Panikverkäufe führen zu massiven Verlusten am Schweizer Aktienmarkt

Die europäischen Aktienmärkte haben die erste Sitzung der neuen Woche mit tiefroten Kursen beendet. Der Abschwung hat sich im Vergleich zu den letzten beiden Wochen gar noch beschleunigt, so dass viele Marktteilnehmer mit Anspielung auf das weltweit sich ausbreitende Virus bereits vom «Corona-Crash» sprechen.

Der Handelstag dürfte auch als ein neuer schwarzer Montag in die Bücher eingehen, hiess es in Handelskreisen. Zum Teil war gar von panikartigen Verkäufen die Rede.

Die bereits schlechte Stimmung an den internationalen Finanzmärkten hatte sich übers Wochenende weiter verdüstert. Auslöser waren die weitere Ausbreitung des Coronavirus mit scharfen Massnahmen in Italien, aber auch der Einbruch des Ölpreises um phasenweise 30 Prozent. «Die Angst vor einer globalen Rezession sitzt den Anleger derzeit tief im Nacken. Und der starke Ölpreisverfall hat dann die Märkte endgültig in Panik versetzt», meinte ein Händler dazu.

Der SMI zeigte sich – wie meist in den letzten Wochen – extrem volatil und schloss 5,55 Prozent tiefer bei 9'197 Punkten. Nach einem Fall im frühen Handel auf 9059 Zähler erholte er sich schnell wieder in den Bereich von 9450 Punkten, um danach aber mehrheitlich wieder deutlich zu fallen. Im Vergleich zu seinem Höchststand vor gut zwei Wochen bei 11'270 Punkten notiert der SMI damit bereits über 18 Prozent tiefer, beim Montag-Tagestief waren es gar fast 20 Prozent weniger.

Die extreme Nervosität zeigte sich auch am Angstbarometer VSMI, das phasenweise um fast 30 Prozent in die Höhe schnellte und nun mit gut 43 Punkten auf dem höchsten Stand seit der Finanzkrise vor über 10 Jahren notiert. Die weltweiten Kurseinbrüche an diesem Montag erinnerten stark an die dunklen Momente der Finanzkrise von 2008, kommentierte denn auch ein Händler.

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Die grössten Verluste unter den Einzeltiteln gingen wie meist in scharfen Abwärtsphasen an Finanz- und Technologietitel sowie an zyklische Werte. So büssten etwa die beiden Grossbanken Credit Suisse (-12,9%) und UBS (-10,4%) klar über 10 Prozent ein und schlossen damit beide unter 9 Franken. Am letzten Freitag hatten beide erstmals gleichzeitig unter 10 Franken notiert.

Stark unter die Räder gerieten auch Zurich (-9,4%), Julius Bär (-8,8%), LafargeHolcim (-8,7%), Adecco (-8,3%) oder Swiss Re (-8,2%). Relativ gut hielten sich wie üblich in solchen Situationen die defensiven Schwergewichte Nestlé (-3,1%) und Novartis (-4,1%), während Roche (-5,2%) ebenfalls relativ scharfe Verluste hinnehmen mussten.

Die panikartige Stimmung unter den Anlegern ist am Montag auch von den übrigen Weltbörsen an die New Yorker Wall Street übergeschwappt. 

Der US-Leitindex Dow Jones Industrial brach zum Handelsstart um über 7 Prozent ein. Der brasilianische Aktienmarkt gab ebenfalls um zehn Prozent nach.

Dollar unter Druck, Ausverkauf bei Italien-Bonds

Anleger fliehen in «sichere Häfen» wie Gold. Die «Antikrisen-Währung» war mit 1702,56 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zeitweise so teuer wie zuletzt vor gut sieben Jahren. Staatsanleihen waren ebenfalls gefragt.

