zeigt, sind die Amerikaner nicht heiliger als die Chinesen. Jede Plattform verwendet unsere Daten, Google sogar im grossen Stil. Die Alternative ist: Klinke dich aus.

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Alles ist digital. Bücher sind out?
Nein, ich lese Print, auch Bücher. Ich kann mich sogar besser konzentrieren, wenn ich ein Produkt physisch vor mir habe. ­Damit gehöre ich zu einer Minderheit in meiner Generation.

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