Das Silicon Valley bleibt zwar aufgrund der hohen Konzentration an Expertise eine erfolgreiche Innovationsschmiede für Technologie und Gesundheitswesen. Auch andere Metropolen in den USA, wie etwa Los Angeles, Boston und New York, werden ihre Bedeutung für Wagniskapital beibehalten. Das höchste Wachstum in diesem Markt verzeichnet jedoch Asien, insbesondere China.

In Asien liegen die Innovationszentren in Peking und Schanghai. China hat sich in Bereichen wie Elektro- und autonome Fahrzeuge, Gaming und zunehmend auch in der Biotechnologie zum Technologieführer entwickelt. Der Motor hinter diesem Fortschritt sind Chinas 750 Millionen mobile Internetnutzer – mehr als doppelt so viele wie in den USA. Indien entwickelt sich dank der wachsenden Einwohnerzahl, die auf Technologie zurückgreift, ebenfalls zu einer wichtigen Region. Auch Europa holt auf. Hier stechen Berlin, London und Paris hervor. Wagniskapital-Investoren, die keine bahnbrechenden Innovationen verpassen wollen, können also heute einen globalen Ansatz verfolgen.

Künstliche Intelligenz und Maschinenlernen

Erfolgsentscheidend ist neben dem globalen Anlageansatz ein Fokus auf die treibenden Themen. Vor zehn Jahren konzentrierten sich die Topmanager von Wagniskapital auf damals aufkommende Themen wie soziale Netzwerke, Cloud Computing und Software. Heute richten sie ihren Fokus in erster Linie auf selbstfahrende Fahrzeuge, künstliche Intelligenz ( AI), Genom-Editierung, Krebsheilung, Elektrofahrzeuge, Blockchain und digitale Gesundheitsdienste. Zwei der derzeit am meisten beachteten Basistechnologien sind die Genom-Editierung und AI sowie maschinelles Lernen (ML).

Die Genom-Editierung besitzt das Potenzial, die Heilung von Krankheiten voranzutreiben, für die es noch keine wirksame Therapie gibt. Ein Anwendungsgebiet sind Arzneimittel zur Therapie verschiedener Krebsarten, ebenso wie seltene Krankheiten und Störungen des zentralen Nervensystems.

In den letzten Jahren spielte Wagniskapital eine wesentliche Rolle bei der Therapie von Erkrankungen wie Hepatitis C, Netzhautdystrophie, Leukämie sowie weiteren Krankheiten. All das wurde durch Durchbrüche in der Biotechnologie ermöglicht, wie etwa die Entwicklung neuer Medikamente und die Genom-Editierung.

AI und ML dürften tiefgreifende Auswirkungen auf das Tempo des technologischen Fortschritts haben. Die Rechenleistung – gemessen in Rechenoperationen pro Sekunde – ist exponentiell gewachsen. Bis 2050 sollen Konsumenten ein Gerät mit der Rechenleistung der gesamten Menschheit kaufen können – zum heutigen Preis eines Kühlschranks. Dieses Datum ist als technologische Singularität bekannt. AI und ML sind in der Lage, mehrere Branchen zu revolutionieren, darunter Finanzwesen, Recht, Regierung, verarbeitendes Gewerbe, Landwirtschaft, Energie, Transport, Versicherungen und Kundenservice.

Auch das Internet der Dinge hat sich in den letzten Jahren stark ausgebreitet. AI erlaubt es den Geräten, miteinander zu kommunizieren und erweiterte Analysen sowohl für den Energiesektor als auch für den Detailhandel zu liefern. Es ist eine aufregende Zeit, um in Technologie zu investieren, und Wagniskapital ist die treibende Kraft hinter der Technologie, die ein exponentielles Wachstum von AI ermöglicht.

20 Prozent der Unternehmen liefern 80 Prozent der Gesamtrendite

Wagniskapitalinvestoren stehen vor der Herausforderung, dass die besten 20 Prozent der Unternehmen etwa 80 Prozent der Gesamtrenditen generieren. Wenn Anleger kein konzentriertes Portfolio mit diesen besten 20 Prozent halten, werden die Renditen von den Verlierern im Portfolio geschwächt. Aus diesem Grund ist Qualitätsdichte bei Wagniskapital so wichtig.

Bei Investitionen in Early-Stage-Wagniskapital ist es deshalb äusserst wichtig, sich auf die führenden spezialisierten Fondsmanager mit limitiertem Zugang zu konzentrieren. Diese ziehen Top-Unternehmen mit den höchsten Erträgen an und weisen den besten Dealflow vor. Es lohnt sich zudem, vereinzelt neue Fondsmanager aufzunehmen, die das Potenzial besitzen, in den nächsten Jahren zu den besten 20 Venture Capital (VC)-Unternehmen zu zählen.