Dadurch fielen die Renditen der zehnjährigen Titel aus den USA und Deutschland auf Rekordtiefs von plus 0,318 Prozent und minus 0,909 Prozent. Im hoch verschuldeten Italien stieg die Rendite der zehnjährigen Bonds dagegen auf plus 1,384 von 1,079 Prozent. Zuvor hatte die Regierung in Rom den bei Urlaubern beliebten und wirtschaftlich starken Norden des Landes wegen des Coronavirus praktisch komplett abgeriegelt.

Diese Massnahme versetzte den Touristik-Werten einen weiteren Schlag. Der europäische Branchenindex fiel um 7,7 Prozent auf ein Fünfeinhalb-Jahres-Tief von 186,35 Punkten. Damit summiert sich sein Minus der vergangenen Wochen auf fast 30 Prozent. Das ist der grösste Kursrutsch seiner Geschichte.

Am Devisenmarkt fiel der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief von 94,65 Prozent. «Es sieht sehr wahrscheinlich aus, dass die Weltwirtschaft in den kommenden Monaten in eine Rezession abgleitet», sagte Rupert Thompson, Investment-Chef bei der Vermögensverwaltung Kingswood.

«Die gute Nachricht ist, dass die Behörden reagieren.» Investoren rechnen inzwischen damit, dass die US-Notenbank Fed den Leitzins auf ihrer Sitzung in der kommenden Woche um einen weiteren vollen Prozentpunkt senkt. Sie hatte den Zins bereits vergangene Woche überraschend um einen halben Prozentpunkt herabgesetzt. Gleichzeitig wetten sie auf eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt durch die Bank von England (BoE) Ende März und auf insgesamt drei Herabsetzungen des Einlagensatzes durch die Europäischen Zentralbank (EZB) bis Oktober.

Die schwärzesten Börsentage seit 1987

Die Corona-Panik und der Preiskrieg beim Öl bescheren Börsen weltweit den schwärzesten Tag seit Jahren. Alleine der Schweizer Leitindex SMI brach zwischenzeitlich um fast 700 Punkte oder 7 Prozent ein. Einen grösseren Verlust innerhalb eines Tages gab es zuletzt vor viereinhalb Jahren.

Beim bislang grössten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen liessen, gab es den SMI noch nicht. Er wurde am 1. Juli 1988 erstmals veröffentlicht.

Eine Übersicht über die prozentual höchsten Verluste des Schweizer Leitindex seither:

Die 1990er Jahre und die Anschläge von 9/11

  • 16. Oktober 1989: Der SMI fällt um 11 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Crash auslösen. Auch der deutsche Leitindex Dax gibt um rund 13 Prozent nach.
  • 19. August 1991: Ein später gescheiterter Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den SMI um gut 8 Prozent ins Minus.
  • 28. Oktober 1997: Im Sog der Asienkrise sackt der SMI im Handelsverlauf um bis zu über 10 Prozent ab und schliesst 4,6 Prozent niedriger.
  • 1. Oktober 1998: Die Sorge vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds sowie einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den SMI um knapp 6 Prozent ins Minus.
  • 11. September 2001: Nach den Anschlägen in den USA fällt der SMI um rund 7 Prozent.
  • 21. September 2001: Zehn Tage später markieren die Börsen weltweit neue mehrjährige Tiefstände. Der SMI sackt zwischenzeitlich um knapp 8 Prozent ein. Anleger fürchten sich nicht länger nur vor wachsenden Konjunkturrisiken und den finanziellen Terrorschäden in vielen Branchen, sondern auch vor einem möglichen Krieg.

Finanz- und Schuldenkrisen hinterlassen tiefe Spuren

  • 21. Januar 2008: Sorge vor einer Rezession in den USA drückt den SMI um über 5 Prozent ins Minus.
  • 15. September 2008: Bei der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers gibt der SMI um 5,4 Prozent nach. Währenddessen kommt der deutsche Dax glimpflich davon und verliert moderate 2,7 Prozent. Bis zum Handelsende erholt sich auch der SMI etwas und schliesst noch 3,8 Prozent tiefer.
  • 8. Oktober 2008: Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei-Index um über neun Prozent ab. Der SMI verliert bis zu 6,6 Prozent, der Dax bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der grossen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der SMI schliesst mit einem Minus von 5,5 Prozent.
  • 24. Oktober 2008: Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den SMI in der Spitze um über 8 Prozent.

