Herr Blattmann, was bedeutet Ihnen Sicherheit?
Ich verbinde Sicherheit mit unseren Grundrechten in der Schweizer Bundesverfassung. Diese sind für mich ein Privileg und bedeuten mir sehr viel. Wirtschaftlich gesprochen, gibt es im unternehmerisch geprägten Alltag wenig Sicherheit, dafür eine Menge an Chancen, die das (Berufs-)Leben spannend machen.

Wie schützen Sie sich vor Gefahr und Schaden?
Sowohl privat wie auch geschäftlich wäge ich bewusst ab, wann reine Vorsicht als Schutzmassnahme reicht und wann Versicherungen vor unwahrscheinlichen Ereignissen mit grossem Gefahr- und Schadenpotenzial schützen. Selbstverständlich fällt mir das Abwägen heute leichter als noch vor 20 Jahren, als das Leben primär von jugendlicher Unbeschwertheit geprägt war und ich nur ganz wenige Gefahren in meinem Alltag wahrgenommen habe.

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Können Sie mit Unsicherheiten leben?
Ja. Für mich ist Unsicherheit ein fester Bestandteil meines Lebens und unserer Existenz. Das verhält sich exakt wie mit Yin und Yang in der chinesischen Philosophie. Ich strebe nach einem Gleichgewichtszustand, in dem sich Sicherheit und Unsicherheit die Balance halten sollen. Zu viele Unsicherheiten führen bei mir in der Regel zu schlechtem Schlaf und hohem empfundenem Stress, wenig Unsicherheit fühlt sich bei mir meistens nach Stillstand oder Lethargie an. Sowohl im Beruf als auch im Sport macht es dann besonders Spass, wenn Unsicherheiten am Horizont erkennbar sind, die dem Verlauf der Dinge eine energetisierende Dynamik verleihen.

Alex Blattmann, CEO und Co-Founder von MaxBrain, spricht sechs Sprachen fliessend, ist ein passionierter Tennisspieler, Skifahrer und Kitesurfer. Unmöglich nein sagen kann er zu einem guten Glas Rotwein und einem Espresso. 
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MaxBrain
MaxBrain ist ein Edtech-Spin-off der Universität St. Gallen und auf vollständig individualisierbare Lernplattformen für Berufstätige spezialisiert. MaxBrain hilft Unternehmen, sich digital fit zu machen und den Mitarbeitern lebenslanges Lernen zu ermöglichen.

Wie oft machen Sie eine Risikoabwägung?
Privat sehr selten – aber doch häufiger als vor dem Start ins Unternehmertum. Beruflich fast täglich.

Was ist Ihr höchstes Gut?
Gesundheit und Freiheit, ich verweise gerne wieder auf unsere Bundesverfassung.

Was würden Sie gerne versichern?
Mit der Krankenversicherung ist die mir wichtige Gesundheit so gut als möglich versichert. Unternehmerisch gesprochen finde ich es spannend und wichtig, jene Risiken zu versichern, die existenzielle Gefahren für unser Unternehmen darstellen. Wir werden in der Schweiz und global im Bereich Cyber-Security noch in diesem Jahrzehnt ein neues Niveau an sehr ernsten Risiken, Gefahren und Schäden kennenlernen. In diesem Kontext wäre für mich eine Versicherung meiner privaten Daten spannend.

Welches Renommee geniessen Versicherer in der Schweiz?
Die Versicherer gehören für mich zu einem essenziellen Grundpfeiler unserer Wirtschaft und verhelfen der Schweiz dazu, sich im globalen Standortwettbewerb optimal zu positionieren. Meine Wahrnehmung ist ähnlich wie jene der Bankenwelt: Es fehlt an Digitalisierung und Innovationskraft, wobei wir langsam beobachten, wie kleine Steine zögerlich ins Rollen kommen.

Wie kann ein Versicherer Kundenbeziehungen verbessern?
Indem er einen aktiven Dialog mit seinen Kunden pflegt und proaktiv und engagiert seine Dienstleistungen erbringt. Das verhält sich in allen Branchen identisch. Der Dialog muss aber nicht immer persönlich stattfinden. Vom Chat-Bot über das Versicherungsportal bis hin zu Push-Benachrichtigungen ist vieles möglich. Was mir regelmässig auffällt, sind umständliche Login-Prozesse und digitale Portale, die selten alle Informationen und Prozesse an einem Ort benutzerfreundlich zentralisieren.

Welches sind Ihre Entscheidungskriterien für die Wahl eines Versicherers?
Qualitätswahrnehmung und Image im Markt, innovative Produkte und der Anspruch, digital ganz vorne mit dabei zu sein. Letzteres ist für mich vor allem punkto Zeiteffizienz und Qualität immens wichtig. 

Versicherer verkaufen Versprechen. Stimmt das?
Versicherer verkaufen eine Dienstleistung. Ein Versprechen verkaufen sie insofern, als ich im Schadenfall erwarte, zügig und unbürokratisch die nötige Unterstützung zu erhalten. Hier sind wir aber in der Schweiz sehr gut unterwegs. Versicherer haben in meinem Leben bislang ihre Versprechen gehalten.

Wer regelt in Ihrem Unternehmen die Versicherungsfragen?
In einem kleinen, aber stark wachsenden Unternehmen mit 17 Mitarbeitenden werden aktuell alle Versicherungsfragen noch von der Geschäftsführung betreut. Je nach Versicherungsbereich wird das auch noch eine Weile so bleiben.

Welchen Versicherungsabschluss haben Sie je bereut?
Ich erlaube mir, die Frage umzudrehen. Das letzte Mal, als ich für den Mietwagen keine Versicherung für Glasbruch abgeschlossen hatte, schlug ein kleiner Stein auf Spaniens Strasse mitten in die Frontscheibe. Das Geld für die Rechnung über 800 Euro des spanischen Autovermieters hätte ich in hervorragenden Rioja investieren können. Entsprechend habe ich bislang noch nie einen Versicherungsabschluss bereut, gehöre aber eher zur Kategorie «unterversichert».