Natürlich spielt bei der Anlageselektion auch die Bewertung eine Rolle. Diese sind im börsennotierten Technologiesektor hoch. Im nicht-kotierten Bereich herrscht jedoch eine andere Dynamik. So weist unser Research ein statistisch signifikantes inverses Verhältnis zwischen den beschafften Kapitalmengen und der künftigen Performance nach. Mit anderen Worten: Hohe Kapitalbeschaffungen führen zu mehr investierbarem Kapital, verschärftem Wettbewerb bei Übernahmen, höheren Kaufpreisen und in der Folge geringeren Renditen. Im Umkehrschluss gilt: Verhaltene Phasen der Kapitalbeschaffung gehen einer besseren Wertentwicklung voraus. Wir haben dieses Verhältnis im Schroder Adveq Fund Raising Indicator (FRI; Kapitalbeschaffungsindikator) quantifiziert und formalisiert.

Einhörner als Zeichen des Late-Stage-Booms

Der Kapitalbeschaffungsindikator hilft, Marktbereiche zu identifizieren, die wahrscheinlich höhere Renditen erwirtschaften werden, sowie solche, die es am besten zu vermeiden gilt. Er deutet derzeit darauf hin, dass am Markt für Late-Stage-Wagniskapital aufgrund der hohen Summen, die in den vergangenen Jahren beschafft wurden, ein Überhitzungsrisiko besteht. Die Bewertungen von Late-Stage-Wagniskapitalanlagen sind entsprechend in die Höhe geschnellt – in den USA ist der durchschnittliche Mittelwert eines Late-Stage-Unternehmens sechs Mal höher als noch vor fünf Jahren.

Ein Grund dazu ist, dass mit Wagniskapital finanzierte Unternehmen länger privat bleiben als früher. Während es früher fünf bis sechs Jahre dauerte, bis ein Liquiditätsereignis (Börsengang oder Verkauf an einen anderen Finanz- beziehungsweise Unternehmensinvestor) eintrat, sind es jetzt im Mittel zehn Jahre.

Dies führte zu einer Verbreitung sogenannter «Einhörner», also mit Wagniskapital finanzierten Unternehmen mit einem Wert von über einer Milliarde Dollar. Weltweit existieren aktuell 258 dieser «Einhörner», während es vor einigen Jahren nur eine Handvoll waren. Dadurch besteht die Nachfrage nach höheren Summen zur Late-Stage-Finanzierung als in der Vergangenheit. Zudem begeistern sich Anleger leicht für Unternehmen, die die Schlagzeilen der Medien beherrschen.

Early-Stage-Unternehmen

Im Gegensatz dazu blieben Kapitalflüsse für Early-Stage-Investments relativ stabil, und die mittleren Pre-Money-Bewertungen in den USA, Europa und Asien sind nur leicht gestiegen. Der Indikator bestätigt, dass Early-Stage-Wagniskapital für hohe Renditen besser positioniert ist als der stärker umkämpfte Late-Stage-Markt. In dieser Hinsicht ist der Markt für Early-Stage-Wagniskapital dem Late-Stage-Markt derzeit voraus und eignet sich besser für einen disziplinierten Anlageansatz.

Ein weiterer Faktor, um ein Portfolio mit starker Performance aufzubauen, ist die Selektion der besten Wagniskapitalmanager. Empfehlenswert ist ein Portfolioansatz mit mehreren spezialisierten Fondsmanagern, da damit das Rendite-Risiko-Verhältnis optimiert werden kann.

So können verschiedene Branchen, Themen und Regionen besser abgedeckt werden, ohne Abstriche bei der Qualitätsdichte. Anlagen in Sekundärfonds (Fonds, die Anteile an bestehenden Fonds von Limited Partnerships,LP, kaufen) und Co-Investments (bei denen ein LP an der Seite eines General Partner (GP) anstelle einer Fondsstruktur in spezifische Transaktionen investiert), können ebenfalls erheblichen Mehrwert schaffen.

Sekundärtransaktionen am Private-Equity-Markt werden in der Regel zu einem Abschlag auf den Nettoinventarwert (NIW) des jeweiligen Anteils realisiert. Das ist der Preis, den ein verkaufswilliger Anleger für den frühen Ausstieg aus einer illiquiden Anlage zahlen muss. Der durchschnittliche Abschlag dieser Sekundärinvestitionen am Wagniskapitalmarkt lag in den vergangenen fünf Jahren in einem Bereich zwischen 17 und 25 Prozent. Er war damit viel höher als an anderen Märkten. Die attraktiven Abschläge bei Wagniskapital-Sekundärtransaktionen helfen, den J-Kurven-Effekt zu mindern, der bei Investitionen in Wagniskapital naturgemäss auftritt.

*Nils Rode, CIO, Schroder Adveq, Zürich.

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