China, Zinsen und Frankenschock

  • 15. Januar 2015: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hebt den Euro-Mindestkurs auf. Der SMI erlebt mit einem zwischenzeitlichen Sturz um 13,8 Prozent seinen bisher grössten Tagesverlust von über 9'000 Punkten am Vorabend auf unter 8'000 Punkte. Er schliesst 8,7 Prozent tiefer. Am Tag darauf geht es um weitere 6 Prozent nach unten.
  • 24. August 2015: Die Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China drückt den SMI um 7,3 Prozent. Spekulationen auf eine Geldspritze der chinesischen Notenbank bremsen am Abend die Talfahrt. Der SMI schliesst 3,7 Prozent im Minus.
  • 24. Juni 2016: Grossbritannien entscheidet sich für den Ausstieg aus der EU. Der SMI bricht zwischenzeitlich um 6,8 Prozent ein und schliesst um 3,4 Prozent tiefer.
  • 24. Februar 2020: Ein neuartiges Coronavirus breitet sich nach Europa aus. Die Furcht vor den Folgen der Epidemie beendet den Höhenflug des SMI, das Barometer gibt vier Prozent nach. Erst kurz zuvor hatte der SMI ein neues Rekordhoch bei 11'270 Punkten erreicht.
  • 9. März 2020: Zu einer allgemeinen Verunsicherung wegen des Coronavirus kommt ein Ölpreiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland hinzu: Weil die Regierung in Moskau sich nicht an einer Förderbremse beteiligen will, dreht Saudi-Arabien den Ölhahn voll auf, der Preis bricht zeitweise um rund ein Drittel ein. Das drückt den SMI im Handelsverlauf um 7,0 Prozent oder fast 700 Punkte. Weltweit brechen die Börsen ein.

Panikverkäufe an den Börsen

Die Coronavirus-Krise und der Ölpreiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland lösen Panikverkäufe an den Börsen aus. An der Wall Street wurde der Handel zu Beginn kurzzeitig sogar ausgesetzt, weil die Kurse so stark gefallen waren. Zuvor hatte der US-Standardwerteindex Dow Jones den grössten Kursrutsch seit zehn Jahren verzeichnet.

Am Morgen war der Swiss Market Index nach Eröffnung um 6,3 Prozent gesunken, konnte sich dann aber wieder ein bisschen fangen.

Speziell stark unter Druck waren die Grossbanken-Aktien. Als Grund werden die erneut deutlich tieferen Renditen an den Anleihenmärkten und die hohe Volatilität genannt. In der ersten Handelsstunde büssten Credit Suisse und UBS rund 10 Prozent, wobei erstmals beide Aktien gleichzeitig für weniger als neun Franken zu haben waren. Später verringerten sich die Verluste etwas.

Der Dax in Deutschland steuert auf den grössten Tagesverlust seit mehr als 18 Jahren zu. Kurz vor Montagmittag notiert der Index weit über sechs Prozent im Minus. Der Volatilitätsindex VDax, der die Nervosität der Anleger misst, steigt auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise im Herbst 2008. Dies gilt auch für sein pan-europäisches Pendant, den VStoxx.

In Mailand gaben die Kurse erwartungsgemäss ebenfalls nach, der führende Index MIB lag kurz vor Montagmittag fast zehn Prozent tiefer als am Freitag.
 
Der Schweizer Franken dient derweil wieder als Versicherungs-Währung – so dass der Euro wieder unter 1,06 Franken sank.

Die Ölpreis-Frage

Auch die Börsen in Asien hatten zuvor unter dem Eindruck des Ölpreisverfalls und der Sorgen über das Coronavirus teils deutlich nachgegeben. An der Leitbörse in Tokio stürzte der Nikkei-Index für 225 führende Werte am Montag um mehr als 1'000 Punkte unter die psychologisch wichtige Marke von 20'000 Punkten auf den tiefsten Stand seit 14 Monaten.

