Ich habe noch die Worte meines ­Vaters im Ohr: «Steh gerade!», «Sitz aufrecht!», mahnte er mich als Kind regelmässig, wenn meine Körper­haltung zu bucklig war. Allzu gut dürfte ich – ausnahmsweise natürlich – ­jeweils wohl nicht zugehört haben, denn mit dem Studium und dem damit verbun­denen langen Sitzen kamen die Rückenschmerzen. Dank Keilkissen auf jedem ­Bürostuhl habe ich das Problem in den Griff bekommen. Aber vielleicht wäre es gar nicht dazu gekommen, hätte es damals schon den Upright Go gegeben: einen Haltungstrainer mit App-Unterstützung.

Das daumengrosse Gerät befestigen Sie mit Hilfe einer Klebfolie zwischen den Schultern. «Kleber? Das hält nie!», war mein erster Gedanke. Doch tatsächlich zeigt der Go eine bemerkenswerte Haftkraft: Er sitzt im Büroalltag ebenso fest wie beim schweisstreibenden Sport auf dem Crosstrainer, sofern man zuvor den Klebestreifen mit Hilfe von Alkoholpads gereinigt hat. Jeweils zehn Kleber und Pads sind im Lieferumfang dabei, weitere zehn plus zehn kosten 15 Franken.

Vibration bei schlechter Haltung

Das Prinzip des Upright Go: Im Gehäuse steckt ein ­Gyroskop, das misst, ob sich das Gerät – und damit der ­Rücken – in senkrechter Lage befindet. Dazu muss man den Sensor via die (nur auf Englisch verfügbare) App nach ­jedem Anziehen neu kalib­rieren, was aber nur einen Knopfdruck und ein paar Sekunden benötigt.

Upright Go

Daumengross und 12 Gramm leicht: Ein Gyroskop im Gehäuse misst, ob sich das Gerät in senkrechter Lage befindet.

Quelle: ZVG

Ist das 12 Gramm leichte Gerät einmal montiert, vergisst man völlig, dass man es trägt – bis man sich zu weit nach vorne beugt, sei es im Stehen oder im Sitzen. Dann vibriert der Go und erinnert damit diskret, aber unerbittlich daran, wieder in die ideale Körperhaltung zurückzukehren. Drittpersonen nehmen die Intervention nicht wahr. Ein Muster, wann das Vibrieren ­aufhört, war für mich nicht erkennbar – nervig bei Situationen, in denen ein gekrümmter Rücken unvermeidbar ist: über dem Lavabo, beim Einräumen eines ­Bodenregals etc. Interessanterweise reklamiert der Go nicht, wenn man sich nach hinten lehnt bzw. hinfläzt.

Im Trainingsmodus entwickelt die App für den Nutzer individuelle Zielvorgaben, wie lange pro Tag man die Idealposition halten soll. Mich stört dabei die Ambitionslosigkeit des Programms: Selbst wenn man die Vorgabe um Stunden übertrifft, steigt das Ziel für den nächsten Tag nur um ­wenige Minuten. Dennoch konnte ich bei mir schnell eine Verhaltensänderung feststellen, was die Körperspannung betrifft. Es funktioniert also.

Fazit: Der Upright Go ist keine Rocket Science. Aber er erfüllt seinen Zweck und kann für Menschen mit Rückenproblemen eine echte Erleichterung bedeuten.

Upright Go
Info: www.uprightpose.com 
Preis: 79.90 Franken bei Galaxus.ch

Bewertung: ★★★★☆ 

★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★cool ★★★★★wegweisend

Kowalskys Crashtest Palm

Marc Kowalsky ist ein Early Digital Immigrant: Seit über 30 Jahren fühlt er den neuesten IT-Produkten auf den Zahn.

Quelle: Felice Bruno für BILANZ

Kowalskys Crashtest

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