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Auslöser für den Ölpreisrutsch war die Nachricht, dass sich das Ölkartell Opec und seine Kooperationspartner nicht auf eine weitere Beschränkung der Rohölproduktion einigen konnten. Hinzu kommen die wachsenden Sorgen über die Folgen des Coronavirus auf die globale Wirtschaft.

Japanische Exporttitel gerieten zudem durch ein Anziehen des Yen gegenüber dem Dollar unter Druck.

Auch in China sinken die Kurse

Auch an anderen Börsenplätzen der Region gaben die Kurs teils deutlich nach. Die Aktienkurse an der Börse in Seoul rutschten um mehr als vier Prozent. Der Leitindex ging um 85,45 Punkte oder 4,2 Prozent auf den Schlussstand von 1'954,77 zurück.

In China büsste der Shanghai Composite Index deutlich um 3,01 Prozent auf 2'943,29 Punkte ein. Der Shenzhen Component Index ging mit einem Verlust von 4,09 Prozent bei 11'108,55 Punkten aus dem Markt.

Deutschland stützt die Wirtschaft

In Deutschland einigte sich die grosse Koalition auf ein umfangreiches Paket zur Abfederung von wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise. Dazu sollen unter anderem die Hürden für den Bezug von Kurzarbeitergeld deutlich gesenkt werden.

Arbeitgeber sollen anders als bisher die Sozialbeiträge für die ausgefallenen Arbeitsstunden voll erstattet bekommen, beschloss der Koalitionsausschuss in der Nacht zu Montag in Berlin bei seiner Sitzung im deutschen Kanzleramt.

Die grosse Koalition will zudem ein milliardenschweres zusätzliches Investitionspaket schnüren. «Wir werden die Investitionen des Bundes in den Jahren 2021 bis 2024 um jeweils 3,1 Milliarden Euro verstärken und so vereinbarte Investitionspfade ausbauen und neue Prioritäten in Höhe von insgesamt 12,4 Milliarden Euro ermöglichen», heisst es dem 14-seitigen Beschluss von Union und SPD.

Medizinische Schutzmassnahmen

«Die GroKo handelt in der Corona-Krise. Wir haben neben medizinischen Schutzmassnahmen auch ein grosses Hilfspaket für die deutsche Wirtschaft vereinbart: umfassende Kurzarbeiterregelungen, Liquiditätshilfen, Bürgschaften und Steuerstundungen für betroffene Branchen», schrieb CSU-Chef Markus Söder nach Ende der siebenstündigen Sitzung beim Kurznachrichtendienst Twitter.

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Die Schweizer Wirtschaft wird leiden

Angesichts der negativen Schlagzeilen dürfte mittlerweile klar sein, dass die Wirtschaft im ersten Quartal 2020 durch das Coronavirus in Mitleidenschaft gezogen wird. Darunter wird auch die Schweiz leiden. Eine Rezession erwarten Ökonomen aber (noch) nicht.

Eine Delle wird die Schweizer Wirtschaft aber mit Sicherheit erfahren, darin sind sich Experten einig. Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft werde definitiv negativ beeinflusst werden, erklärt etwa Thomas Stucki von der St. Galler Kantonalbank.

Produktionsketten bedroht

Denn die Ausbreitung der Corona-Epidemie weit über China hinaus bedroht die internationalen Produktions- und Lieferketten, die sich im Zuge der Globalisierung gebildet haben. Auf der Nachfrageseite führt die Krise zu einer Konsum- und Investitionszurückhaltung.

Auch andere direkt betroffene Länder die wirtschaftlichen werden die Folgen des Virus zu spüren bekommen. «Länder wie China, Italien oder Südkorea werden eine Schrumpfung ihrer Wirtschaftsleistung erleben», prognostiziert der Pictet-Chefstratege Anastassios Frangulidis. «Für ein exportorientiertes Land wie die Schweiz sind dies keine guten Nachrichten.»

Zudem gilt es die direkten Folgen der Krise in der Schweiz zu beachten. So setzt etwa die Absage von wichtigen Messen wie dem Genfer Autosalon oder Baselworld der Wirtschaft ebenfalls zu. Davon betroffen sind dann nicht nur die Messebetreiber und Aussteller, sondern auch Dienstleister wie Gastronomie und Hotellerie.

«Hinzu kommen die Reisebeschränkungen, die den Tourismussektor noch weiter belasten,» ergänzt der Ökonom Gianluigi Mandruzzato vom Vermögensverwalter EFG Asset.

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V- oder U-förmige Erholung?

In der Regel spricht man dann von einer Rezession, wenn das Bruttoinlandprodukt (BIP) in zwei aufeinander folgenden Quartalen schrumpft. Die erste Frage ist also, wie schnell die Krise abgeschüttelt werden kann.

Derzeit gehen viele Ökonomen noch davon aus, dass es zu einem sogenannten «V-förmigen» Erholungsszenario kommt, sich die Wirtschaft also nach der Delle schnell wieder erholt. «Sollte allerdings das V-förmige Erholungsszenario in ein U-förmiges übergehen, wären Rezessionsängste gerechtfertigt», meint der ZKB-Chefstratege Manuel Ferreira.

«Ein negatives Wachstum im ersten und/oder zweiten Quartal ist möglich», schliesst sich Thomas Stucki von der SGKB an.

Lieber Impfstoff als Zinssenkung

Bleibt die andere Frage, wie stark die Bremsspuren ausfallen werden. Die Ökonomen von BAK Economics und der Credit Suisse haben ihre BIP-Prognosen für die Schweiz wegen der Folgen des Coronavirus jedenfalls schon einmal gesenkt, Economiesuisse hat Ähnliches in Aussicht gestellt. Weitere Experten dürften nicht lange auf sich warten lassen.

Am Ende hängt aber alles davon ab, wie schnell die Ausbreitung des Virus eingedämmt werden kann. In dieser Kernaussage sind sich die Experten einig. Auf den Punkt bringt es der Chefökonom der Grossbank ING in Deutschland, Carsten Brzeski: «Zum gegenwärtigen Zeitpunkt würde ein Impfstoff definitiv mehr helfen als eine weitere Zinssenkung.» Denn Notenbanken können den Virus an sich nicht heilen.

Natürlich rücken damit auch die EZB und SNB ins Rampenlicht. Da aber sowohl in der Schweiz als auch in der EU die Zinsen bereits negativ sind, dürften Christine Lagarde und Thomas Jordan deutlich weniger Spielraum haben als Jerome Powell in den USA.

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Die Folgen für die Wirtschaft

  • Das optimistische Szenario. Mehr hier.
  • Das pessimistische Szenario. Mehr hier.
  • MCH Gruppe verschiebt Baselworld auf 2021. Mehr hier.
  • Bundesrat verbietet Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen. Mehr hier.
  • Fünf Gründe gegen Panikverkäufe an den Börsen. Mehr hier.
  • Die Warnzeichen für die Weltwirtschaft mehren sich. Mehr hier.
  • Genfer Uhrensalon wird wegen Epidemie abgesagt. Mehr hier.
  • Erste Engpässe: Galaxus erhöht wegen Coronavirus Preise. Mehr hier.
  • So belastet der Coronavirus die Swiss. Mehr hier.
  • Rudolf Minsch: «Die Auswirkungen des Coronavirus sind viel einschneidender». Mehr hier.HZ+
  • Bulgari-CEO: «Mir war klar, dass wir das Coronavirus sehr ernst nehmen werden». Mehr hier.HZ+
  • Luftreiniger: Der heimliche Verkaufsrenner in der Corona-Krise. Mehr hier.HZ+

Kenneth Rogoff warnt vor globaler Rezession

Der US-Ökonom Kenneth Rogoff hält es «für wahrscheinlich, dass wir auf eine globale Rezession zusteuern»: Corona treffe die Weltwirtschaft nicht nur in einer Zeit, in der sie ohnehin fragil sei, sagte der bekannte Ökonom in einem Interview mit der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» (Paid): «Anders als in der Krise vor zehn Jahren erleben wir auch noch eine Art Doppelschock, mit dem keiner gerechnet hat: einen Angebots- und einen Nachfrageschock zugleich.»

Wenn die Menschen wegen Corona nicht arbeiten gehen könnten, dürften oder wollten, dann dürften «Lieferketten zusammenbrechen, Waren knapp werden, Preise steigen», meinte der Harvard-Professor weiter.

Rogoff begrüsst die jüngst angekündigte Zinssenkung der US-Notenbank Federal Reserve. «Es ist aber jetzt schon klar, dass die Geldpolitik der Notenbanken kaum ausreichen wird, wenn sich die Pandemie weiter verschlimmert», meint der ehemalige IWF-Chefökonom. Hilfreich wäre da, «wenn US-Präsident Donald Trump seinen Handelskrieg mit China unterbrechen und die Zölle auf Eis legen würde. Das wäre ein enormer Vertrauensschub für die Märkte, und es würde den Nagel auf den Kopf treffen, weil es vor allem die Angebotsseite stärken würde.»

 

Lunch Topics: Das läuft jetzt

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IWF bezeichnet Coronavirus als Risiko für die globale Konjunktur

Der Ausbruch des Coronavirus ist nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) ein ernsthaftes Risiko für die globale Wirtschaft. Die ökonomischen und finanziellen Auswirkungen seien weltweit zu spüren, sorgten für Unsicherheit und trübten die kurzfristigen Aussichten ein, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgieva.

Das Ausmass der Folgen sei noch nicht absehbar. Das globale Wachstum dürfte aber 2020 unter das Vorjahresniveau fallen. Die 189 IWF-Mitgliedsländer stünden zusammen, um die negativen Folgen abzumildern. Der Währungsfonds werde alle verfügbaren Finanzierungsinstrumente nutzen, um Mitgliedsländern in Not zu helfen, sagte Georgieva.

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Morgan Stanley: Asiatische Aktien könnten schon wieder als Virus-Hedge dienen

Die durch das Coronavirus erschütterten Aktienmärkte Chinas, Singapurs und Australiens können nun Schutz vor Schlimmerem bieten: Diese These vertritt die Investmentbank Morgan Stanley. Die US-Bank hat die Aktien der drei Länder in ihrer Modellallokation für den asiatisch-pazifischen Raum und die Schwellenländer nach oben korrigiert. Argumente: In der Gesundheitsnotlage sollte es zu politischen Impulsen kommen – und die relativen Bewertungen seien nun günstiger.

Industrieländer wollen wirtschaftliche Folgen abfedern

Die führenden westlichen Industrieländer (G7) haben ihren Willen bekundet, gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise vorzugehen. Die Verbreitung des neuartigen Coronavirus und die Auswirkungen auf Finanzmärkte und Wirtschaft würden genau beobachtet, heisst es in einer Erklärung der Finanzminister und Notenbankchefs der G7 im Anschluss an eine Telefonkonferenz vom Dienstag.

«Angesichts der möglichen Auswirkungen von Covid-19 auf das globale Wachstum bekräftigen wir unsere Verpflichtung, alle geeigneten politischen Instrumente einzusetzen, um ein starkes und nachhaltiges Wachstum zu erreichen und gegen Abwärtsrisiken zu sichern.» Die Finanzminister seien bereit, auch fiskalische Massnahmen - also beispielsweise höhere Staatsausgaben - zu ergreifen, soweit dies notwendig sei. Zur Gruppe der G7-Staaten gehören die USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Kanada und Italien.

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Quelle: JHU CSSE

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